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Mark Webber fuhr bei seinen bisherigen 166 Starts sechs Grand-Prix-Siege ein © getty

Teamchef Christian Horner rüffelt den Australier für seinen Angriff auf Vettel. Fährt sich Webber um Kopf und Kragen?

Von Olaf Mehlhose

München - Nachspiel für Mark Webber:

Wegen Missachtung der Stallorder in der Endphase des Großen Preises von Großbritannien hat sich der Australier den Zorn seines Teamchefs zugezogen. (Bericht: Alonso als Nutznießer von Vettel-Panne)

Christian Horner kündigte bereits an, dass die Attacken auf Sebastian Vettel gegen die ausdrückliche Anweisung des Teams nicht ohne Folgen bleiben werden.

"Wir werden das unter vier Augen klären", sagte der 37-jährige Brite, gab aber bereits die Richtung des Gesprächs vor: "Das Team steht über allem, kein Einzelner ist größer als das Team." (DATENCENTER: Rennergebnis)

Webber ignoriert Anweisungen

Während der letzten Runden des Rennens in Silverstone war Webber von seinem Rennstall mehrere Male dazu aufgefordert worden, den vor ihm liegenden Vettel nicht mehr zu attackieren.

Über diese Anweisung hatte sich der WM-Zweite allerdings eigenmächtig hinweggesetzt, wie er später freimütig bekannte. (STIMMEN: "Ich habe das Team ignoriert")

Später hatte er sein Team für die Maßnahme sogar noch öffentlich kritisiert. (NACHBERICHT: Alonso siegt, Webber motzt)

Aus der Sicht eines Rennfahrers durchaus nachvollziehbar - aber unter Umständen hat sich Vettels Teamkollege mit der Weigerung weit mehr geschadet, als es zunächst den Anschein hatte.

Hat sich Webber verzockt?

"Webber riskiert seinen Arbeitsplatz", kommentierte das englische Boulevardblatt "The Sun" die Aktion des 34-Jährigen und spielte damit auf die aktuellen Vertragsverhandlungen über eine Verlängerung bis 2012 zwischen dem österreichisch-englischen Team und dem letztjährigen WM-Dritten an.

[kaltura id="0_gy2fwvyj" class="full_size" title="Streckenvorstellung Silverstone"]

Verbessert hat Webber seine Verhandlungsposition zumindest nicht.

Red Bull wird sich mit Sicherheit zwei Mal überlegen, ob es Sinn macht, den Vertrag mit einem Quertreiber zu verlängern - zumal ein Großteil der Piloten ein Cockpit beim Branchenprimus ohne zu zögern gegen den aktuellen Arbeitsplatz eintauschen würde. (DATENCENTER: WM-StandTeams)

"Es geht um das Team"

Horner selbst stellte sich zunächst noch vor seinen Fahrer.

Auf die Frage, ob sich Webbers eigenmächtiges Handeln auf die aktuellen Vertragsverhandlungen auswirken werde, antwortete der Red-Bull-Boss: "Ich hoffe nicht."

Vettels Vorgesetzter stellte allerdings auch klar, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssten: "Letztendlich geht es um das Team. Ich kann verstehen, dass ein Fahrer manchmal von einer Anweisung frustriert ist, aber es liegt in meiner Verantwortung, sicherzustellen, dass das Team seine Ergebnisse optimiert."

Erinnerungen an Istanbul

In diesem Fall sei es die Entscheidung gewesen, in den letzten Runden nicht mehr zu attackieren. Webber habe die 33 WM-Punkte, die dem Team zu diesem Zeitpunkt sicher waren, mit seinen Angriffen aufs Spiel gesetzt.

Diese Ansicht würde er auch gegenüber Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, der bekanntermaßen kein Freund von Teamorder ist, verteidigen: "Herr Mateschitz hätte sich sicher nicht bei uns bedankt, wenn am Ende beide Autos in der Mauer gelandet wären."

"Wir haben in der Vergangenheit gesehen, welche schwerwiegende Folgen so etwas haben kann", erklärte Horner mit Blick auf den "Bullen-Crash" im vorigen Jahr in der Türkei, der Red Bull statt eines möglichen Doppelsieges einen Ausfall von Vettel und einen dritten Rang für Webber einbrachte.

Vettel gelassen

Im Gegensatz zu seinem Boss sah Vettel den Vorfall allerdings gelassen, ihm schien der Wirbel um seinen Teamkollegen eher auf die Nerven zu gehen.

"Ich verstehe nicht, warum man hier ein Fass aufmachen muss. Mark hat versucht, mich zu überholen, aber ich bin vorne geblieben", sagte der Champion.

Für das Vorgehen Webbers räumte er sogar Verständnis ein: "Wäre es andersherum gewesen, hätte ich auch versucht, Mark zu überholen."

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