Peter Kohl lobt das Siegerteam und lässt sich vom Reglementwahn der FIA nicht den Spaß verderben. Tops und Flops aus Silverstone.

TOPS

Fernando Alonso: Starkes Rennen, den Teamkollegen, der mit gleichwertigem Material unterwegs war, einmal mehr deklassiert. Dazu die Ansage, jedes Rennen bis zum Schluss wie ein Finale anzugehen - trotz des großen Rückstandes. Ein Champion eben. Davon gibt es nicht wirklich viele.

Ferrari: Arbeitet unermüdlich weiter, trotz der vielen Nackenschläge zu Saisonbeginn - die Regeländerung in Sachen Zwischengasverbot im Schleppbetrieb alleine hat die Verbesserung nicht gebracht. Da gehört schon mehr dazu. Forza, weiter so!

Sebastian Vettel: Super Start, fehlerfreies Rennen, aus den Möglichkeiten das Beste gemacht - das passt schon.

Mark Webber: Mieser Start, ansonsten ein gutes Wochenende - endlich aufgewacht und herrlich ehrlich: Auch wenn es um einen neuen Vertrag geht, scheut er keine klaren Antworten.

Lewis Hamilton: Stark in der Anfangsphase, und das Finale gegen Felipe Massa...

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Sergio Perez: Starkes Rennen, auf Augenhöhe mit Nico Rosberg, auch wenn er nicht vorbeigekommen ist. Es wird immer deutlicher, dass Peter Sauber da einen echten Rohdiamanten an Land gezogen hat. Gut drauf aufpassen!

Nick Heidfeld: Absolut fehlerfreies Rennen, hat sich stark gegen Schumacher verteidigt und gezeigt, dass die Pannen-Quali nichts mit fehlenden Qualitäten bei ihm zu tun hatte. Das Auto lief nicht, wie auch nicht bei Witali Petrow, von dem war im Rennen allerdings nichts zu sehen.

Jaime Alguersuari: Es hat lange gedauert, bis er den Umgang mit den Pirellis begriffen hat, jetzt zum dritten Mal in Folge in den Punkten, jeweils von den hinteren Startreihen kommend - Respekt!

Paul di Resta: Starkes Qualifying, gutes Rennen. Für den verpatzten Boxenstopp konnte er nichts, danach er zu hektisch und wollte mit Gewalt verlorene Zeit reinholen. Dabei schlitzte er den Hinterreifen an Sebastien Buemis Toro Rosso auf, weil er zu ungeduldig war. Ein Fehler, dem man einem Fahrer in seiner ersten Saison verzeihen darf.

Heikki Kovalainen: Starkes Qualifying! Und ein Lob dafür, dass er Teamkollege Jarno Trulli jederzeit fest im Griff hat.

Timo Glock: Seine Quali-Runden sind immer wieder ein Hingucker mit dieser Marussia-Virgin-Gurke - der Kampfdackel hat seinen Biss Gott sei Dank nicht verloren und steckt den Kopf nicht in den Sand. Weiter so, zeig allen, dass Du es noch drauf hast! Der Renngott wird Dich irgendwann erhören...

MITTELPRÄCHTIG

Silverstone: Nach wie vor eine geile Strecke, ich kann dem neuen Boxengebäude aber nicht viel Gutes abgewinnen - sieht aus wie eine Messehalle, die vorderen Boxen der Spitzenteams sind von der Tribüne nicht einzusehen, die Pitlane führt durch einen Schacht wie in einem Parkhaus und ist auch noch ziemlich eng. Die Boxeneinfahrt ist hochgradig gefährlich.

Pastor Maldonado: Erneut ein starkes Qualifying, dafür nichts zu sehen im Rennen. Umgekehrt würde sich eher bezahlt machen.

Nico Rosberg: In der Quali einen Tick schneller als MSC, wiederholt mieser Start und sofort einige Positionen verloren. Er profitierte vom Missgeschick und Pech anderer, ansonsten sehr unauffällig.

Michael Schumacher: Zum vierten Mal in der Quali nicht in den Top Ten, dafür wie so oft Bombenstart, starke erste Runden. Nach der überzogenen Stop-and-Go Strafe eine tolle Aufholjagd. Die Fehler auf der Strecke häufen sich allerdings, der Unfall mit Kamui Kobayashi war weiß Gott nicht der erste in dieser Saison. Immer wieder rauscht er anderen in die Kiste, vielleicht weil er es mit Gewalt wissen will? Hamilton bekommt dafür viel mehr an Kritik um die Ohren gedroschen...

Die Boxencrews von Sauber und McLaren: Die Mechaniker haben einen Höllenjob, es gut um Bruchteile von Sekunden. Fehler passieren, sind menschlich, dafür habe ich jedes Verständnis. Dennoch sind die Fehler, die bei Kobayashi und Jenson Button gemacht wurden, gefährlich für alle anderen in der Boxengasse. Und gehören deshalb auch angeprangert und bestraft - als Motivation, es wieder besser zu machen.

FLOPS

Red Bulls Funkspruch: Muss das sein, bei 77 Punkten Vorsprung Webber einzubremsen? 2010 tönte Mateschitz noch, Red Bull treibe den Sport im Sinne des Sports, bei ihm werden Fahrer immer racen dürfen. Pustekuchen - schade drum!

Regeländerungen während der Saison: IOC, FIFA und FIA - immer wieder dasselbe! Was soll der Quark? Dass niemand mehr durchblickt und die Fans sich verarscht fühlen, schadet der Formel 1 erheblich. Man kann auch mit Gewalt etwas kaputt machen. So bleibt der Eindruck hängen von einem Dilettantenstadl... Dieses Politikgezeter im Hintergrund, bei dem jeder nur seinen eigenen Vorteil sieht, ist unerträglich! Hat irgendjemand den Doppeldiffusor oder den F-Schacht mitten in der Saison verboten (beide entsprachen übrigens auch nicht dem Sinn des Reglements)? Kann mich nicht erinnern...

Der Mercedes-Speed: Man hört immer wieder: Wir brauchen Zeit, wir sind auf dem richtigen Weg, der neue Auspuff hat Potenzial, wir arbeiten hart... Tun andere übrigens auch, und sind dabei erfolgreich. Bei Mischbedingungen und im Regen voll dabei, im Trockenen fehlt der Speed. Da können die Fahrer zaubern wie sie wollen, mehr als der Kampf gegen Sauber ist derzeit nicht drin. Das ist zu wenig.

Lotus: Beide Autos mit technischen Gebrechen verloren, und das in der heutigen Zeit der Zuverlässigkeit - siehe Valencia, da haben alle 24 die Zielflagge gesehen. Das geht deutlich besser.

Adrian Sutil und Rubens Barrichello: Waren die dabei? Ist mir nicht aufgefallen.

Daniel Ricciardo will ich noch nicht bewerten, die Sitzanprobe konnte erst in Silverstone erfolgen, weil er am Wochenende zuvor noch in der Renault 3,5 L World Series aktiv war. Er ist den HRT nie zuvor gefahren, ein neues Team, neue Arbeitsbedingungen und ein neues Umfeld - ein bisschen Zeit zur Anpassung sollte man ihm gewähren.

Wir werden ihn weiter beobachten und hoffen, dass bis zum Deutschland-GP am Nürburgring alle Reglement-Ungereimheiten ausgeräumt sind. Wir wollen den Sport genießen und kein Ingenieursstudium absolvieren.

Bis dahin,

Ihr Peter Kohl

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