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Pole-Setter Sebastian Vettel mit den McLaren-Verfolgern Lewis Hamilton (l.) und Jenson Button © getty

Sebastian Vettel knackt in Abu Dhabi Nigel Mansells Pole-Rekord. Das und ein Wunsch Paul McCartneys lassen ihn ziemlich kalt.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel ist längst auf Augenhöhe mit den ganz Großen seines Sports.

Mehr noch: Spätestens seit dem vorzeitigen Gewinn seines zweiten Weltmeister-Titels vor einem Monat macht der wohl talentierteste Fahrer unserer Zeit sich einen Sport daraus, den PS-Legenden nach und nach ihre Bestmarken abzuluchsen. (481723DIASHOW: Bilder des Qualifyings)

Und als Rekordjäger ist Vettel ziemlich begabt. Keiner der Superstars ist vor dem jungen Red-Bull-Piloten sicher, nicht einmal Motorsport-Ikone und Vettel-Kumpel Michael Schumacher, dessen 13 Rennsiege binnen einer Saison der Jüngere in diesem Jahr noch einholen könnte.

Mansells Rekord von 1992

Beim Qualifying zum Grand Prix der Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi (Rennen, So., ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER) nahm sich der Heppenheimer zunächst aber einen anderen vor: den Engländer Nigel Mansell, dessen Titel-Ausbeute der Hesse längst übertrumpft hat, der im WM-Jahr 1992 aber mit 14 Pole-Positionen einen einsamen Rekord inne hatte.

Was soll man sagen? Das Ergebnis nach der gut einstündigen Zeitenjagd auf dem ultramodernen Yas Marina Circuit war irgendwie vorhersehbar: Nigel Mansell ist seine Bestmarke los, zumindest ist der Brite nun nicht mehr alleiniger Rekordhalter.

[kaltura id="0_3mw5zbnf" class="full_size" title="Streckenvorstellung Abu Dhabi"]

Horner schwärmt

Neben ihm grüßt seit Samstag sein junger deutscher Weltmeister-Erbe. Nach einer perfekt getimten Runde, mit der Vettel im letzten Versuch den bis dahin führenden McLaren-Star Lewis Hamilton von Platz eins verdrängte. Platz drei ging an Hamiltons Teamkollegen Jenson Button. (BERICHT: Vettel knackt Mansells Rekord)

"Guten Abend, Mister Mansell", tönte es anschließend folgerichtig über den Red-Bull-Funk. Und Teamchef Christian Horner schwärmte später von einer "unglaublichen letzten Runde" seines Piloten, "gewaltig" nannte er dessen Einstellung des Mansell-Rekords. (DATENCENTER: Die Startaufstellung)

"Zahlen nicht so wichtig"

Vettel selbst sah das viel, viel unaufgeregter. Er bleibt ja immer gelassen, wenn die Welt um ihn herum außer Kontrolle gerät.

"Wenn man es ständig zu hören bekommt, weiß man Bescheid", beantwortet Vettel die unvermeidliche M-Frage eher unterkühlt. Man kenne die großen Namen, "die genauen Zahlen sind nicht so wichtig."

Auch seinen ersten Startplatz analysierte Vettel ziemlich sachlich, schließlich hat er auf dem Yas Marina Circuit schon ganz andere Gefühlszustände durchlebt: Im vorigen Jahr bejubelte er an selber Stätte nach einem Herzschlagfinale seinen ersten WM-Titel.

"Um ehrlich zu sein, ich bin nicht überrascht", stellte Vettel diesmal nach dem spannenden Qualifying klar: "Wir haben damit gerechnet, dass es enger werden würde als im Training, viel enger."

Hamilton: Vettel "affenschnell"

Die Übungsfahrten am Freitag hatte Lewis Hamilton dominiert, auch am Samstagvormittag ließ er Vettel hinter sich. Und selbst nach den ersten beiden Qualifikationsdurchgängen galt er als größter Anwärter auf den ersten Startplatz.

Dann, nach dem Finale, fand er sich hinter Vettel wieder. Mal wieder. "Ich dachte, ich bin so schnell unterwegs wie es nur geht", berichtete der Engländer, der aber nicht unzufrieden war. Allerdings sei der zweite sein besserer Durchgang gewesen und Vettel im dritten "affenschnell".

"Kein Geheimnis"

Wie er denn seine punktgenauen Höchstleistungen hinbekäme, wollte Vettel in Abu Dhabi nicht preisgeben. "Ich habe keine Box, in die ich hineingreife und das dann heraushole", scherzte er.

Im Gegenteil, es gebe "kein Geheimnis" hinter seiner Steigerung, sagte Vettel, der am Freitag seinen RB7 ungelenk in die Leitplanke gesetzt hatte: "Ich habe mich im Training nicht so wohl gefühlt. Heute war das Auto besser. Und ich war auch besser drauf."

Zuversicht bei Vettel

Dass er auch nach vorletzten Rennen des Jahres zwangsläufig das Feld anführen wird, in dem seine Landsleute Nico Rosberg und Michael Schumacher im Mercedes als Siebter und Achter starten werden, sowie der vom Formel-1-Aus bedrohte Force-India-Mann Adrian Sutil von Platz neun, davon ging Vettel vor den Reportern nicht aus.

"McLaren wird morgen stark sein", vermutete der Formel-1-Klassenprimus, vor allem auf der Geraden seien die Engländer schneller. Dennoch: "Wenn sich das Auto so anfühlt, wie heute im Qualifying, bin ich recht zuversichtlich."

Ein Foto mit McCartney?

Auch der freundlichen Bitte eines berühmten Abu-Dhabi-Zaungasts will Vettel freiwillig nicht nachkommen. Er möge doch seine Landsleute gewinnen lassen, wünschte sich Beatles-Legende Paul McCartney.

"Hoffentlich kann ich ihm einen Strich durch die Rechnung machen", erwiderte Vettel auf den frommen Wunsch des berühmten Musikers.

Vielmehr habe er ein Anliegen an McCartney. "Heute habe ich ihn leider verpasst", erzählte der Rekord-Pole-Setter: "Aber ich habe meinen Foto-Apparat dabei. Vielleicht macht er ein Bild mit mir, wenn ich ihn frage."

Und wer weiß? Für ein Foto mit dem Ober-Beatle würde der Heppenheimer Hobby-Gitarrist am Sonntag unter Umständen sogar darauf verzichten, den nächsten Rekord irgendeiner Formel-1-Berühmtheit zu brechen.

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