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Weltmeister Sebastian Vettel gewann in Spa sein 16. Formel-1-Rennen © dpa Picture Alliance

Weltmeister Sebastian Vettel gewinnt trotz Reifen-Problemen erstmals den Belgien-GP. Sein zweiter Titelgewinn rückt immer näher.

Von Marc Ellerich

München - War es das schon? War das die Vorentscheidung in der Formel-1-WM?

Zumindest die Frage darf gestellt werden: Wer soll Sebastian Vettels Titelverteidigung nach seiner Triumphfahrt beim berühmten belgischen Klassiker in Spa verhindern? (Bericht: Comeback des Dominators)

Die Konkurrenten des Weltmeisters, dieser Eindruck drängt sich nach dem zwölften Grand Prix des Jahres, dem ersten nach der Formel-1-Sommerpause, zwingend auf, sind dazu nicht mehr in der Lage.(447008DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Horner: Dominantes Rennen

Zwar hatte Vettels Red-Bull-Teamkollege Mark Webber vor dem Ardennen-Rennen orakelt, es sei endgültig vorbei mit der anfänglichen Dominanz des Deutschen, die diesem fünf Siege in den ersten sechs Rennen beschert hatte.

In Spa blieb dem Australier dann lediglich die übliche Rolle des Zweiplatzierten, der den Red-Bull-Doppelsieg sicherstellte und Teamchef Christian Horner von "einem unserer dominantesten Rennen" schwärmen ließ. (Zusammenfassung, ab 21.30 Uhr im TV auf SPORT1)

In der WM-Wertung ist Webber, der nach seiner Vertragsverlängerung in Spa auch in der kommenden Saison für Red Bull fahren wird, zwar Vettels erster Verfolger - aber mit welchem Abstand: 92 WM-Punkte trennen ihn vom Deutschen nach dessen siebtem Saisonsieg. (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

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Abgeschlagene Verfolger

Vettels übrige Gegner sind noch weiter zurück: McLaren-Pilot Jenson Button hat, trotz einer spektakulären Aufholjagd vom 13. Startplatz bis auf Rang drei, 110 Punkte Rückstand. (DATENCENTER: Der WM-Stand)

Ferrari-Star Fernando Alonso schmälerte in Belgien durch Platz vier seine Aussichten. 102 Punkte liegt er hinter Vettel. Und McLarens zweiter Mann Lewis Hamilton wird nach seinem Crash in Runde 13 den Titel 2011 innerlich ebenfalls abhaken.

"Wieder ein Rennen, das wir nicht beendet haben", kommentierte Hamilton seinen Ausfall nach einer selbstverschuldeten Kollision mit dem Japaner Kamui Kobayashi im Sauber.

"Wir werden unser Bestes geben und kämpfen", versprach der geschlagene Alonso stellvertretend für Vettels Verfolger: "Aber wir wissen natürlich, dass wir die Chance auf den Titel nicht mehr in den Händen haben. Sie müssen schon sehr, sehr große Fehler machen und große Probleme haben, damit wir die Meisterschaft noch gewinnen können."

Blasen an den Reifen

Titelverteidiger Vettel darf also schon mal den Sekt kaltstellen, sieben Rennen vor Toreschluss.

Es sei denn, ein schwerer Unfall, den ihm wahrlich niemand wünscht, oder massive technische Probleme werfen ihn und sein Auto aus der Bahn.

Aber auch mit gravierenden Techniktücken vermag Red Bull umzugehen, das hat das Weltmeister-Team in Belgien nachgewiesen.

Die Pirelli-Reifen, die sich bei der Berg- und Talfahrt durch die Ardennen zu schnell erhitzten und Blasen aufwarfen, bereiteten Vettel und seiner Entourage schon nach der samstäglichen Fahrt zur Pole-Position gewaltiges Kopfzerbrechen.

Vettel: Großes Risiko

"Wir sind ein großes Risiko eingegangen", berichtete der Hesse nach seinem Sieg, und die Dramatik und die vielen Diskussionen, die sich hinter den Kulissen abgespielt haben mussten, waren ihm noch einmal deutlich anzumerken.

"Wir haben uns den Kopf zerbrochen nach dem verhängnisvollen Verlauf mit den Reifen im Qualifying", erläuterte Vettel: "Gut haben wir uns nicht gefühlt, wir hatten schon Sorgen, ob sie durchhalten."

Red Bull hatte sein Auto unter dem Eindruck des bekannt wechselhaften Ardennenklimas zu aggressiv für trockenes Wetter abgestimmt, was die Reifen schon im Qualifying schnell beschädigte.

Start aus der Box?

Sogar die Variante, das Setup - verbotener Weise - zu korrigieren und dann aus der Box zu starten, habe sein Rennstall in der Not erwogen, erzählte Vettel später.

Ein Plan, der schließlich verworfen wurde. Red Bull wählte das Risiko. "Das hat sich gelohnt", meinte Vettel, der in Spa im Vorjahr nach einer Kollision mit Jenson Button ausgeschieden war: "Ich bin natürlich überglücklich."

Er habe jede Runde genossen, schilderte Red Bulls Vorfahrer nach seinem 16. Grand-Prix-Sieg, auch weil ihn seine "Kinky Kylie", wie Vettel den RB7 getauft hatte, trotz der Reifenprobleme mit hohem Renntempo überraschte: "Das Auto war fantastisch zu fahren."

Um auf Nummer sicher zu gehen, stoppte Vettel in der Anfangsphase des Rennens gleich zwei Mal (5. und 14. Runde) und ließ die anfälligen Pneus auswechseln.

"Hoffe, dass es so weitergeht"

Eine Safety-Car-Phase nach Hamiltons Unfall warf den schnellen Vettel nicht mehr aus der Bahn. Schnell überholte er nach der zweiten Freigabe des Rennens den vor ihm liegenden Alonso. "Am Ende ging es nur noch darum, das Auto nach Hause zu bringen."

Lediglich der mäßige Start, nach dem er vorübergehend die Führung an den rasanten Nico Rosberg abgeben musste, sei "eine Pleite" gewesen: "Aber danach hatte ich viel Spaß und viele Zweikämpfe. Wenn man ein Rennen so beenden kann, kann man mit allem zufrieden sein. Ich hoffe, dass es so weitergeht."

Dem Ziel näher

Er sei "sehr glücklich und stolz, mich hier in die Siegerliste eingetragen zu haben", erklärte der junge Klassenprimus nach seinem ersten Sieg beim traditionsreichen Klassiker - und auch gegen die vermaledeite T-Frage wehrte er sich anschließend nicht mehr mit letzter Kraft.

"Das bringt uns unserem Ziel näher", kommentierte Vettel die unvermeidliche Reporterfrage nach dem zweiten Titel. Zwar sei es noch ein weiter Weg und die Dinge könnten sich bei zwei Ausfällen noch einmal ändern.

"Aber", so Vettel: "es ist nicht mehr nötig, zu viel Risiko einzugehen".

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