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Ungewohnter Gast: Nach seinem Ausfall sitzt Sebastian Vettel am Red-Bull-Kommandostand © getty

Weltmeister Sebastian Vettel hakt sein frühes Aus in Abu Dhabi schnell ab. Sieger Lewis Hamilton hofft auf einen Neubeginn.

Von Marc Ellerich

München - Es ist ein Gesetz, das zum Sport gehört, wie die vier Räder an einen Formel-1-Rennwagen. Es lautet: Auch die schönste Serie hat einmal ein Ende.

Rund um den Abu-Dhabi-Grand-Prix (481985DIASHOW: Bilder des Rennens) ist viel vom phänomenalen Lauf des Red-Bull-Doppelweltmeisters berichtet worden. Von seinen elf Saisonsiegen und der Chance, den Rekord des Formel-1-Genies Michael Schumacher mit seinen 13 Grand-Prix-Gewinnen in einer Saison einzustellen.

Vettels viele erste Startplätze waren auch so ein Thema.

Nach dem Qualifying des arabischen Rennens stand der brillante Hesse zum 14. Mal 2011 auf der Pole-Position, es war die Marke des Briten Nigel Mansells, die dieser in seinem Weltmeisterjahr 1992 aufgestellt hatte (allerdings in nur 14 Grands Prix, wie im selben Atemzug oft angemerkt worden ist). (BERICHT: Vettel gegen Mansell, McLaren und McCartney)

Geplatzter Hinterreifen

Es ging also um solche und zahlreiche andere Serien, die der Überflieger dieses Formel-1-Jahres im Saisonverlauf brach oder noch brechen könnte.

Das Gerede ist fürs erste vorbei. Vettels Serie ist in Abu Dhabi gerissen. (BERICHT: Reifenpanne stoppt Rekordjagd)

Unmittelbar nach dem Start, in der zweiten Kurve des Yas Marina Circuit, zerriss es den rechten Hinterreifen an Vettels Red-Bull-Renner. Warum, ist unklar.

Mit dem Plattfuß holperte Vettel über den Kurs, eine Runde noch, er erreichte die Box seines Rennstalls - und gab dort auf, weil die Radaufhängung zu sehr beschädigt war.

[kaltura id="0_3mw5zbnf" class="full_size" title="Streckenvorstellung Abu Dhabi"]

Hamilton gewinnt

Fortan bestimmten Vettels Verfolger das Grand-Prix-Geschehen. Nach 55 Runden setzte sich - letztlich ungefährdet - McLaren-Star Lewis Hamilton gegen Ferrari-Konkurrent Fernando Alonso durch. Platz drei ging an Hamiltons Teamkollegen Jenson Button. (SERVICE: Das Rennergebnis)

Vettels traumhafter Lauf ist also beendet. Den Weltmeister dürfte das nicht sehr lange beschäftigen. Schon am Samstag hatte er das Rekord-Gerede eher amüsiert kommentiert.

Ja, er habe von Mansells Rekord gehört. Aber nur, weil ihn vor allem die Journalisten ständig mit dem Thema löcherten. So behauptete es jedenfalls Vettel.

Dass es vielleicht doch anders ist, deutete Helmut Marko, Red Bulls Motorsport-Beauftragter, an. "Es interessiert ihn schon, und er achtet auch darauf", sagte der Österreicher.

Vettel: Alles richtig gemacht

Über entgangene Rekorde sprach Vettel nach seinem frühen Ausscheiden dann aber nicht mehr. Er musste das Missgeschick kommentieren, dass ihn ausgerechnet an dem Ort aus dem Rennen warf, an dem er vor zwölf Monaten zum ersten Mal Weltmeister geworden war.

"Viel gibt es nicht, worüber wir uns ärgern können", sagte Vettel und deutete damit an, dass der unvermittelte Reifenplatzer wohl keine allzugroßen Spuren auf seinem Gemüt hinterlassen wird: "Bis auf den Plattfuß haben wir alles richtig gemacht. Da hilft nur: Schwamm drüber und weitermachen."

Was Vettel allerdings wichtig ist: "Wir müssen herausfinden, was passiert ist. Ob es ein Problem am Reifen gab? Oder ob ich den Randstein in einem komischen Winkel berührt habe? Ich weiß es nicht. Auf diese Fragen müssen wir Antworten finden."

Auch Pirelli ratlos

Auch Hersteller Pirelli war zunächst ratlos. "Wir wissen, dass es ein schneller Luftverlust war", sagte Sportchef Paul Hembery: "Weiter zu spekulieren, ist sinnlos."

Er selbst habe nichts anders machen können, beteuerte Vettel. Wie weit ihn seine Pole-Position und das gewonnene Startduell gegen Hamilton und Button hätte tragen können, darüber wollte er nicht mehr spekulieren: "Das wird für immer ein Rätsel bleiben. Ich hatte ein gutes Auto."

Vettel, der nach seinem Ausfall viel Trost sogar von Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone empfing und dann den Rest des Rennens am Red-Bull-Kommandostand zubrachte, konnte sich die Gelassenheit erlauben.

Niederlage für Webber

Er hat die Ernte in diesem Jahr mit dem zweiten Titelgewinn bereits unter Dach und Fach. Zudem ist sein Team zum zweiten Mal nach 2010 Konstrukteursweltmeister.

Hamiltons Sieg schmerzte also höchstens Vettels Teamkollegen Mark Webber, der als Vierter im Kampf um den zweiten WM-Platz eine Niederlage verabreicht bekam.

Hamiltons McLaren-Kollege Jenson Button und Ferraris Nummer eins, Alonso, haben nun beim Saisonfinale in Brasilien die deutlich besseren Chancen als der glücklose Australier.

Ein Schelm, wer Vettel dafür mitverantwortlich macht, der nach Worten von Red-Bull-Teamchef Christian Horner die erfolglose Drei-Stopp-Strategie Webbers mitdirigierte.

"Es ist definitiv ein Anfang"

Abu-Dhabi-Sieger Hamilton besitzt als WM-Fünfter im Kampf um die Vize-Weltmeisterschaft in zwei Wochen in Sao Paulo nicht einmal mehr theoretische Chancen.

Seinen Sieg beim Wüstenrennen wertete der zuletzt durch zahlreiche Tiefschläge arg gebeutelte Engländer trotzdem als eine Art Aufbruch in bessere Zeiten.

"Es ist früh, aber es ist definitiv ein Anfang", kommentierte er seinen dritten Erfolg 2011.

Er habe eines seiner besten Rennen gezeigt, fand Hamilton: "Ich konnte einen der besten Piloten der Welt hinter mir halten."

Hamilton lächelt

Seine Erleichterung war dem Weltmeister von 2008 schon auf dem Podium anzusehen. Hamilton lächelte und wechselte sogar mit seinem einstigen Erzfeind Alonso ein paar nette Worte. Dann ein Gruß an seine Mutter, die nach Abu Dhabi mitgereist war und vor Ort ihren Geburtstag feierte.

"Ich bin wirklich sehr, sehr glücklich, wieder hier oben zu stehen", sagte Hamilton zum Schluss und sprach von einem ekstatischen Gefühl: "Das ist großartig. Ich kann heute Abend in den Flieger steigen und lächeln."

Was Hamilton sich wünscht, liegt auf der Hand: Es ist das Ende seiner schwarzen Serie.

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