vergrößernverkleinern
Weltmeister Sebastian Vettel gewann in Spa sein 17. Formel-1-Rennen © dpa Picture Alliance

Red Bull und Pirelli streiten sich nach Vettels Spa-Triumph. Das Team sieht ein Sicherheitsproblem, der Hersteller kontert.

Von Marc Ellerich

München - Nach Sebastian Vettels Premierensieg beim belgischen Grand Prix in Spa explodierte die Red-Bull-Box. (Bericht: Comeback des Dominators)

Und in die Freude über den siebten Saisonsieg des Weltmeisters, der diesen seiner Titelverteidigung einen großen Schritt näher gebracht hat, mischte sich auch eine gehörige Portion Erleichterung. (Nachbericht: Vettel kann den Sekt kaltstellen)

"Wir sind ein großes Risiko eingegangen", bekannte WM-Leader Vettel nach seinem Triumph beim Ardennen-Klassiker: "Aber es hat sich gelohnt." (447008DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Newey: Beängstigendes Rennen

Noch deutlicher wurde Red Bulls Design-Superhirn Adrian Newey nach dem zwölften Saisonrennen. "Das war eines der beängstigendsten Rennen, die ich je erlebt habe", bekannte der Technische Direktor des österreichisch-englischen Rennstalls: "Es war eines von der Sorte, wo dir das Herz bis zum Hals schlägt." (DATENCENTER: Das Rennergebnis)

Und auch Teamchef Christian Horner stimmte in den Chor mit ein: "Niemand im Team fühlte sich wohl damit."

Grund für die mulmigen Gefühle der Spa-Doppelsieger - Vettels Kollege Mark Webber belegte Platz zwei - waren die Reifenprobleme, die Red Bull schon im Qualifying und einen Tag später dann auch im Rennen heimgesucht hatten.

[kaltura id="0_0iqq6lvi" class="full_size" title="Spa Die Strecke"]

Große Blasen an den Vorderreifen

"Es war eine Fahrt ins Ungewisse", schilderte Vettel die Schwierigkeiten: "Wir wussten nicht, ob das mit den Reifen gutgeht. Durch Eau Rouge und Blanchimont war immer ein unwohles Gefühl dabei."

Anlass für Vettels Kopfzerbrechen waren die großen Blasen, die schon nach seiner Fahrt zur neunten Pole-Position 2011 an den Vorderrädern des RB7 sichtbar waren. "Da fehlten richtig große Stücke auf der Lauffläche, und wir wussten nicht, ob sie überhaupt halten würden und nicht platzen."

Angeblich habe Red Bull sogar erwogen, die Pneus zwischen Quali und Rennen auszutauschen und dafür aus der Box zu starten. Eine Red-Bull-Anfrage an den italienischen Ausrüster Pirelli, vor dem Rennen neue Reifen zu liefern, stieß auf den Protest der übrigen Teams und wurde daher abgelehnt.

Pirelli: Probleme hausgemacht

Laut Pirelli waren Red Bulls Reifenprobleme ohnehin hausgemacht. "Hätte sich Red Bull wie alle anderen an unsere Vorgaben gehalten, wären sie nie in Schwierigkeiten geraten."

Was der italienische Hersteller meinte: Vettels Team setzte sich in Spa über Pirellis Vorgaben bezüglich Sturz und Reifendruck hinweg und wählte eine extremere Abstimmung, um so die Pneus im kühlen und wetterwendischen belgischen Mittelgebirge schneller auf Betriebstemperatur zu kriegen.

McLaren, das in Jenson Button den Drittplatzierten des Belgien-Grand-Prix stellte, wählte zum Beispiel einen anderen Weg. Teamchef Martin Whitmarsh: "Es geht um die Sicherheit der Fahrer. Wir verlieren dabei etwas an Leistung, aber das ist der sichere Weg."

Allerdings sollen laut einem "BBC"-Bericht auch McLarens zweiter Fahrer Lewis Hamilton, der in Runde 13 nach einem Crash ausschied, Ferrari-Star Fernando Alonso sowie Toro-Rosso-Pilot Jaime Alguersuari mit Blasen an den Reifen gekämpft haben.

Neweys Bedenken

Bei Pirelli jedoch richtete sich der Ärger gegen Red Bull. Vor allem, weil Newey anschließend behauptete, von der Tragweite der Probleme nichts gewusst zu haben. "Wenn wir gewusst hätten, dass es Bedenken wegen der Sicherheit gegeben hat, hätten wir es nicht gemacht", behauptete der Engländer.

Eine Aussage, welche die Pirelli-Verantwortlichen wütend macht. Sogar juristische Schritte erwägt der Hersteller nach Aussage eines Sprechers, sollte Newey seine Behauptung nicht zurücknehmen: "Darüber muss man nachdenken."

"Hatten nie ein Sicherheitsproblem"

Pirellis Motorsportchef Paul Hembery bekräftigte: "Wir hatten nie ein Sicherheitsproblem. Es ist unfair, uns in diese Rolle zu drängen. Das alles hätte vermieden werden können."

Womit Hembery auf Red Bulls Option anspielte, auf Nummer sicher zu gehen und aus der Box zu starten. "Die Teams haben die Möglichkeit mit einer anderen Abstimmung und neuen Reifen aus der Box zu starten. Aber Red Bull hat sich entschieden, diesen Weg nicht zu gehen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel