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Sebastian Vettel (v.) hat 82 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton © dpa

Der Pole-Setter will in Ungarn den Rückspiegel vernachlässigen, Red Bull zieht einen Joker. Hamilton verspricht einen heißen Tanz.

Von Julian Meißner

München/Budapest - Die Erleichterung war Sebastian Vettel nach seinem Sturm auf Startplatz eins beim Großen Preis von Ungarn (So., 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) deutlich anzusehen, zunächst allerdings hörte man sie nur.

Ein gebrülltes "Yes" über den Teamfunk dokumentierte, wie viel dem Weltmeister die achte Pole-Position im elften Saisonrennen wert war (BERICHT: Vettel hauchdünn vor Hamilton).

"Wir haben alles herausgeholt und stehen verdient auf Pole", erklärte der Red-Bull-Pilot wenig später im Parc ferme des Hungarorings zufrieden. In letzter Sekunde eines wahren Qualifying-Thrillers hatte er sich zuvor die beste Ausgangslage für den letzten Grand Prix vor der Sommerpause gesichert (DATENCENTER: Startaufstellung).

Selbstvertrauen wieder da

Offenbar hatte das verkorkste Heimrennen am Wochenende zuvor doch mehr am Selbstvertrauen des Hessen gekratzt, als er dies hatte zugeben wollen.

"Ich war nie schlechter Dinge", wiegelte Vettel zwar ab, bestätigte aber: "Wenn man sich im Auto nicht ganz wohl fühlt, dann fuchst einen das."

Steigerung von Mensch und Maschine

Sowohl auf dem Nürburgring als auch beim Auftakt in Budapest war er nicht zufrieden gewesen mit seinem Arbeitsgerät - und mit sich selbst.

Auf die Frage, ob sich nach dem durchwachsenen Freitag nun Auto oder Fahrer verbessert hätten, meinte Vettel: "Ich denke, beides. Wenn man sich wohler fühlt im Auto, kann man auch besser seine Grenzen ausloten. Das war heute von Anfang an der Fall."

Komplett-Umbau des RB7

Einen "Nachtschicht-Joker" zog das Team nach dem Freitagstraining, um umfangreiche Umbauarbeiten am RB7 durchführen zu können. "Es war etwas komplizierter", meinte Vettel schmunzelnd über das nur viermal in der Saison erlaubte Überziehen der "Sperrstunde".

[kaltura id="0_ku3kxiwr" class="full_size" title="Eine Runde in Budapest"]

Nur unter äußerster Anstrengung von Mensch und Maschine gelang es also am Samstag dem Heppenheimer, WM-Rivale und Nürburgring-Sieger Lewis Hamilton die Pole noch zu entreißen.

Hamilton hat Sieg im Visier

Was den Briten, dessen Teamkollege Jenson Button auf Platz drei das starke Ergebnis des McLaren-Teams abrundete, aber nicht entmutigte.

"Wir sind bei der Musik dabei", erklärte Hamilton: "Mit einem guten Start können wir auf jeden Fall um den Sieg kämpfen."

Teamchef Martin Whitmarsh dagegen fand das Ergebnis "enttäuschend", mit den Plätzen zwei und drei habe man seine Ziele nicht erreicht, so der Brite.

Vom obersten Platz auf dem Treppchen darf die Scuderia Ferrari, bei denen es Felipe Massa erstmals 2011 schaffte, sich vor Fernando Alonso zu platzieren, allenfalls träumen (SERVICE: Die Quali-Duelle).

Pokerface Alonso erklärte dennoch, er sei von dem Resultat weder überrascht noch enttäuscht.

Webber steht vor einem Rätsel

Wesentlich kritischer stellt sich die Lage für Vettels Teamkollegen Mark Webber dar, der mit Startplatz sechs sein schlechtestes Saisonergebnis nach dem Ausrutscher in Schanghai verbuchte und danach reichlich ratlos war.

"Ich hatte keine Chance, diese Zeit erreichen, absolut keine Chance", meinte der Australier mit Blick auf Vettels Pole-Runde: "Wir hatten Probleme mit KERS inmitten der Session, aber im letzten Run lief es wieder."

Die 1:19. 815, Vettels Pole-Zeit, sei "eine andere Welt", und das Ganze einfach nur "sonderbar, wirklich bizarr".

Rückspiegel nur Staffage

Dabei hatten Schauplatz und Formkurve eigentlich für Webber gesprochen: Im Vorjahr gewann er das Rennen in Budapest, die letzten beiden Poles in diesem Jahr in Silverstone und auf dem Nürburgring gingen auf sein Konto.

Vettel wiederum dürfte das kaum kümmern. Er dachte in der Vorausschau aufs Rennen dann auch recht wenig an seinen Teamkollegen und den Rest des Feldes.

Er habe zwar Rückspiegel am Auto, wolle aber "erst mal nach vorne schauen", so der 24-Jährige. Denn: "Der erste Gegner, den es zu schlagen gibt, ist man selbst."

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