Peter Kohl sieht die Felle von Felipe Massa bei Ferrari davonschwimmen. Vettel gratuliert er zum Grand Slam. Tops und Flops.

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SCHARF WIE CURRY

Sebastian Vettel: Er könnte locker lassen, beide Titel sind im Kasten - aber er will alles, wenn er an den Start geht. Wie einst Eddy Merckx auf dem Rad. Gratulation zum Grand Slam mit Pole, schnellster Runde, Sieg und Führung vom Start bis zum Ziel in allen Runden. Ein makelloser Auftritt.

Jenson Button: Nicht auffällig, aber sehr effektiv! Erneut ein ganz starkes Rennen - und klar besser als Teamkollege Hamilton. Verdient die Nummer 2 in der Fahrerwertung.

Fernando Alonso: Mehr als Platz 3 war nicht drin. Aber den hat er clever rausgefahren und gut verteidigt.

Michael Schumacher: Von 11 auf 5 ist wirklich gut, dazu Rosberg geschlagen. Er hat aus dem MGP rausgeholt, was ging. Eine klare Leistungssteigerung in der zweiten Saisonhälfte findet in Indien ihre Fortsetzung.

Toro Rosso: Kleines Team, kleines Budget - und trotz dem zeigt die Mannschaft von Franz Tost, dass auch am Jahresende Weiterentwickeln Sinn macht, und Leistungssteigerungen möglich sind. Saustark in der Qualifikation mit beiden Autos in den Top10, höchster Top-Speed von allen mit 323 km/h, verdient in der Konstrukteurswertung gleichgezogen mit Sauber. Ein famoses Wochenende für die kleine, aber feine Truppe aus Faenza.

Jaime Alguersuari: Erneut ein ganz starkes Rennen - eine weitere Empfehlung für eine Vertragsverlängerung.

Sergio Perez: Von 20 auf 10 - Respekt, eine formidable Leistung.

Heikki Kovalainen: Der Finne ist 2011 besser, als er jemals bei Renault und McLaren war - auch wenn das aufgrund des unterlegenen Materials auf den ersten Blick schwer zu erkennen ist. Platz 14 mit diesem Auto ist ein absolutes Top-Resultat, zudem hatte er Teamkollege Trulli während des gesamten Wochenendes erneut klar im Griff.

Narain Karthikeyan: Als einziger Inder im Starterfeld hatte er die Hoffnungen eines Milliarden-Volkes zu schultern, entsprechend tausende Termine und Anfragen zu bearbeiten - was muss das für ein Festtag für ihn gewesen sein, ausgerechnet Daniel Ricciardo, der als Supertalent gehypt wird, und der ihm nach 7 Rennen das Cockpit bei HRT weggenommen hat, um fast 32 Sekunden zu schlagen! Bemerkenswert.

Die Strecke: Der Budd International Circuit ist wirklich gelungen - eine herrliche Herausforderung für die Piloten und auch im Fernsehen schön anzuschauen. Schnelle, rhythmische Kurven, ein abwechslungsreicher langsamer Sektor, eine schöne Profilierung - nur die Boxenausfahrt gehört überarbeitet, die birgt Gefahren.

HALBGAR UND LAUWARM

Das Ambiente: Smog vernebelt die Bilder, rund um die Strecke ist außer Sand nicht viel zu erkennen. Dazu die viel zu üppig geratenen Bemalungen in den Auslaufzonen, die optisch zu stark vom Kurs und den darauf fahrenden Autos ablenken. Indien hat ohne Frage Schöneres, Exotischeres zu bieten.

Force India: Top Qualifying mit Sutil, aber zu geringer Speed im Rennen. Das war ein bisschen enttäuschend.

[kaltura id="0_rjzth846" class="full_size" title="Eine Runde in Noida"]

Sauber: Dass Perez im Rennen von 20 auf 10 gefahren ist, zeigt, dass der C30 ein riesen Potenzial hat - aber das Qualifying war wieder einmal ein Rohrkrepierer - das bekommen die Hinwiler einfach nicht hin und damit berauben sie sich bereits am Samstag aller Chancen für ein Top-Resultat im Rennen.

Nico Rosberg: Sehr gutes Qualifying, da hat man auf mehr gehofft. Die Red Bull, McLaren und Ferrari sind unter normalen Umständen mit dem MGP nicht zu schlagen, aber den Teamkollegen, der deutlich weiter hinten gestartet ist, hat er auch nicht schlagen können. Da haben wir schon bessere Grands Prix von ihm gesehen.

Die Reifenwahl: Pirelli wurde oft als mutig und kreativ gelobt - in Greater Noida hat sie der Mumm allerdings verlassen. Die harten Reifen zu nehmen, um auf Nummer sicher zu gehen, war nicht wirklich prickelnd. Damit gab es kaum Variationsmöglichkeiten - statt dessen Einheitsbrei bei der Reifentaktik an der Spitze des Feldes. Schade.

Das Rennen: Prickelnd nur am Anfang und am Ende - mit großem Loch in der Mitte. Dabei hat die Strecke alle Zutaten, aber die zweite DRS -Zone war nicht wirklich glücklich. Unter dem Strich ein Curry ohne Schärfe. Halbgar und lauwarm eben...

FLOP

Felipe Massa: Der Unfall mit Hamilton geht zu weiten Teilen auf seine Kappe, wie man in den Zeitlupen sieht, hat er zwei Mal in den Rückspiegel geschaut, die Attacke von Hamilton gesehen - warum so gnadenlos nach innen rein ziehen? Er war auf der sauberen Spur, wäre er dort geblieben, hätte er Hamilton kontrollieren können. Bei einem gleichlaufenden Duell Webber / Button wäre garantiert nichts passiert! Für mich ist dieser Unfall Ausdruck des immer größer werdenden Drucks auf den Brasilianer, der scheinbar spürt, dass ihm bei Ferrari die Felle wegschwimmen. Dass er zweimal den gleichen Fehler macht, sich die Radaufhängung an einer Betonwurst hinter den Kerbs ruiniert, passt in dieses Bild. Vertrag für 2012 hin oder her - die Luft für Massa bei Ferrari wird dünner?

Mark Webber: Die Luft ist raus beim Australier, da geht nichts mehr in dieser Saison. Schade.

Williams: Dauerhaft vertreten in diesem Teil der Kolumne, aber das Team bietet ein immer erschreckenderes Bild. Hoffentlich gibt man sich nicht der falschen Hoffnung hin, dass Räikkönen der Retter aus der Not sein wird. Der Finne war noch nie verschrien als starker Entwickler eines Autos - aber gerade das bräuchte die Truppe um den neuen Technikdirektor Coughlan jetzt ganz dringend.

Lotus Renault: Betrachtet man das gesamte Wochenende, muss man feststellen: Lotus Renault ist hinter Toro Rosso, Force India und Sauber zurückgefallen. Momentan lebt man noch vom satten Punktevorsprung, den man sich in der ersten Saisonhälfte eingefahren hat - da dachte man noch, dass die Truppe die Etablierten an der Spitze das ein oder andere Mal würde ärgern können. Weit gefehlt!

Alles in allem eine gelungene Premiere in Indien, die durchaus Spaß gemacht hat. Weiter geht's auf bekanntem Terrain in knapp zwei Wochen. Der Reisestress ist groß, die Belastung für alle Beteiligten enorm. Aber für einige Piloten geht es um den Verbleib in der Formel 1, sie müssen weiter Gas geben ohne Ende und sich empfehlen. Es bleibt also trotz Akkus, die langsam auf Reserve laufen, spannend. Ich freue mich deshalb auf Abu Dhabi.

Bis dahin,Ihr Peter Kohl

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