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Fernando Alonso liegt 77 Punkte hinter Sebas- tian Vettel (M.) und 22 hinter Mark Webber © getty

Der Motor-Zwist überschattet die Silverstone-Quali. Webber und Vettel sind genervt, aber schnell. Nur Ferrari kann ihnen folgen.

Von Marc Ellerich

Silverstone - Der Zoff über plötzlich erlaubte und dann wieder verbotene Motoren-Einstellungen war das nahezu alles beherrschende Thema am Qualifying-Samstag in Silverstone (Bericht: Motoren-Zoff überschattet England-GP)

Dennoch versuchten die Piloten, sich die ebenso leidige wie komplexe Zwischengas-Debatte beim Großbritannien-GP (So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) so gut es ging vom Hals zu halten - was aber mehr schlecht als recht gelang.

Nein, seine Fahrt zur zweiten Pole-Position der Saison sei nicht die Antwort auf das Motoren-Hickhack gewesen, meinte Red-Bull-Pilot Mark Webber. (Bericht: Webber entreißt Vettel die Pole)

Drei Hunderstel vor Vettel

"Wir haben es nicht nötig, auf irgendetwas eine Antwort zu finden", sagte der Australier, der seinen Teamkollegen, Weltmeister Sebastian Vettel, mit einer Bestzeit von 1:30,399 Minuten um drei Hundertstelsekunden hinter sich gelassen hatte.

Platz drei ging an Ferrari-Star Fernando Alonso, der den beiden "Bullen" nicht einmal eine Zehntelsekunde hinter Vettel dicht im Nacken sitzt. (DATENCENTER: Startaufstellung)

Sein Rennstall sei mit den neuen Regelungen des Zwischengas-Verbots gut umgegangen, stellte Vorjahressieger Webber fest: "Sebastian und ich konzentrieren uns auf das Fahren."

[kaltura id="0_gy2fwvyj" class="full_size" title="Eine Runde in Silverstone"]

"Alles nichts Neues"

Red Bull sei es zudem gewöhnt, mit Vorwürfen und Regeländerungen umzugehen, bemerkte Webber schließlich und spielte auf einige aufgeregte Diskussionen der Vergangenheit an: "Während der Fahrt verstellbare Höhe, Frontflügel, alles nichts Neues. Wir müssen immer wieder über irgendetwas Anderes diskutieren."

Kritik am überraschenden Vorstoß des Weltverbands, den Webbers Teamchef Christian Horner als klare Benachteiligung seines Rennstalls bezeichnet hatte, konnte sich der Mann aus Queanbeyan dann aber doch nicht verkneifen: "Hoffen wir, dass sie eine Lösung finden, auch für die Fans. Die verstehen von all dem, was da los ist, keine 0,1 Prozent."

Vettel: Kann's nicht ändern

Auch seinen ersten Verfolger Vettel nervt das Regel-Thema, und das schon seit längerem. Schon nach seinem Sieg beim spanischen Rennen in Valencia vermutete der Weltmeister, die Diskussionen würden in England aufs Neue entbrennen. Er sollte recht behalten.

Er habe versucht, sich von der Regel-Kontroverse nicht beeindrucken zu lassen, berichtete der junge Champion in Silverstone: "Es ist nicht meine Sache, und ich kann es nicht ändern", sagte er.

Schließlich könne er ja nicht zur FIA gehen und sagen: "Schaut her, das ist es, was wir wollen, so sollte es sein. Die Angelegenheit ist in deren Händen."

Er sei froh gewesen, als er endlich ins Auto habe steigen können, gab der 24-Jährige freimütig zu: "Dann konnte ich mich auf das konzentrieren, was wichtig ist."

"Es ist sehr verwirrend"

Von einer Benachteiligung seines Red-Bull-Teams wollte Vettel nichts wissen. Eher betrachtet er die Fans als die wahren Verlierer der Regel-Konfusion: "Es ist sehr verwirrend, und das ist die wirkliche Schande: Die Leute sollen kapieren, was wirklich los ist - wer betroffen ist und wer nicht."

Vettel beteuerte, er habe den Entschluss gefasst, sich auf den Sport zu konzentrieren - zumindest sagte er das öffentlich.

"Das Beste ist es, auf der Strecke zu zeigen, wo du stehst, und da waren wir sehr konkurrenzfähig", stellte er nach der turbulenten Stunde fest, die in Michael Schumacher (13.), Nick Heidfeld (16.) und Adrian Sutil (11.) deutsche Verlierer und in dem furiosen Trio Paul di Resta (6.), Pastor Maldonado (7.) und Kamui Kobayashi (8.) unerwartete Gewinner produziert hatte: "Ferrari scheint nah dran zu sein, McLaren hatte nicht das beste Qualifying. Aber es ist zu früh, um zu sagen: Gut, wir haben verloren, Ferrari nicht, und McLaren noch mehr. Das werden wir morgen sehen."

Reifen und Wetter im Blick

Die Reifen würden im Rennen eine viel wichtigere Rolle spielen als der Auspuff, findet Vettel. Das gelte auch für das wechselhafte englische Wetter und die unberechenbaren Streckenverhältnisse, die schon das Qualifying zu einer schwierigen Angelegenheit gemacht hatten.

Mal trocken, mal nass, mal beides auf verschiedenen Streckenabschnitten: "Es war eine schwierige Session unter diesen Bedingungen."

Seine zweite Quali-Niederlage 2011 gegen seinen Teamkollegen nahm Vettel gelassen hin. Er habe sich kurz vor Schluss verschaltet und so seinen letzten Versuch ruiniert, räumte der WM-Leader ein: "Schade, ich hätte Mark gerne herausgefordert. Er hat das aber gut gemacht. Alles in allem ist das für uns ein gutes Ergebnis heute - nach all dem Gerede. "

Alonso: Bestes Qualifying 2011

Aber dann ist da ja noch Alonso, den Vettel beim Anlauf auf seinen siebten Saisonsieg dringend beachten sollte. Der Spanier und sein Ferrari-Kollege Felipe Massa stellen im Silverstone erstmals 2011 eine echte Gefahr für die bis dato konkurrenzlosen Red-Bull-Fahrer da. (DATENCENTER: WM-Stand)

Vom "besten Qualifying des Jahres" schwärmte Alonso nach seinem dritten Platz: "Hier in Silverstone, auf einer Strecke, die uns nicht liegt, nur ein Zehntel hinter dem Pole-Setter zu liegen, ist für uns eine sehr gute Nachricht."

Als er gefragt wurde, ob Ferraris Leistungsschub dem Zwischengas-Verbot zu verdanken sei, hielt er sich bedeckt. "Schwierig zu sagen", meinte der Pilot aus Oviedo: "Ich bin kein Techniker, aber ich glaube, es liegt nur an unseren neuen Teilen am Auto."

"Sehr langweilig"

Alle betroffenen Teams verlören durch die veränderte Regel Zeit, behauptete der Doppel-Weltmeister der Jahre 2005 und 2006, der Verlust betrage in etwa drei bis fünf Zehntelsekunden. "Aber kein Team kann eineinhalb Sekunden verlieren oder gewinnen, das ist unmöglich."

Später, in einem Interview mit der "BBC", bezeichnete der Ferrari-Star die Regel-Diskussion als "sehr langweilig".

Leidtragende seien die Fans der PS-Liga, stellte schließlich auch der Spanier fest. "Die Fans wollen Action, Überholmanöver, Qualifying, Rennen. Wir müssen mehr an sie denken und weniger über Dinge reden, die nicht auf der Strecke stattfinden."

Weltverband will Verbot kippen

Die neueste Meldung des Tages dürfte dem Formel-1-Star dennoch kaum gefallen haben: Der Weltverband will das Zwischengas-Verbot schon ab dem Deutschland-Grand-Prix kippen, vorausgesetzt alle Teams stimmen dem zu.

Ferrari müsste Farbe bekennen.

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