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Fernando Alonso fährt in Silverstone den 27. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere ein © imago

Ferrari fährt in Silverstone zum ersten Saisonerfolg. Vettel führt lange - doch ein verpatzter Boxenstopp kostet den Sieg.

Silverstone - Den Sieg an Fernando Alonso verloren, die Führung in der Gesamtwertung aber weiter ausgebaut.

Für Weltmeister Sebastian Vettel brachte der britische Grand Prix in Silverstone (Zusammenfassung ab 18 Uhr im TV auf SPORT1) gemischte Gefühle.

Ein Patzer seiner Boxencrew kostete den Red-Bull-Piloten den möglichen siebten Saisonsieg, doch als Zweiter sammelte der 24-Jährige weitere wertvolle Punkte auf dem Weg zu seinem zweiten WM-Titel. (DATENCENTER: WM-Stand)

"Wir hatten ein paar kleine Fehler hier und da, aber es kann nicht jeden Tag perfekt laufen. Wir müssen ganz fair akzeptieren, dass Ferrari uns heute geschlagen hat", sagte Vettel.

Ein Problem mit einem Schlagschrauber hatte ihn die zwischenzeitliche Führung gekostet: "Wir müssen weiter hart arbeiten, damit wir bei den nächsten Rennen wieder da auftauchen können."

Prinz Harry überreicht den Pokal

Den Sieg musste Vettel dem stark auftrumpfenden Alonso überlassen, für den zwei Proberunden im ersten Sieger-Ferrari der Formel-1-Geschichte offenbar die richtige Motivation waren. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Das war ein Privileg für mich. Hier hat vor 60 Jahren die Ferrari-Geschichte angefangen, und heute habe ich auf der gleichen Strecke mit der gleichen Passion eines fantastischen Teams gewonnen", sagte der Spanier.

Für Alonso war es der 27. Grand-Prix-Sieg und der erste seit seinem Erfolg am 24. Oktober 2010 in Südkorea, den Siegerpokal erhielt er aus der Hand von Prinz Harry.

Vorsprung ausgebaut

Vettel, der in der Schlussphase Probleme mit dem KERS-System hatte, brachte den zweiten Platz Gott sei Dank" knapp vor seinem Teamkollegen Mark Webber ins Ziel und landete damit auch im neunten Rennen der Saison auf einem der ersten beiden Plätze.

In der Gesamtwertung vergrößerte er mit jetzt 204 Punkten seinen Vorsprung vor dem neuen zweitplatzierten Webber (124) um weitere drei auf jetzt 80 Zähler.

Lokalmatador Jenson Button, der vor dem Rennen punktgleich vor Webber gelegen hatte, ging leer aus, weil er nach einem verpatzten Boxenstopp in Runde 39 das rechte Vorderrad verlor. Alonso (112) rückte auf Rang drei vor.

Vier Deutsche in den Top Ten

Neben Vettel fuhren drei weitere deutsche Piloten in die Punkteränge. Nico Rosberg wurde im Mercedes Sechster, Nick Heidfeld im Renault Achter.

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Rekordweltmeister Michael Schumacher kam im zweiten Mercedes-Silberpfeil nach einem erneut turbulenten Rennen vor ausverkauftem Haus mit 120.000 Zuschauern noch auf Rang neun.

Nach einer Kollision mit Sauber-Pilot Kamui Kobayashi, bei der er sich wie schon zuletzt in Valencia den Frontflügel beschädigte, hatte ihn eine Zehn-Sekunden-Strafe zwischenzeitlich vom achten auf den 17. Rang zurückgeworfen.

Raketenstart von Vettel

Beim Start machte Vettel seinen kleinen Fehler vom Qualifying weg, als er sich kurz vor der Ziellinie verschaltet und damit die siebte Pole Position im achten Rennen knapp verpasst hatte.

Vettel zog gleich auf den ersten Metern an Webber vorbei an die Spitze. (Bericht: Webber entreißt Vettel die Pole)

Pünktlich zum Beginn des Rennens hatte es angefangen zu regnen, was den Fahrern eine Rutschpartie berscherte.

Vettel setzte sich unbeeindruckt davon gleich im Schnitt eine Sekunde pro Runde von Webber ab, der einen ersten Angriff von Alonso abgewehrt hatte.

Hamilton furios, Schumi crasht

Schnell nach vorne arbeitete sich Hamilton, der sich von Rang zehn bis auf Platz fünf vorschob.

Auch Schumacher kam gut ins Rennen und machte von Startposition 13 in der ersten Runde vier Plätze gut.

In der neunten Runde endete aber Schumachers Vorwärtsdrang abrupt, als er in den Sauber von Kamui Kobayashi rutschte und sich dabei wie zuletzt in Valencia den Frontflügel zerstörte.

Weil er dabei den Japaner umdrehte, leiteten die Rennkommissare eine Untersuchung ein. Schumacher musste sich an der Box einen neuen Frontflügel abholen und ließ als erster Fahrer Trockenreifen aufziehen.

Strafe "zu hart"

Weil Schumacher mit den Slicks auf Anhieb schneller fuhr als die Konkurrenz mit den Intermediate-Reifen folgten die anderen Piloten seinem Beispiel, Button in Runde 11, Webber, Alonso und Hamilton in Runde 12, Spitzenreiter Vettel schließlich in Runde 13.

Schumacher musste dann als Strafe für den Unfall mit Kobayashi in Runde 16 zum zweiten Mal in die Boxengasse und eine Zehn-Sekunden-Strafe abbrummen, was ihn von Rang neun auf Platz 17 zurückwarf.

"Das war zu einhundert Prozent mein Fehler", musste Schumacher eingestehen: "Ich denke, dass Platz vier oder fünf möglich gewesen wäre." Die Strafe empfand er als "zu hart".

Alonso jagt Webber

Vettel sah nach seinem Stopp zunächst Webber wieder etwas größer in den Rückspiegeln.

Der Australier kam bis auf 1,2 Sekunden heran, bevor Vettel den Abstand wieder vergrößerte. Hamilton hatte sich inzwischen an Alonso vorbei auf Rang drei geschoben und machte seinerseits Jagd auf Webber.

Aber nicht lange, denn Alonso holte sich in Runde 24 seinen dritten Platz wieder zurück, Hamilton danach direkt neue Reifen. Webber folgte in Runde 26.

11,7 Sekunden an der Box

Einen Umlauf später kamen Vettel und Alonso zum zweiten Stopp. Während bei Alonso alles glatt ging, gab es bei der Red-Bull-Crew ein Problem.

Vettels Stopp dauerte 11,7 Sekunden, was ihn hinter den neuen Spitzenreiter Alonso und Hamilton auf Rang drei zurückwarf.

"Hab Geduld, hab Geduld", beruhigte Vettel danach aber sein Renningenieur über den Boxenfunk.

Hamilton veteidigt Platz zwei

Er schloss auch schnell zu Hamilton auf, kam an dem sich hart verteidigenden Briten aber nicht vorbei.

Weil an der Spitze Alonso seinen Vorsprung ausbaute, holte Red Bull Vettel schon in Runde 36 zum dritten Stopp an die Box. Hamilton kam direkt eine Runde später zum nächsten Wechsel, danach aber hinter Vettel zurück auf die Strecke.

Vettel hatte auf Rang fünf 25,5 Sekunden Rückstand auf Alonso, der in Runde 39 zum letzten Reifenwechsel kam. Danach lag er zehn Sekunden vor Vettel und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.

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