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Lewis Hamilton gewinnt Deutschland-Grand-Prix 2011 am Nürburgring 2011. Es ist nach Hockenheim 2008 sein zweiter Sieg in Deutschland
Lewis Hamilton gewann am Nürburgring sein zweites Rennen 2011 nach Schanghai © getty

Der Weltmeister verliert den Deutschland-Grand-Prix bereits beim Start. Blitzstarter Hamilton siegt nach einem spannenden Dreikampf.

Vom Nürburgring berichtet Marc Ellerich

Nürburg - Bittere Enttäuschung beim Heim-Grand-Prix für Sebastian Vettel, Jubel beim entfesselten McLaren-Sieger Lewis Hamilton.

Als Vierter des Deutschland-Grand-Prix auf dem Nürburgring hat Red-Bull-Weltmeister Vettel den heiß ersehnten Sieg in der Heimat verpasst.

Erstmals in dieser Saison beendete er einen Rennen nicht mit einer Platzierung unter den besten Drei (DATENCENTER: Das Rennergebnis).

"Es gibt Rennen, wo es wichtig ist, dass man alles rausquetscht und nicht den Kopf in den Sand steckt", sagte der Red-Bull-Star anschließend.´

Letztlich chancenlos musste der WM-Führende erleben wie Lewis Hamilton in der Eifel seinen zweiten Saisonsieg einfuhr. Immerhin: Zwölf WM-Punkte nimmt er mit zum nächsten Rennen nach Ungarn.

Sutil überraschend vor den Mercedes

Platz zwei ging nach den 308 Kilometern bei zwölf Grad kaltem, aber trockenem Wetter an Ferrari-Star Fernando Alonso. Dritter wurde Vettels Red-Bull-Kollege Mark Webber, 2009 Sieger in der Eifel.

Force-India-Pilot Adrian Sutil als beeindruckender Sechster und das Mercedes-Duo Nico Rosberg auf Platz sieben vor Teamkollege Michael Schumacher sorgten für ein erfreuliches Gesamtergebnis aus deutscher Sicht (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Hamilton mit Blitz-Start

"Wir waren heute einfach nicht schnell genug", lautete Vettels erstes Fazit: "Ich habe mich das ganze Wochenende über nicht wohl gefühlt und musste während des gesamten Rennens auf meine Bremsen aufpassen."

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Vettels Rennen stand schon vom Start weg unter keinem guten Stern.

Er wolle seinen Red-Bull-Kollegen, Pole-Setter Mark Webber möglichst schon zu Beginn düpieren, so lautete sein Plan.

Das missriet völlig. Statt den vor ihm platzierten Hamilton, überraschender Zweiter des Qualifyings, zu überholen, verlor Vettel das Startduell gegen den hinter ihm liegenden Ferrari-Mann Fernando Alonso.

Alonso leistet sich Fehler

Vorne düpierte Hamilton Webber mit Leichtigkeit. Sein Glück: Noch in der ersten Runde leistete sich der Spanier einen Fahrfehler - Vettel hatte seinen Startplatz wieder.

Hamilton, Webber, Vettel, Alonso - in dieser Reihenfolge wurden die ersten Runden abgespult.

[kaltura id="0_io4sgxqe" class="full_size" title="Eine Runde um den N rburgring"]

Hinter dem Spitzenquartett folgte Mercedes-Pilot Nico Rosberg, der beim Start Ferrari-Mann Felipe Massa übertrumpft hatte.

Vettel? Hatte offenbar Schwierigkeiten. Nach sieben Runden zog Alonso spielend an ihm vorbei.

"Der Anschluss war abgerissen"

"Nach vier, fünf Runden wurde ich zwar nicht langsamer, aber die anderen schneller. Ich kam einfach nicht mit", sagte Vettel.

Nach neun Runden kam es noch schlimmer für ihn. Nach einem schweren Verbremser schlitterte er von der Piste, fing den RB7 aber ab und behielt sogar seine Position.

"Der Anschluss war abgerissen. Von da an war der vierte Platz das Maximum", analysierte der Red-Bull-Pilot.

Übler erwischte es Vettels Landsmann Nick Heidfeld, der nach zehn Runden mit Toro-Rosso-Mann Sebastian Buemi zusammenkrachte - das frühe Aus für den Mönchengladbacher im Lotus Renault.

Dreikampf an der Spitze

Zwischen dem Top-Trio blieb es eng, Vettel fehlten da bereits 13 Sekunden.

Webber stoppte früh, schon nach 14 Runden. Bald nach ihm auch Michael Schumacher, der sich auf Platz sieben vorgearbeitet hatte. Zwei Runden später kamen Hamilton und Alonso in die Box.

Dann Vettels Stopp: Der Weltmeister kam als Neunter zurück auf den kalten Kurs - wieder auf den Slicks. 20 Sekunden lag er nun hinter seinem Teamkollegen, der nach den ersten Wechseln wieder seine Führung zurückerobert hatte.

Webber, Alonso, Hamilton lautete nach dem ersten Renndrittel die Reihenfolge. Innerhalb von 1,2 Sekunden lag das Trio beieinander.

Probleme beim Weltmeister

Die Bremsprobleme auf der Hinterachse behinderten Vettel weiterhin.

Während Red-Bull-Kollege Webber vorne eine schnellste Runde nach der anderen fuhr, war der Deutsche Achter - gut vier Sekunden vor dem Mercedes-Duo Rosberg, Schumacher, in dem der Rekord-Weltmeister nach einem Dreher vorübergehend den Anschluss verlor.

Halbzeit. Das zuvor nervöse Rennen war etwas ruhiger geworden. Vorne das Top-Trio in enger Prozessionsfahrt beisammen, auf Fehler des anderen lauernd. Vettel war Fünfter drei Sekunden hinter Massa.

Hamilton wie entfesselt

Dann die nächsten Stopps: Webber, Hamilton, Alonso. Mit einem brillanten Manöver kassiert Hamilton erst den Australier, dann den Spanier. Der Brite fuhr einen entfesselten Grand Prix.

Vettel - so viel stand fest - hatte mit dem Sieg nichts mehr zu tun. Rosberg war Sechster, Schumi Neunter.

Nach 35 Runden stellte McLarens zweiter Mann Jenson Button seinen Boliden in der Box ab, vorne enteilte Hamilton allmählich seinen Verfolgern.

Auch Alonso baute seinen Abstand zu Webber aus.

Top Drei uneinholbar

Die letzten zehn Runden: Vorne Hamilton zweieinhalb Sekunden vor Alonso, achteinhalb Sekunden vor Webber. Vettel fuhr auf Platz fünf auf einmal die schnellste Runde.

Aber der Vorsprung der drei Besten war da längst uneinholbar. Unbedrängt raste Hamilton seinem zweiten Sieg entgegen.

Jubel bei den Vettel-Fans brandete noch einmal auf, als der Weltmeister den vor ihm fahrenden Massa in einem direkten Boxen-Duell kassierte.

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