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Sebastian Vettel führt in der WM-Wertung mit einem Vorsprung von 77 Punkten © getty

Sebastian Vettel spielt in Valencia nach Belieben mit der Konkurrenz. Von einer WM-Vorentscheidung will er nichts wissen.

Von Marc Ellerich

München - Verbissene Rivalen, neue Regeln, ja sogar ein scheinbar spannungsarmer Grand Prix - Sebastian Vettel kann derzeit nichts und niemand von dem Plan abhalten, seinen Weltmeister-Titel zu verteidigen. (BERICHT: Vettel feiert Sieg Nummer sechs)

Die Gegner? Sie bissen sich auch beim Europa-Grand-Prix in Valencia an Vettels Leichtigkeit die Zähne aus. Scheinbar spielerisch fuhr der Red-Bull-Pilot seinen Verfolgern vom Start weg auf dem Hafenkurs der spanischen Metropole davon. In Schlagdistanz kam niemand, zu keiner Zeit. (DATENCENTER: Renn-Ergebnis)

Sechster Saisonsieg

Nach 57 Runden überquerte Vettel wie schon im Jahr zuvor als Erster den Zielstrich, sein nunmehr sechster Sieg in dieser bereits jetzt schon fabelhaften Saison. Zehn Sekunden zurück belegte Ferrari-Pilot Fernando Alonso vor seinen begeisterten Landsleuten den zweiten Platz. (422802Bilder)

Dahinter fehlte dem zweiten Red-Bull-Fahrer Mark Webber bereits eine halbe Minute auf seinen deutschen Teamkollegen. Erst auf der vierten Position folgte in Lewis Hamilton der erste Pilot der McLaren-Crew. Eine schwere Niederlage für die Engländer, die Vettel vor dem Grand Prix für schlagbar gehalten hatten.

[kaltura id="0_o4u5rnf4" class="full_size" title="Eine Runde in Valencia"]

"Fühlt sich wunderbar an"

Vettels Vorsprung im WM-Tableau beträgt nach dem achten Saisonrennen beeindruckende 77 Zähler. (DATENCENTER: WM-Stand) Ob er in Valencia die WM bereits entschieden habe, wurde der Sieger gefragt.

Vettel wollte davon nichts wissen. "Ich schaue nicht auf den Vorsprung, sondern von Rennen zu Rennen." Natürlich genieße er den tollen Saisonstart, mehr aber auch nicht: "Es fühlt sich wunderbar an im Moment. Aber wir müssen weiter hungrig bleiben, es ist noch ein weiter Weg."

Noch weiter aber wird der Weg zum Titel für seine Gegner. Alonso lieferte sich auf den 57 Runden durch den Hafen ein verbissenes Positons-Duell mit Webber, in dem er dank einer geglückten Reifenstrategie schließlich die Oberhand behielt. Vettel jedoch könne er im Moment nicht gefährden, urteilte der Spanier. "Platz zwei ist derzeit das Maximum, das wir erreichen können."

Webber schien sich ebenfalls über seine Platzierung auf dem Podium zu freuen. Er sprach anschließend "von meinem vielleicht besten Rennen in diesem Jahr".

Zahm wie Kätzchen

Einen Angriff auf Vettel kündigte keiner seiner geschlagenen Gegner nach dem Rennen an. Dass seine Konkurrenten in Spanien zahm wie die Kätzchen agierten, war selbstverständlich auch Vettel nicht entgangen.

"Vielleicht sieht das von außen etwas langweilig aus", sagte er: "Aber ich liebe das einfach, wenn man jede Runde gegen sich selbst fährt und versucht, das Rennen zu lesen und gemeinsam mit dem Team dafür zu sorgen, dass die anderen hinter einem bleiben."

Aber auf die Gegner könnte der 23-Jährige demnach also auch gut und gerne verzichten, er ist sich selbst genug.

"So ein Theater"

Auf die neue, kurzfristig verabschiedete Motor-Mapping-Regel pfeift der junge Dompteur im PS-Zirkus ohnehin. Schon in Valencia durfte die Motor-Einstellung zwischen Quali und Rennen nicht mehr verändert werden. Von einer "Lex Red Bull", hatte sogar Helmut Marko, Motorsport-Beauftragter des Rennstalls, gesprochen.

Nach seiner Fahrt auf die Pole-Position hatte Vettel die allgemeine Aufregung über den Beschluss des Weltverbands verspottet. Nach seinem Sieg legte er nach.

"Ich habe von Anfang an nicht verstanden, warum man so ein Theater macht", meinte der Red-Bull-Star: "Ich habe vorher schon gesagt, dass wir keine Angst haben müssen und gut gerüstet sind. Deshalb ist es eigentlich wurscht, und man hätte einfach alles so lassen sollen."

Horner zu SPORT1: Keine Zauberdinge

Sein Teamchef Christian Horner beantwortete eine SPORT1-Anfrage zum selben Thema mit den Worten: "Es sind keine Zauberdinge an unserem Auto, und es wäre falsch zu glauben, dass dies (das Motor-Mapping, d. Red.) der einzige Grund für die Performance unseres Autos gewesen wäre - in diesem Jahr, im vergangenen oder im Jahr davor."

Er gehe davon aus, dass die führenden Teams in ähnlicher Weise von der FIA-Regelung betroffen seien, so Horner zu SPORT1: "Ich denke, andere Teams haben die Regel mehr ausgereizt und ihre Autos danach designed. Ich könnte mir also vorstellen, dass sie nun frustriert sind."

Für Red Bull gelte das nicht. Eine Beschwerde plane sein Rennstall nicht, kündigte Horner an: "Wir werden damit umgehen und weitermachen."

So waren nach dem Valencia-Rennen fast alle wichtigen Fragen beantwortet. Nur die eine nicht: Wer soll Vettel in dieser Saison ernsthaft gefährlich werden?

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