vergrößernverkleinern
Vettel (l.) und Alonso kommen zusammen auf drei WM-Titel © getty

Kann die Scuderia dem Weltmeister beim Deutschland-GP das Wasser reichen? SPORT1 nimmt die Favoriten unter die Lupe.

Vom Nürburgring berichtet Marc Ellerich

Nürburg - Gerät der Weltmeister ausgerechnet bei seinem deutschen Heim-Rennen (1. Training, Fr., ab 10 Uhr im TV auf SPORT1) ins Straucheln?

Oder baut Red-Bull-Star Sebastian Vettel zur Saison-Halbzeit seinen scheinbar uneinholbaren Vorsprung im WM-Rennen weiter aus?

Vettel, der die Fahrer-Wertung nach sechs Grand-Prix-Siegen und drei zweiten Plätzen mit 80 Zählern vor Red-Bull-Kollege Mark Webber und satten 92 vor Ferrari-Star Fernando Alonso anführt, hält offenbar beide Varianten für denkbar.

"Ferrari hat großen Schritt gemacht"

Zumindest warnte er bei seiner ersten Pressekonferenz auf dem Nürburgring vor den frischen Kräften der roten Scuderia.

Auf SPORT1-Nachfrage sagte Vettel: "Ferrari hat einen großen Schritt nach vorne gemacht in den letzten Rennen, und sie waren in Silverstone auf Augenhöhe, wenn nicht sogar ein bisschen schneller. Das muss man ganz realistisch so sehen."

Er und sein Team dürften daher "nicht vom Gas gehen". Die vergangene Saison habe gezeigt, wie schnell sich in der Formel 1 die Dinge verändern könnten (EINWURF: Bernie, beweg dich!).

Rivalen unter Zugzwang

Doch der junge Titelverteidiger weiß natürlich, dass die Zugzwänge für die Rivalen wesentlich größer sind als für ihn selbst. Er hat sich für die zweite Saisonhälfte eine Art "Entweder-oder-Taktik" zurechtgelegt, wie er auf SPORT1-Nachfrage schilderte.

"Allzu viel Taktik gibt es da nicht", meinte der 24-Jährige: "Das Wichtigste ist, dass man die Zielflagge sieht und Punkte mitnimmt."

Wenn er gewinnen könne, "werde ich es natürlich probieren", so Vettel, "aber es wird auch Rennen geben, wo wir dazu nicht in der Lage sind".

[image id="06837c2b-6472-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Vettel wünscht sich Heimsieg

Soll heißen: Ein zweiter Platz, wie 2009 auf dem Nürburgring, oder sogar ein Dritter, wie zuletzt beim deutschen Grand Prix in Hockenheim, würden seine Aussichten auf den zweiten Titel in Serie letztlich nicht gefährden.

Doch natürlich würde Vettel den Klassiker in der Heimat sehr gerne gewinnen. "Das Rennen sticht natürlich heraus", urteilte er. Zwei Mal habe er in Deutschland bereits auf dem Podium gestanden, "aber wenn man ganz oben steht, dann ist das, glaube ich, noch ein bisschen schöner".

Beste Chancen, dass er beim vierten Anlauf (2008 startete er im Toro Rosso in Deutschland, d. Red.) endlich ganz von oben jubeln darf, hat der jüngste Champion der Geschichte.

[kaltura id="0_io4sgxqe" class="full_size" title="Eine Runde um den N rburgring"]

Eifelkurs liegt den "Bullen"

Dass der Eifelkurs den "Bullen" liegt, haben er und sein australischer Teamkollege Mark Webber 2009 bewiesen, als der Pilot aus Queanbeyan gewann und Vettel den Doppel-Triumph absicherte.

Und aerodynamisch dürfte der Red-Bull-Renner auf dem Kurs in den schnellen und extrem langen Kurven des Nürburgrings, der zudem hohe Traktion und Bremskraft erfordert, auch in diesem Jahr das Maß der Dinge sein.

Zumal auch beim leidigen Auspuff-/Motoren-Thema nach dem turbulenten England-GP (fast) alles wieder beim Alten ist. Der Weltverband ruderte nach aufgeregtem Hin und Her zum Status wie in Valencia zurück - sicher kein Nachteil für Red Bull, in Spanien siegte Vettel.

Hochstimmung bei Ferrari

Das wissen natürlich auch seine Verfolger. Dennoch: Bei Ferrari herrscht nach der gelungenen Aufholjagd, die mit dem England-Sieg von Fernando Alonso vor zwei Wochen ihre Krönung erfuhr, nach wie vor Hochstimmung.

Zwar dürfe man derzeit nicht aufs Klassement blicken, meinte Teamchef Stefano Domenicali, aber: "Wir werden in jedem Rennen aufs Neue kämpfen."

Alonso hatte ohnehin nach seinem Silverstone-Sieg angekündigt, das Team werde von nun an jeden Grand Prix bestreiten, als sei dieser das Saisonfinale. Jedes Qualifying, jeder Grand Prix, jegliche Strategie würden sich am Maximum bewegen.

Scuderia seit 2006 sieglos

Dass der Kurs den Roten vom Papier her nicht liegt - zuletzt siegte Michael Schumacher 2006 für die Italiener - werden sie gelassen hinnehmen. Diese Prognose galt bereits für die englische Strecke in Silverstone, der Ausgang ist bekannt.

Ferraris Technischer Direktor Pat Fry kündigte folgerichtig für den GP auf dem Nürburgring weitere Neuerungen am F150 Italian an.

Auch das Qualifying, in der Eifel wegen der schwierigen Überholmöglichkeiten eminent wichtig, bereitet den Roten längst keine Sorgen mehr. "Wir sind da auf der Höhe", sagte Fry.

Unberechenbares Wetter

Bleibt für alle das unberechenbare Eifel-Wetter, das sämtliche Prognosen über den Haufen werfen - und sogar scheinbar Chancenlose empor spülen - könnte.

McLaren zum Beispiel. Obschon die Engländer in der Nürburgring-Geschichte nur vier Siege einfuhren, Ferrari dagegen 14, glaubt man dort an seine Chance.

"So lange es mathematisch möglich ist, die Meisterschaft zu gewinnen, ist alles offen", sagte Geschäftsführer Jonathan Neale. Das Team sei eindeutiger Verlierer des Auspuff-Hickhacks von Silverstone gewesen. Auf 0,8 Sekunden bezifferte er den Zeitverlust pro Runde.

Rosberg: "Sieg leider nicht realistisch"

McLaren-Pilot Jenson Button ist noch viel optimistischer: Sein Rennstall sei beim englischen GP unter Wert geschlagen worden. "Auf dem Nürburgring wird das wieder ganz anders aussehen."

Und ein echter Außenseiter-Sieg - zum Beispiel durch Mercedes GP, das "deutsche Nationalteam" mit seinen Helden Michael Schumacher und Nico Rosberg? Keine Chance, winkte Rosberg im SPORT1-Interview ab: "Das ist leider nicht realistisch."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel