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Der erste Grand Prix auf dem Nürburgring wurde bereits im Jahr 1951ausgetragen © imago

Horrende Antrittsgelder, keine Subventionen: Ist der Deutschland-GP das vorerst letzte Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring?

Von Olaf Mehlhose

München - Keine Formel 1 auf dem Nürburgring - schwer vorstellbar, aber vielleicht bald Realität.

Die 25. Auflage des Großen Preises von Deutschland (1. Training, Fr., ab 10 Uhr im TV auf SPORT1) auf dem Traditionskurs könnte für längere Zeit das letzte Mal sein, dass die Königsklasse in der Eifel gastiert.

Eveline Lemke, Wirtschaftsministerin des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, sagte dem "Handelsblatt", dass das Rennen keine weiteren Zuwendungen erhalten werde.

"Bis 2016 gibt es genau ein Formel-1-Rennen mit finanzieller Unterstützung des Landes - und das ist 2011, Punkt", stellte die Grünen-Politikerin klar.

Die Verbindlichkeiten der Veranstalter sollen sich auf rund 55 Millionen Euro belaufen. Das Aus wäre programmiert.

Horrende Antrittskosten

Grund für die finanziellen Schwierigkeiten sind vor allem die horrenden Antrittskosten, die Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone für die Austragung des Motorsport-Events verlangt, im Augenblick etwa 20 Millionen.

Den Veranstaltern bleiben als einzige Einnahmequelle die Zuschauergelder. Aufgrund rückläufiger Besucherzahlen reicht der Ertrag aber bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken.

Bereits 2008 erklärte der damalige Marketing-Leiter Stephan Cimbal gegenüber SPORT1: "Die Formel 1 ist für uns kein Profitgeschäft."

Subventionen gestrichen

In den vergangenen Jahren konnte der Deutschland-Grand-Prix vor allem dank immenser Unterstützung des Landes ausgetragen werden. In diesem Jahr belief sich der Zuschuss der Regierung auf 13,5 Millionen Euro.

Mit Hilfe von Seiten der Politik ist in Zukunft allerdings nicht mehr zu rechnen, wie Lemke deutlich machte.

"Im Koalitionsvertrag ist klar festgehalten, dass die Zuschüsse zurückgefahren werden. Da lassen wir auch nicht mit uns verhandeln. Der Deckel ist drauf, es geht künftig nichts mehr in den Nürburgring rein", blieb die Vize-Regierungs-Chefin der von Rheinkland-Pfalz hart.

Verhandlungsspielraum scheint es nicht zu geben.

Ecclestone unter Zugzwang

"Wir wollen die Formel 1 am Nürburgring halten, das hat auch das Land immer klar gesagt, aber zu einem anderen Preis", sagte Jörg Lindner, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH, und forderte von Ecclestone eine Senkung der Startgebühren.

Andernfalls dürfte der markante Sound der Formel-1-Motoren auf dem Traditionskurs bald verstummen.

"Die zurzeit noch geltenden Konditionen erzeugen hohe und nicht mehr hinnehmbare Verluste", unterstrich Lindner der "dpa": "Deshalb kann es eine Fortsetzung der großen und legendären Tradition der Formel 1 auf dem Nürburgring nur geben, wenn ein künftiger Vertrag wirtschaftlich und politisch vertretbare Regelungen enthält."

Auch Lemke sieht Ecclestone unter Zugzwang: "Ob das Rennen am Wochenende das letzte sein wird, hängt damit maßgeblich von den Forderungen von Bernie Ecclestone ab." (EINWURF: Bernie, beweg dich!)

Hoffen auf Hockenheim-Szenario

Aus Kostengründen findet der Große Preis von Deutschland im jährlichen Wechsel auf den Rennstrecken Nürburgring und Hockenheimring statt.

Der Grand Prix in Baden-Württemberg stand 2008 ebenfalls vor dem Aus - allerdings erklärte sich Ecclestone nach langwierigen Verhandlungen bereit, den 2009 auslaufenden Vertrag zu günstigeren Konditionen zu verlängern. Der Kontrakt sieht Austragungen in den Jahren 2012, 2014, 2016 und 2018 vor.

Gleiches erhoffen sich nun auch die Betreiber des Nürburgrings.

Was kann Schmidt ausrichten?

Lindner setzt darauf, bei Ecclestone eine Vertragsverlängerung zu besseren Konditionen zu erreichen, und einen Teil seiner Hoffnungen auf seinen neuen Geschäftsführer-Kollegen Karl-Josef Schmidt, der am 1. Juli vom Hockenheimring in die Eifel wechselte.

"Für ihn spricht, dass er mit Erfolg einen wesentlich besseren Vertrag mit Bernie Ecclestone ausgehandelt hat als meine Vorgänger", sagte Lindner.

Weltweites Interesse

Ob der Formel-1-Boss auch diesmal zu Zugeständnissen bereit ist, bleibt abzuwarten. Interessenten für die Ausrichtung eines Formel-1-Rennens gibt es weltweit mehr als genug - vor allem auf dem asiatischen Markt.

Die Frage, die sich Ecclestone stellen wird, ist, ob er es sich leisten kann, ein Jahr ohne einen WM-Lauf in Deutschland auszukommen.

Immerhin gehört die Heimat von Weltmeister Sebastian Vettel und Rekordchampion Michael Schumacher zu den primären Märkten des milliardenschweren Formel-1-Geschäfts.

Finanziell machbar

Finanziell könnte der Nürburgring ohne weiteres auf die Austragung eines Formel-1-Grand-Prix verzichten.

"Für uns als Rennstrecke bedeutet das Gastspiel der Formel 1 eine 14-tägige Blockierung der Rennstrecke", sagte Lindner. Auch ohne die Formel 1 sei es ohne Probleme möglich, den Kalender mit "attraktiven und vor allem finanziell lukrativen Veranstaltungen zu füllen."

Verlust der "Strahlkraft"

Ein herber Verlust wäre hingegen "die Strahlkraft der Veranstaltung", gab der Geschäftsführer zu Bedenken.

Schätzungen zufolge belaufen sich die Einnahmen, die der Formel-1-Tross in der Region generiert, zwischen 50 und 60 Millionen.

"Das sollte man bei der Diskussion über den Sinn und Unsinn der Formel 1 nicht aus den Augen verlieren und ganz klar in die Rechnung einbeziehen", forderte Lindner.

Deshalb wünscht sich Lindner auch in Zukunft eine Beteiligung des Landes Rheinland-Pfalz.

"Es muss die Frage erlaubt sein, ob nicht auch der Bund bei einem internationalen Ereignis wie der Formel 1 vergleichbare Unterstützung zu Teil werden lässt wie bei der Fußball-WM oder diversen Olympiabewerbungen", sagte er.

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