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Sebastian Vettel entschied die WM 2010 erst am letzten Rennwochenende für sich © getty

Sebastian Vettel muss nach dem Ungarn-GP anerkennen, dass sein Red-Bull-Team nicht mehr das schnellste Auto hat.

Von Julian Meißner

Budapest/München - Der Blick auf das WM-Tableau sollte Sebastian Vettel den Gang in die Sommerpause der Formel 1 eigentlich beruhigt antreten lassen.

Nach dem zweiten Platz beim turbulenten Großen Preis von Ungarn führt der Titelverteidiger die Fahrerwertung weiter souverän an (436489DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

Der Heppenheimer baute den Vorsprung gegenüber seinem Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber, McLaren-Pilot Lewis Hamilton und Fernando Alonso von der Scuderia Ferrari sogar noch aus.

Doch entspannt wirkte Vettel nach dem elften Saisonlauf im regnerischen Budapest nicht - ganz im Gegenteil (Bericht: Button siegt vor Vettel).

"Es nagt, wenn man das Gefühl hat, dass man hätte gewinnen können", sagte er und gab sich selbstkritisch: "Auf den weichen Reifen hätte ich beide Male eine Runde früher reinkommen müssen."

Boxenstopp-Schlacht auf dem Hungaroring

Das Rennen auf dem Hungaroring war eine wahre Boxenstopp-Schlacht. 88-mal steuerten die 24 Piloten insgesamt ihre Garagen zum Reifenwechsel an - Rekord.

Doch bei allem Stellenwert der Strategie: Vettel, unumstrittener Dominator der ersten Saisonhälfte, musste an diesem Wochenende mit ansehen, wie die Konkurrenz von McLaren sein Team in Sachen Speed endgültig überflügelte.

"Nicht das stärkste Auto"

Die Briten feierten im wetterbedingten "Lotteriespiel" (Red-Bull-Teamchef Christian Horner) auf dem Hungaroring den zweiten Sieg in Folge, Vettel dagegen ist nun schon drei Rennen ohne Erfolg geblieben.

"Im Moment haben wir vielleicht nicht das stärkste Auto", musste Vettel anerkennen und erneuerte seine schon am Nürburgring ausgesprochene Forderung: "Wir müssen zurückschlagen."

Button mit Meisterleistung

Nach Hamilton in der Eifel war es nun sein Teamkollege Jenson Button, der dank einer fahrerischen und taktischen Meisterleistung in seinem 200. Grand Prix triumphierte (Bericht: Jubiläumssieg nach Hacker-Schock).

Dabei profitierte er allerdings von gleich mehreren Fehlern Hamiltons, der sonst ebenfalls vor Vettel gelandet wäre.

"Eine falsche Entscheidung und das Rennen war vorbei", stöhnte Hamilton: "Ich bin nicht sauer, aber über mich selbst enttäuscht."

Strafe ist "okay"

Der Weltmeister von 2008 hatte sich erst bei der Reifenwahl verzockt und dann einen Dreher hingelegt.

Schließlich wurde er für den wilden Wiedereintritt ins Rennen nach seinem Fauxpas, bei dem er Force-India Pilot Paul di Resta gefährdete, mit einer Durchfahrtsstrafe belegt.

Die Strafe bezeichnete er hinterher als "okay", ebenso wie er dem Sieger fair gratulierte: "Der Bessere hat gewonnen."

Vettel mit erhobenem Zeigefinger

Zwar liegen die beiden Briten in der WM ebenso weit zurück wie Alonso, der sich über den vierten Podiumsplatz in Folge freute, doch der Trend zum Ende der überdeutlichen "Bullen"-Herrschaft ist unverkennbar.

"Man muss feststellen, dass Ferrari und McLaren sich stark verbessert haben. Beide McLaren waren schnell bei allen Bedingungen", sagte Vettel.

Erinnerung an 2010

Die 85 Punkte, die ihn von seinen Verfolgern trennen, lassen den Weltmeister die Pause bis zum nächsten Rennen in vier Wochen in Belgien jedenfalls nicht ganz so locker angehen, wie man meinen könnte.

"Es ist noch ein weiter Weg", so Vettel über das Unternehmen Titelverteidigung: "Wir haben im letzten Jahr gesehen, wie schnell alles gehen kann."

2010 hatte Vettel die Führung in der WM genau einmal inne: Am letzten Wochenende der Saison.

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