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Sebastian Vettel führt die WM mit 80 Punkten Vorsprung vor Mark Webber an © getty

Auf seiner ersten PK vor dem Heim-GP spricht Vettel über die Gefahr für den Nürburgring, den Vettel-Finger und Konkurrent Alonso.

Vom Nürburgring berichtet Marc Ellerich

Nürburg - Sebastian Vettel hat ein paar entspannte Tage in seiner Schweizer Wahlheimat und einen Kurzbesuch in Heppenheim hinter sich, als er zu seiner ersten Pressekonferenz beim Heim-Grand-Prix auf dem Nürburgring erscheint (1. Training, Fr., ab 10 Uhr im TV auf SPORT1).

Der Red-Bull-Weltmeister macht einen gut erholten Eindruck, auf Kampfansagen des jungen Hessen an seine Konkurrenten wartet man vergeblich.

Dennoch ruft er sein Red-Bull-Team auf Nachfrage von SPORT1 zur Wachsamkeit auf. Ferrari befinde sich vor dem Deutschland-Grand-Prix auf Augenhöhe.

Ansonsten zeigt sich Vettel in Plauderlaune. Einzig das mögliche Aus des rheinland-pfälzischen Formel-1-Standorts treibt Sorgenfalten auf seine Stirn, zumal er sich auch 2011 sehr auf das Rennen in der Heimat freut.

SPORT1 dokumentiert die wichtigsten Aussagen des Weltmeisters aus der Presserunde.

Sebastian Vettel über:

- Seinen Start beim Heim-Grand-Prix auf dem Nürburgring:

"Ich freue mich. Das ist das, was heraussticht. Es ist etwas Besonderes, nicht jeder Fahrer hat die Chance, im eigenen Land Rennen zu fahren. Ich glaube, das gibt einem noch einmal einen kleinen Extra-Schub, vielleicht ein Zehntel hier oder da, was dann vielleicht entscheidend ist.

Für viele ist das manchmal ein gewisser Druck oder eine Erwartungshaltung. Das spüre ich eigentlich nicht. Wie gesagt: Ich freue mich in erster Linie."

- Die Berichte, dass der Grand Prix 2011 wegen finanzieller Probleme möglicherweise zum letzten Mal stattfindet.

"Es ist wahr, dass kurz vor dem Rennen, das jetzt natürlich im Fokus steht, sehr viel Negatives aufgetaucht ist. Das wäre schade, es ist nicht fair. Weil man beurteilt, was in dem einen Jahr oder dem Zeitraum, den man ins Auge fasst, passiert ist. Aber man vergisst, was auf dem Nürburgring alles schon passiert ist, was bewegt wurde. Über Jahre hat er sehr viele Leute angelockt und ist immer eine Attraktion gewesen. Das Rennen an sich, die Rennstrecke und das ganze Drumherum haben sehr, sehr viel Gutes gebracht - einerseits für die Leute, andererseits für den Geldbeutel. Man lässt da viel außer Acht. Es wäre schade, wenn man so was verlieren würde."(EINWURF: Bernie, beweg dich!)

[kaltura id="0_io4sgxqe" class="full_size" title="Eine Runde um den N rburgring"]

- Die Bedeutung eines Heimsieges

"Es gibt genauso viele Punkte, wie bei jedem anderen Rennen. Aber natürlich ist das noch einmal ein zusätzlicher Motivationsschub, wenn man zu Hause Rennen fahren kann. Das Rennen sticht natürlich heraus. Es gibt vielleicht zwei Rennen im Jahr, die ein bisschen mehr bedeuten: Das eine ist Monaco, das andere ist hier. Ich stand in den beiden vergangenen Jahren schon zwei Mal auf dem Podium. Das macht einen glücklich und stolz. Aber wenn man ganz oben steht, dann ist das, glaube ich, noch ein bisschen schöner."

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- Den Konkurrenzkampf mit seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber

"Mit Sicherheit ist da gerade in letzter Zeit etwas hochgekommen. Aber was mich angeht: Ich habe mein Auto und muss schauen, dass ich meine Sachen unter Kontrolle habe. Es ist nicht meine Aufgabe, zu sehr nach den anderen zu schauen. Ich habe zu dem Thema, glaube ich, genügend gesagt. Für mich spielt das im Moment keine große Rolle."

- Die Frage, ob Webber ihn respektiert und ehrlich zu ihm ist

"Ich habe ihn in den letzten zwei Jahren besser kennengelernt und mehr von dem Menschen und dem Fahrer mitbekommen. Und es gab Zeiten, da hatten wir nicht die gleiche Meinung. Ich glaube, das ist ganz normal, dass man sich auch mal in die Quere kommt, wenn man um das gleiche Stück an Strecke kämpft. Wichtig war bisher, dass man darüber gesprochen hat und sowohl er als auch ich gesagt haben: Das und das passt mir nicht. Und man dann zu einer Lösung gefunden hat."

- Über das Auspuff- und Motor-Hickhack von Silverstone

"In der Vergangenheit haben wir oft gedacht, es ist Ruhe, und dann war es doch nicht der Fall. Warten wir also mal ab, wie lange das so bleibt. Vom Grundprinzip sollte es jetzt klar sein. Ich hoffe, dass das Ganze aus der Welt geschafft ist."

- Über die wachsende Konkurrenz von Ferrari-Star Fernando Alonso

"Ich denke, Ferrari hat einen großen Schritt nach vorne gemacht in den letzten Rennen, und sie waren in Silverstone auf Augenhöhe, wenn nicht sogar ein bisschen schneller. Das muss man ganz realistisch so sehen. Es ist wichtig für uns, das zu erkennen und zu akzeptieren. Das zeigt uns, dass wir weiter hart arbeiten müssen. Wir hatten sehr gute Rennen, aber nach dem Deutschland-Grand-Prix ist Halbzeit. Es passiert also noch mal mindestens genauso viel. Wir haben gesehen, speziell letztes Jahr, wie schnell sich die Dinge ändern können. Wir dürfen nicht vom Gas gehen."

- Über die wachsende Zahl an Vettel-Fans auf dem Nürburgring und die "Rotkäppchen", die seit Jahren Michael Schumacher die Daumen drücken

"Die roten Kappen sind doch noch in Umlauf, und der Michael fährt ja auch noch. In den letzten beiden Jahren gab es vielleicht einen Wandel und mehr und mehr Leute, die uns unterstützen ? auch farblich, dass man das erkennen kann. Aber Michael hat immer noch unglaublich viele Fans, auch wenn das Rot etwas verblichen ist."

- Den Vettel-Finger, der angeblich nicht bei jedem gut ankommt

"Ich glaube, auch bei Boris Becker gab es schon welche, die vor ihm die Faust gezeigt haben. Es war nie die Absicht da, irgendein Markenzeichen zu erschaffen. Das kam damals sehr spontan, und seither habe ich das eben weitergeführt, wenn ich mich sehr gefreut habe. Ich hatte nie die Absicht, jemanden damit zu attackieren."

- Seine Taktik für die zweite Saisonhälfte

"Allzu viel Taktik gibt es da nicht. Das Wichtigste ist, dass man die Rennen beendet, dass man die Zielflagge sieht und Punkte mitnimmt. Jedes Mal versuchen wir, unser Bestes rauszuholen, das heißt, wenn wir ein Rennen gewinnen können, versuchen wir es auch. Aber es wird auch welche geben, wo wir dazu nicht in der Lage sind. Dann müssen wir sehen, dass wir Zweiter oder Dritter werden und so weiter. Das ist keine geniale Taktik, sondern gesunder Menschenverstand."

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