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Sebastian Vettel holte in Spa die neunte Pole-Position in dieser Saison © getty

Sebastian Vettel legt im Belgien-Qualifying perfektes Timing hin. Hamilton kommt mit einem blauen Auge davon. Schumi hat Pech.

Von Marc Ellerich

München - Zwanzig Jahre Michael Schumacher in Spa: Während des Auftakts zum belgischen Rennwochenendes hatte der berühmte deutsche Jubiliar im Mittelpunkt gestanden. Samstags dann geriet er bereits nach 67 Sekunden zur unglücklichen Randfigur des Qualifyings in den verregneten Ardennen (Rennen, So. ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) .

Der erste Durchgang hatte eben erst begonnen, da war er für den Mercedes-Star schon wieder beendet. Zwischen Kurve sieben und acht schlitterte Schumachers MGP W02 unkontrolliert und ohne rechtes Hinterrad in die Seitenbegrenzung. (Zusammenfassung, ab 23 Uhr im TV auf SPORT1)

Keine Vorwürfe von Schumi

Dem hilflosen Passagier Schumacher blieb anschließend nur Galgenhumor (Schumacher in Interview: Ohne Vorwarnung). Sein Jubiläum habe er sich anders vorgestellt, räumte Schumi ein: "Aber auf drei Rädern ist es schwierig zu fahren." Obwohl er ja Erfahrung damit habe. Schumacher spielte auf die Kollision mit David Coulthard 1998 an, als er in Belgien ein Vorderrad einbüßte.

Vorwürfe wollte der 42-Jährige trotz seiner Enttäuschung später niemandem machen. "Wir sind alle nur Menschen", stellte er nach seinem frühen Quali-Abschied tapfer fest.

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Vettel - Hamilton - Webber

Nach Schumachers unglücklichem Aus übernahmen andere die Regie, allen voran Weltmeister Sebastian Vettel. (DATENCENTER: Die Startaufstellung)

Punktgenau beim letzten Versuch raste der Red-Bull-Star auf dem tückischen, sieben Kilometer langen Kurs zur Bestzeit. 1:48,298 Minuten reichten Vettel zur neunten Pole-Position 2011 (Bericht).

Hinter ihm fuhren McLaren-Star Lewis Hamilton und Red-Bull-Kollege Mark Webber, dessen Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr zuvor bekannt gegeben worden war, auf die Startpositionen zwei und drei. (BERICHT: Neuer Vertrag für Webber)

"Erst einmal durchkommen"

Vettel betonte anschließend, wie schwierig das Qualifying aufgrund des unberechenbaren Wetters gewesen sei: "Es war ein bisschen wie eine Wundertüte. Es hätte alles drin sein können. Die wichtigste Aufgabe war erst einmal durchzukommen."

Er habe sich zu Beginn der Session nicht sonderlich wohl gefühlt und sei in dieser Phase weder mit seinem RB7 noch mit sich selbst zufrieden gewesen, berichtete der Tagesschnellste später. Im Verlauf der Qualifikation sei er dann aber immer sicherer geworden: "Alles in allem haben wir das Timing gut hinbekommen, besonders im letzten Durchgang."

Und "hinten raus" sei auch der Red-Bull-Renner besser in Schwung gekommen. Vettel: "Ich habe mich wohl gefühlt und konnte mich steigern."

Horner: Ein Pokerspiel

Ähnlich fasste sein Vorgesetzter, Red-Bull-Teamchef Christian Horner, den Tag zusammen. Das Qualifying sei "von vorne bis hinten ein Pokerspiel" gewesen, stellte der Engländer fest. Er fühle sich um 60 Jahre gealtert, doch Vettel habe seine Leistung auf den Punkt gebracht, "als es darauf ankam".

Für den Grand Prix hoffte Horner auf "etwas besseres Wetter als heute", aber weder er noch sein Pilot scheinen allzuviel Hoffnung zu haben, dass es so kommen wird.

"Wir werden sehen. Das ist eines der Rennen, wo vom Start bis zum Ziel alles möglich ist", meinte Vettel mit Blick auf den Sonntag. Die beste Wetter-Prognose sei es daher, "nach oben zu schauen und zu sehen, was passiert".

Button bleibt hängen

Seine Verfolger werden ihm vermutlich zustimmen. Webber, der in Spa seinen 35. Geburtstag feierte, war nach seinem dritten Platz recht zufrieden. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

"Für uns ist das Wochenende ziemlich glatt gelaufen", meinte der Australier und verwies auf das Schicksal seines McLaren-Rivalen Jenson Button, der sich verspekuliert hatte und im zweiten Durchgang hängen geblieben war.

"Es war heute ziemlich einfach, außerhalb der Konkurrenz zu landen", lautete Webbers Kommentar zu Buttons Malheur.

Webber "auf der Jagd"

Vielleicht hat er dabei aber auch an Fernando Alonso gedacht, der ein enttäuschendes Qualifying fuhr und sonntags abgeschlagen vom achten Platz aus starten wird.

Webber jedenfalls, dem von Red Bull bei der Vertragsverlängerung angeblich schriftlich die Gleichberechtigung mit Vettel zugesichert worden sein soll, rechnet sich für den Grand Prix durchaus einiges aus.

"Natürlich wäre es schön gewesen, etwas weiter vorne zu stehen", bemerkte er: "Aber wir befinden uns morgen auf der Jagd."

Heftige Rempelei

Und Hamilton, der vor Vettels finalem Konter für einen kurzen Moment lang an die Pole glauben konnte, durfte sich bereits vor dem Rennstart als Gewinner fühlen.

Der Engländer hatte sich kurz vor Ende des zweiten Durchgangs eine heftige Rempelei mit Williams-Pilot Pastor Maldonado geliefert, bei der beide Autos beschädigt wurden.

Eine Aktion, die Red Bulls Motorsportbeauftragter Helmut Marko gegenüber "Motorsport-Total" scharf kritisierte: "Normalerweise müsste Hamilton da eine drastische Strafe kriegen", sagte Marko.

Scharfe Kritik von Marko

Er unterstellte dem McLaren-Piloten Absicht: "So etwas habe ich nur zwischen Senna und Prost gesehen, aber das war damals in einer Schikane. Aber auf der Geraden den zuerst anzuschauen und ihm dann so ins Auto zu fahren, so etwas kann man nicht machen. Wenn so etwas durchgeht, dann fragt man sich schon."

Doch während der Venezolaner danach von den Kommissaren um Hamiltons berühmten Landsmann Nigel Mansell um fünf Plätze nach hinten strafversetzt wurde, wurde der Brite zwar verwarnt, durfte seinen zweiten Platz aber behalten - und mithin alle Chancen auf den Sieg.

Schumi will Punkte holen

Die hätte Schumi wohl auch ohne seinen unglücklichen Zwischenfall zu Beginn nicht gehabt. Immerhin, sein Teamkollege Nico Rosberg deutete mit Startplatz fünf an, was möglich gewesen wäre.

Schumacher tröstete sich damit, "dass es nach vorne geht". Wie weit ihn seine Aufholjagd führen werde, "das wird sich herausstellen", meinte er noch.

Zum Sieg wie 1995, als er vom 16. auf den ersten Platz raste, wohl kaum. Immerhin: Eine Punkte-Platzierung hält Schumacher 16 Jahre später noch für möglich.

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