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Sebastian Vettel hat in der WM immer noch einen Vorsprung von 77 Punkten © getty

Nach seinem vierten Platz beim Deutschland-GP fordert der Weltmeister mehr Anstrengung von Red Bull. Hamilton wittert Morgenluft.

Vom Nürburgring berichtet Marc Ellerich

Nürburg - Gebetsmühlenartig fordert Sebastian Vettel sein Red-Bull-Team seit einigen Wochen zu mehr Anstrengung im WM-Rennen gegen Ferrari und McLaren auf.

"Wir dürfen nicht vom Gas gehen", hatte der junge deutsche Vorfahrer vor dem Klassiker auf dem Nürburgring auf SPORT1-Nachfrage geantwortet. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Seinen vierten Platz beim Deutschland-Grand-Prix (Bericht), zugleich seine erste Platzierung abseits des Podiums, dürfte der Weltmeister als finale Bestätigung auffassen, dass er mit seinen Aufforderungen zu mehr Leidenschaft Recht hatte.

Unbedingt wollte er seinen ersten Sieg im dritten Anlauf mit Red Bull beim deutschen Rennen einfahren. Stattdessen stand er nach 308 kalten Kilometern durch die Eifel mit leeren Händen da.

"Wir müssen härter arbeiten"

Andere jubelten nach 60 ereignisreichen Runden vom Podium: Der entfesselte McLaren-Pilot Lewis Hamilton, der ebenfalls starke England-Sieger Fernando Alonso dahinter, und schließlich Vettels ehrgeiziger Red-Bull-Kollege Mark Webber, Pole-Setter auf dem Nürburgring (433842DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

"Wir müssen härter arbeiten", appellierte Vettel also neuerlich an sein Team: "McLaren und Ferrari werden schneller und schneller." (STIMMEN: Alonso "extrem happy")

Was den 24 Jahre alten Klassenprimus aus Heppenheim antreibt, ist klar: Sein WM-Konto ist nach dem Eifel-Rennen um zwölf Punkte angewachsen, der Abstand auf seinen ersten Verfolger Webber lediglich um drei Punkte geschmolzen.

Hamilton wittert Morgenluft

Seine Führung ist also weiterhin erfreulich, aber der Trend ist es nicht, mag sich Vettel denken.

"Wir dürfen nicht nachlassen, sondern müssen mitziehen", lautete jedenfalls seine Vorgabe nach dem zehnten Grand Prix des Jahres. Nächste Woche findet noch der Ungarn-Grand-Prix statt, dann ruhen die Motoren erst einmal, aber der deutsche Titelverteidiger spürt, dass seine Konkurrenten Morgenluft wittern könnten.

"Wir sind zurück im Kampf", stellte Hamilton nach seinem zweiten Saisonsieg euphorisiert fest: "Es wird nun sehr, sehr, sehr hart. Ich hoffe wirklich, dass wir so weitermachen und das Momentum lebendig halten können."

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"Fantastisches Rennen" für Alonso

Alonso, der weiterhin 86 Punkte hinter Vettel auf Platz vier der WM liegt, blieb vorsichtig, berichtete aber von einem "fantastischen Ergebnis. Ich bin extrem glücklich damit. Der zweite Platz hier, der Sieg in Silverstone und der zweite Platz in Valencia: Es ist definitiv ein guter Moment in der Meisterschaft."

Hamilton sprach später von einem der besten Rennen, das er je gefahren sei. "Ich hätte nie gedacht, dass wir hier so schnell sein würden. Ich könnte mich nicht besser fühlen." (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Welch ein Gegensatz zu Vettels Worten.

Vettel kommt nicht mit

Der räumte nach dem Rennen ein, er habe sich das ganze Wochenende nicht wohlgefühlt. "Wir waren einfach nicht schnell genug. Ich hatte nie das Tempo wie zum Beispiel Mark in seinem Auto, und nach vier oder fünf Runden wurde ich zwar nicht langsamer, aber die anderen schneller. Ich kam einfach nicht mit."

[kaltura id="0_io4sgxqe" class="full_size" title="Eine Runde um den N rburgring"]

Auch Webber berichtete später, er habe alles gegeben, seinen Vorderleuten aber letztlich nicht folgen können: "Wir wurden ausgeknockt. Wir müssen etwas finden, um am Sonntag besser da zustehen."

Christian Horner, Red Bulls Teamchef, gab später zu, dass Vettel während der gesamten Saison noch nie so unzufrieden mit dem RB7 gewesen sei.

Dreher in Runde neun

Aus gutem Grund: Früh musste der Weltmeister den Kontakt zur Spitze abreißen lassen, schon beim Start war der viertplatzierte Alonso an ihm vorbeigezogen.

In der neunten Runde kreiselte Vettel sogar von der Piste, dort wurden die Bremsprobleme auf der Hinterachse seines Autos erstmals sichtbar.

"Ab da war der vierte Platz sowieso das Maximum", stellte Vettel fest.

Red Bull, der "konstante Faktor"

Nun steht der Ungarn-Grand-Prix an. Vettel hofft auf wärmere Temperaturen und wohl insgesamt auf ein besseres Resultat.

Beim genauen Hinsehen wird er feststellen, dass sich die Lage für ihn nicht allzu sehr verändert hat.

Horner, der Teamchef, hat das natürlich längst erkannt. Mal siege Ferrari, mal McLaren, "und der konstante Faktor an der Spitze ist Red Bull".

Vettel tröstet sich

Und auch Alonsos Worte dürften den enttäuschten deutschen Rivalen aufbauen. "Sie waren gestern auf der Pole-Position, sie sind die klaren Favoriten in Budapest. Es hat sich doch im Vergleich zu gestern nichts verändert."

Ferrari habe nur eine kleine Chance, Vettel den Titel zu entreißen: "Wenn es mehr Rennen wie heute gibt: Wir auf dem Podium, er nicht."

Und auch der Weltmeister suchte und fand schließlich Trost. "Manchmal läuft es wie am Schnürchen, manchmal tut man sich schwer", sagte er: "Dann ist es wichtig, alles herauszuquetschen und den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Das war heute so ein Rennen."

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