Sebastian Vettel setzt sich für den Spa-Grand-Prix ein. Maik Rosner geht für SPORT1 an den Ort der ungewissen Zukunft.

Zu Spa-Francorchamps gehört die ungewisse Zukunft wie der Mythos Eau Rouge. Jedes Jahr aufs Neue werden die Sorgen, ob auch künftig auf der Traditionsstrecke gefahren wird, zum Thema.

Genauso wie die Legenden um den Kurs in den Ardennen, der wie bei einer Achterbahn die Senke Eau Rouge als Magenverstimmer bereithält.

Für die Piloten ist diese Passage aber genau wegen des Kribbelns in der Bauchgegend die reinste Freude. Fliehkräfte und der Reiz, sich mit Vollgas am Limit zu bewegen und das auch deutlich zu spüren, machen die Eau Rouge für viele Fahrer zum spektakulärsten Abschnitt des Jahres.

"Es wäre eine Schande, diesen Kurs zu verlieren", hat Weltmeister Sebastian Vettel zu dem immer wieder diskutierten Aus für den Großen Preis von Belgien gesagt. Und dann schwärmten er und andere von diesem Ort, vor allem von der ganz besonderen Atmosphäre.

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Das kann man wahrlich sagen. Wer sich dem Kurs von Südosten nähert, kommt kurz hinter der deutsch-belgischen Grenze an einem Gewerbegebiet namens Kaiserbaracke vorbei.

Rund um Spa sind es dann eher die Viehbaracken, die zum speziellen Ambiente der Region beitragen. Kühe und Schafe, Höfe und Kotten sowie, na klar, ein paar Frittenbuden prägen das Bild. Und wer sich über den Sommer 2011 beschwert, der sollte sich glücklich schätzen, dass er den Sommer 2011 nicht in dem dicht bewaldeten Mittelgebirge erlebt hat.

Zuweilen gehen hier Regenschauer nieder, die eher an einen überdimensionalen Schwall nach dem Saunagang erinnern denn an ein mitteleuropäisches Wetterphänomen.

Nicht gerade ideales Autowetter, schon gar nicht für Formel-1-Boliden. Und manch ein Besucher dürfte sich in der Gegend irgendwie an die Kinofilme "Lost in Translation" und "Cast Away" erinnern.

Man wähnt sich zwischen den Welten - oder eben verschollen, in diesem Fall in einem nasskalten Regenwald statt auf einer tropischen Insel. Dass die Ardennen aber tatsächlich nur die Fortsetzung der Eifel auf belgischer Seite sind, erschließt sich beim Blick aufs Thermometer.

Die Wettervorhersage fürs Rennen am Sonntag: feucht-kühle 14 Grad Celsius. Ähnlich ungastlich war es ja auch am unweit gelegenen Nürburgring, Ende Juli, im Sommer 2011.

Zum Mythos Spa, das muss fairerweise gesagt werden, gehört aber auch die Geburtsstunde des erfolgreichsten Formel-1-Fahrers der Geschichte. Michael Schumacher feierte hier vor 20 Jahren seine Premiere und vor 19 Jahren an gleicher Stelle seinen ersten Sieg.

2004 machte er ebenfalls hier seinen siebten und letzten WM-Titel perfekt. Natürlich hat die Szene zum Jubiläum nun viele warme Worte für den mittlerweile 42 Jahre alten Schumacher gefunden.

Und es ist gut möglich, dass sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug bei seiner Eloge von der sehr ländlichen Atmosphäre in Spa beeinflussen ließ. "Schumacher ist das Synonym für das schnellste Lebewesen auf Rädern. Er ist immer noch das Renntier schlechthin", hat Haug gesagt.

Irgendwie passt all das auch zu jenem Gasthaus, in dem Schumacher 1991 nächtigte, ehe er sein erstes Rennen fuhr. Es ist die Jugendherberge "Auberge Francopole", ein auf den ersten Blick eher abweisendes Steinhaus mit kleinen Fenstern, die nur wenig vom ohnehin spärlichen Licht hineinlassen.

Doch was wäre die Formel 1 ohne diese, nun ja, Baracke, die zum Mythos Schumacher beitrug? Spa-Francorchamps ist wirklich ein besonderer Ort.

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