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McLaren-Star Lewis Hamilton (l.) landete beim Heimrennen in Silverstone auf dem vierten Rang © imago

Rennfahren am Limit: Lewis Hamilton ruft beim England-GP sein gesamtes Können ab. Eine Sprit-Panne stoppt den Gipfelsturm.

Von Olaf Mehlhose

München - Weltklasse-Start, rassige Zweikämpfe, Herzschlagfinale.

Platz vier täuschte darüber hinweg, dass Lewis Hamilton beim Grand Prix von Großbritannien (Bericht) ein grandioses Rennen abgeliefert hatte. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Nach der nervenaufreibenden Zieldurchfahrt, bei der er Platz vier hauchdünn vor Felipe Massa behauptet hatte, überwog beim 15-maligen Grand-Prix-Gewinner dann auch die Freude.

"In der letzten Runde war es so knapp, wie es nur sein kann. Das war ein verrücktes Rennen", sagte der Lokalmatador, der die letzten 21 Runden des Rennens wegen akutem Benzin-Notstand nur auf Sparflamme zurücklegen konnte. (428517DIASHOW: Das Rennen)

Fünf Plätze in einer Runde

Vor allem in den ersten Runden des England-GP brannte Hamilton ein wahres Feuerwerk ab. Sekunden-Bruchteile nachdem die Ampel auf Grün geschaltet wurde, war der McLaren-Star mit einem Raketenstart bereits vom zehnten auf den sechsten Platz vorgeprescht.

Wenige Momente später kochte er auch noch Teamkollege Jenson Button ab und fand sich nach einer furiosen ersten Runde auf Rang fünf wieder.

"Lewis, das war fantastisch", applaudierte die Box.

Hamilton sah es ähnlich: "Zu Beginn, als die Strecke nass war, konnte ich mein Talent und meine Fähigkeiten zeigen. Da war ich der Schnellste, obwohl ich nicht im schnellsten Auto war - ein tolles Gefühl."

Hamilton schockt Alonso

Doch damit nicht genug.

In der 15. Runde schockte er kurzzeitig sogar den späteren Sieger Fernando Alonso, an dem er auf der zu diesem Zeitpunkt noch feuchten Piste problemlos vorbeifuhr - allerdings fing er sich nur neun Runden später den Konter des bärenstarken Spaniers ein.

[kaltura id="0_gy2fwvyj" class="full_size" title="Streckenvorstellung Silverstone"]

Später biss sich dann Sebastian Vettel, der nach einem verpatzten Boxenstopp hinter den Schanghai-Sieger auf Platz drei zurückgefallen war, sieben Runden lang an "Bremsblock" Hamilton die Zähne aus.

Auch wenn Vettel nach einem taktischen Boxenstopp wieder am Silverstone-Sieger von 2008 vorbeizog, ein Platz auf dem Podest schien greifbar nahe.

Sprit-Panne stoppt Gipfelsturm

Allerdings wurde Hamiltons Gipfelsturm durch eine Fehlkalkulation seines Teams abrupt gebremst.

McLaren hatte den 26-Jährigen schlichtweg mit zu wenig Benzin ins Rennen geschickt, so dass er in den letzten Runden zu rigorosem Sprit-Sparen verdonnert war.

Den dritten Platz musste Hamilton deshalb nahezu kampflos an Mark Webber abtreten. Und auch im Kampf um Rang vier wurde es noch mal richtig spannend.

"In der letzten Runde haben sie mir dann gesagt, ich kann wieder angreifen. Da meinte ich nur: 'Danke, jetzt ist Massa schon hinter mir.' Den Platz hätte ich aber nie hergegeben."

"Platin-Karte für Stewarts"

Das hatte der derzeitige WM-Vierte bereits auf der Strecke eindrucksvoll gezeigt: Mit einem halsbrecherischen - aber legalen - Manöver verteidigte er seine Position vor dem heranbrausenden Ferrari-Piloten.

Vielleicht lag es am gewonnenen Duell gegen Massa, vielleicht aber auch an der Gala-Vorstellung bei regennasser Fahrbahn: Zumindest war der McLaren-Piloten schon kurz nach dem Rennen wieder zum Scherzen aufgelegt.

Auf die Frage, ob er befürchte, dass er wegen des Zweikampfes mit Massa zu den Stewarts gerufen werde, antwortete er mit einem breiten Grinsen: "Davon gehe ich sogar aus. Ich habe eine Platin-Karte für die Stewarts."

Button im Pech

Immerhin hatte Hamilton im Gegensatz zu seinem Teamkollegen noch ein durchaus respektables Ergebnis eingefahren.

Button musste seinen Boliden in der 40. Runde abschalten, weil das rechte Vorderrad bei einem Reifenwechsel nicht ordnungsgemäß festgezurrt worden war.

Zu diesem Zeitpunkt lag der 31-Jährige auf Platz fünf, durfte sich aber noch berechtigte Hoffnungen auf die erste Podiumsplatzierung bei seinem Heim-Grand-Prix machen.

"Wir alle machen Fehler"

Umso ärgerlicher sei der Fauxpas in der Box gewesen, der die Hoffnung auf die erste Podiumsplatzierung bei seinem Heimrennen zunichtemachte: "Es war enttäuschend. Als ich aus der Boxengasse kam, hat sich das Rad gelöst. Dadurch war ich gezwungen, sofort anzuhalten."

Der Weltmeister von 2009 verzichtete allerdings darauf, seinem Team den schwarzen Peter für die Panne zuzuschieben.

"Wir alle machen Fehler, auch wenn wir hoffen, dass es nie passiert", erklärte Button: "Mir tut es leid für die Fans, dass wir nicht mehr tun konnten. Ich werde es aber im nächsten Jahr wieder versuchen."

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