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Michael Schumacher beendete den Grand Prix von Silverstone auf Platz neun © getty

Nach turbulentem Rennverlauf landen beide Mercedes-Piloten in den Top Ten. Die Strategie passt, das Reifenproblem scheint gelöst.

Von Olaf Mehlhose

München - Den Schuldigen hatte Michael Schumacher schnell ausgemacht.

Nach seinem Crash mit Kamui Kobayashi beim Großen Preis von Silverstone (Rennbericht) versuchte der Rekordweltmeister gar nicht erst, die Verantwortung auf jemand anderen abzuwälzen. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

"Die Kollision war zu 100 Prozent meine Schuld", erklärte der Mercedes-Star: "Es war die erste Phase, in der DRS aktiviert werden durfte, und ich bin mit Überschuss in die Kurve gefahren."

"Ich war überrascht, wie schnell ich war und habe nicht stark genug gebremst. So ist es dann zur Kollision gekommen." (428517DIASHOW: Das Rennen)

Auch dass er mit Platz neun schließlich noch zwei WM-Punkte ergatterte, tröstete Schumi zunächst nicht: "Gerne hätte ich dem Team heute Abend zu unserem Barbecue mit ihren Familien viele Punkte als Geschenk mitgebracht, aber leider habe ich das selbst verspielt."

Start spült Schumi auf Platz neun

Dabei hatte der England-Grand-Prix für ihn eigentlich perfekt begonnen.

Zu Beginn des Rennens konnte er auf regennasser Fahrbahn direkt vier Plätze gut machen.

Schumacher selbst war von seiner Leistung jedoch nicht sonderlich beeindruckt: "Der Start war nicht besonders. Ich habe auch nicht am Start selbst Boden gut gemacht, sondern mehr im Verkehr und den ersten drei, vier Kurven danach."

Schumi: Über 30 Sekunden verloren

Vielmehr ärgerte sich der 91-fache Grand-Prix-Gewinner über die verpasste Chance, einen Platz in Podiumsnähe zu erreichen.

"Platz vier oder fünf wäre möglich gewesen", stellte Schumi klar: "Ich habe fast eine komplette Runde ohne Frontflügel fahren müssen und viel Zeit verloren. Dazu die Durchfahrtsstrafe und noch einmal Zehn-Sekunden - man kann von über 30 Sekunden reden, die ich so verloren habe."

Kritik an den Stewarts

Vor allem mit der Höhe des von den Stewarts verhängten Strafmaßes war der siebenmalige Weltmeister nicht einverstanden.

[kaltura id="0_gy2fwvyj" class="full_size" title="Streckenvorstellung Silverstone"]

"Ich denke, dass die Entscheidung zu hart war", kritisierte Schumacher: "Eine Durchfahrtsstrafe hätte ich gerechter gefunden, aber Stop-and-Go verstehe ich nicht ganz."

Dass es Nigel Mansell, der in Silverstone die Rolle des vierten Stewarts bekleidete, speziell auf ihn abgesehen hatte, glaubte der 42-Jährige allerdings nicht: "Eigentlich haben wir zwei keine alten Fehden auszutragen."

"Die Aufholjagd war beeindruckend"

Am erstaunlichsten war eigentlich, dass Schumacher nach dem turbulenten Rennverlauf noch in den Punkterängen landete.

Motorsportchef Norbert Haug war deshalb auch voll des Lobes für die Vorstellung seines Schützlings: "Die Aufholjagd bis auf Platz neun war beeindruckend."

Mit etwas Abstand gab sich der Rekord-Champion durchaus optimistisch für den kommenden Deutschland-Grand-Prix.

"Ich freue mich jetzt auf die heimische Kulisse und darauf, erstmals als Silberpfeil-Pilot auf dem Nürburgring durch meine eigene Kurve zu fahren", sagte er: "Ich glaube zwar nicht, dass sie mir Vorteile bringt, aber es ist trotzdem schön."

Rosberg zufrieden

Mit Platz sechs reihte sich Nico Rosberg in Silverstone noch drei Plätze vor seinem Teamkollegen ein.

Nachdem er bereits beim Start auf Platz zwölf durgereicht worden war, überwog beim derzeitigen WM-Siebten die Freude: "Ich bin mit dem Resultat zufrieden. Bereits im Qualifying haben wir gezeigt, dass wir Potenzial für die Top-5 haben. Zudem war unsere Rennstrategie sehr gut."

Diese Leistung müsse das Team nun beim Heimrennen bestätigen, sagte der 26-Jährige: "Wir werden das gesamte Wochenende analysieren und hart daran arbeiten, uns weiter zu verbessern."

Hält der Aufwärtstrend an?

Die Chancen auf ein gutes Ergebnis beim Traditionsrennen in der Eifel stehen nicht schlecht. Die Zweistopp-Strategie, die Mercedes als einziges Top-Team verfolgte, erwies sich als goldrichtig und hievte beide Fahrer in die Punkteränge.

Zudem scheint Mercedes die Handhabung der Pirelli-Reifen endlich in den Griff zu bekommen.

"In den vergangenen Rennen hatten wir Schwierigkeiten mit dem Reifenverschleiß, aber heute Nachmittag konnten beide Fahrer über 115 km mit einem Option-Reifensatz fahren - wir scheinen auf diesem Gebiet also gute Fortschritte erzielt zu haben", erläuterte Teamchef Ross Brawn.

Wie groß der Fortschritt aber wirklich ist, wird sich erst auf dem Nürburgring zeigen.

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