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Red-Bull-Star Sebastian Vettel führt die WM- Wertung 2011 mit großem Vorsprung an © imago

Die Länder reißen sich um die Ausrichtung von Formel-1-Rennen. Für viele Veranstalter ist es allerdings ein Verlustgeschäft.

Von Olaf Mehlhose

München - Überall auf der Welt reißen sich Länder darum, ein Rennen der "Königsklasse" des Motorsports auszutragen. (DATENCENTER: Rennkalender und Kurse)

In diesem Jahr findet auf dem Buddh International Circuit erstmals ein Grand Prix in Indien statt. In der kommenden Saison kehrt die PS-Liga mit dem WM-Lauf in Austin in die Vereinigten Staaten zurück, die Olympiastadt Sotschi richtet ab 2014 den Großen Preis von Russland aus.

Und damit nicht genug: Zahlreiche neue Bewerber, insbesondere vom asiatischen Markt, stehen bereits bei Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone Schlange.

Finanzprobleme bei den Betreibern

Demnach drängt sich die Vermutung auf, dass die Veranstaltung eines Grands Prix mit großen Einnahmen verbunden sein sollte.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Viele Ausrichter haben mit massiven Finanzproblemen zu kämpfen.

Aus Kostengründen findet der Große Preis von Deutschland bereits im jährlichen Wechsel auf dem Nürburg- und dem Hockenheimring statt.

Ähnliches schwebt nun auch den Veranstaltern des Belgien-Grand-Prix vor, die sich die Ausrichtung mit den Betreibern des Kurses in Magny Cours teilen wollen.

Hilft das Rotationsprinzip?

Ob das Rotationsprinzip allerdings dazu ausreicht, die Zukunft der Formel 1 an allen Standorten zu sichern, bleibt abzuwarten.

Nachdem das Land Rheinland-Pfalz die Zuschüsse für das Rennen am Nürburgring gestrichen hat, kämpft der Traditionskurs in der Eifel ums nackte Überleben. (BERICHT: Stirbt der Klassiker?)

Tickets als Einnahmequelle

Im Gegensatz zu anderen Sportveranstaltungen werden die Veranstalter nämlich weder an den Werbeeinnahmen noch an dem Erlös aus der Vermietung von VIP-Logen oder Ehrentribünen beteiligt.

Auch die Gewinne aus der Übertragung des Events fließen ausnahmslos in die Hände der Formel-1-Holding SLEC und deren Geschäftsführer Bernie Ecclestone.

Haupteinnahmequelle für die Veranstalter ist der Verkauf von Tickets, allerdings reicht dies meistens nicht einmal aus, um die horrenden Antrittsgebühren von etwa 30 Millionen Dollar zu decken.

Teure Stadtrennen

Neben den Startgebühren fallen zudem noch weitere Kosten an, die sich - je nachdem, ob es sich um einen Stadtkurs oder eine permanente Rennstrecke handelt - erheblich voneinander unterscheiden.

Nach Schätzungen des Branchen-Reports "Formula Money" des britischen Autoren-Duos Christian Sylt und Caroline Reid kostet die Austragung eines Stadtrennens 87,5 Millionen, während die finanziellen Belastungen für ständige Ausrichter bei etwa 48 Millionen liegen.

Der große Unterschied begründet sich durch die zusätzlichen Kosten von etwa 30 Millionen, die für die Anmietung von transportablen Boxengebäuden, Barrieren und Sicherheitszäunen sowie einer Haupttribüne anfallen.

Riesige Investitionen

Aber warum ist es aufgrund solcher Zahlen überhaupt möglich, einen Formel-1-Grand-Prix auszutragen?

Hier kommen die Länder ins Spiel, ohne deren Unterstützung die Veranstaltung von Formel-1-Rennen für viele Streckenbetreiber schlichtweg nicht möglich wäre. 15 von 19 Rennen werden mithilfe von Zuschüssen ausgetragen. Im letzten Jahr investierten die Ausrichterstaaten 410,5 Millionen in die verschiedenen Grands Prix.

Allerdings stand dem Einsatz eine Rendite von etwa 1,9 Milliarden gegenüber, die durch die Ausgaben der rund 1,5 Millionen Zuschauer in den verschiedenen Regionen erwirtschaftet wurde.

Dabei ist die zusätzliche Werbung durch die Übertragungen in die Haushalte der rund 527 Millionen TV-Zuschauer weltweit nicht einmal mit eingerechnet.

Wieviel verdient das Land?

Ob sich die Austragung eines Grands Prix bereits durch das Rennwochenende refinanziert, ist von Land zu Land unterschiedlich und hängt maßgeblich vom gängigen Steuersatz ab.

In Spanien, wo derzeit ein Tarif von 18 Prozent erhoben wird, müssten im Tourismus- und Gastronomiegewerbe Einnahmen in Höhe von 140 Millionen erzielt werden, um das jährliche Investment des Landes Valencia in den Europa-Grand-Prix in Höhe von 25,2 Millionen zu rechtfertigen.

Der ökonomische Ausschlag wurde im vergangenen Jahr allerdings nur mit 75 Millionen beziffert.

Einzigartiges Werbe-Potenzial

Daraus lässt sich jedoch nicht schlussfolgern, dass das Rennen in Valencia für das Land zwangsläufig ein Verlustgeschäft ist. Wie bei jeder Art von Werbung ist der Wirkungsgrad kurzfristig schwer zu bemessen.

"Formula Money" vertritt allerdings die Ansicht, dass die wirtschaftlichen Effekte, die die Ausrichtung eines Formel-1-Rennens nach sich zieht, weitaus höher liegen.

Sollten sich nur 0,2 Prozent der 527 Millionen TV-Zuschauer entscheiden, in den kommenden zehn Jahren in Valencia zu gastieren, würde dies für 105.400 zusätzliche Besucher pro Jahr sorgen.

Zum Vergleich: Die 75 Millionen Umsatz am Grand-Prix-Wochenende 2010 wurden von 83.443 Zuschauern erwirtschaftet.

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