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Gruß an Mansell: Nach seiner 15. Pole imitiert Sebastian Vettel den Engländer © getty

Sebastian Vettel holt sich in Brasilien spektakulär den Pole-Rekord und will mehr. Die Konkurrenz hofft fürs Rennen auf Regen.

Von Marc Ellerich

München - Nun gehört ihm also auch dieser Rekord. 15 Mal Schnellster eines Qualifyings, 15 Pole-Positions innerhalb einer Saison, das hat vor ihm niemand erreicht. (BERICHT: Vettel mit Bravour zum Rekord)

Auch nicht der berühmte Engländer Nigel Mansell, von dem in den vergangenen Wochen viel die Rede war, und dem Sebastian Vettel beim Saisonfinale der Formel 1, dem Großen Preis von Brasilien in Interlagos (ab 16.45 Uhr im LIVE-TICKER) , nun endgültig enteilte. (488065DIASHOW: Bilder des Qualifyings)

"Sehr emotionale Geschichte"

Vettel, der Red-Bull-Weltmeister, hält die Bestmarke bei den Pole-Positionen seit Samstag also alleine, "eine sehr emotionale Geschichte" sei das, kommentierte er seine Glanztat und vergaß nicht Mansell zu erwähnen, den "Meister dieser Disziplin".

Dieser hatte 1992 drei Anläufe weniger für seine 14 ersten Startplätze benötigt als der junge Deutsche, der dafür 19 Grands Prix fahren musste - ein Umstand, der vor allem Statistiker beschäftigt.

[kaltura id="0_dnuokcxq" class="full_size" title="Der Kurs in Interlagos"]

Als Einziger unter der Marke

Spektakulär an Vettels Qualifying in Interlagos war ohnehin weniger, dass der hessische Überflieger den Rekord aufstellte, sondern vielmehr: wie er ihn aufstellte.

Als einziger aller 24 Fahrer unterbot Vettel bei seiner Fahrt auf den ersten Startplatz die Marke von 1:12 Minuten über die 4,3 Kilometer lange Runde auf dem Autodromo Juan Carlos Pace. 1:11,918 Minuten standen schließlich zu Buche. (DATENCENTER: Ergebnis Qualifying)

Knapp zwei Zehntelsekunden hinter dem Weltmeister wurde Vettels Red-Bull-Kollege Mark Webber Zweiter. Platz drei ging an McLaren-Pilot Jenson Button, der sich über das Ende einer schwarzen Serie freute. In seinen sechs Versuchen in den Jahren davor war der Engländer nie unter die besten zehn Fahrer gekommen.

"Das war mein bestes Qualifying in Brasilien", stellte der Engländer fest.

Vettel: Es gibt kein Geheimnis

Thema des Tages aber blieb Vettels neue Bestmarke. "Sebastian liebt Statistiken, und heute gab es einen kleinen Teil Geschichte für ihn", gratulierte Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinem Weltmeister.

"Das ist etwas ganz Besonderes heute", strahlte der Fahrer: "Ich glaube, so etwas vergisst man nicht. Und man kann das auch nicht planen am Anfang eines Jahres, x oder y Pole, Rennsiege oder was auch immer. Dann geht das meistens schief."

Von einem Geheimnis für seine Dominanz in den Qualifikationsfahrten will der Doppel-Weltmeister nichts wissen: "Wir haben es samstags meistens geschafft, uns zu beherrschen und alles in die eine Runde zu packen."

Folgt der zwölfte Saisonsieg?

So auch diesmal. "In meinem letzten Versuch habe ich einfach alles gegeben", berichtete Vettel: "Ich war schon mit meinem ersten zufrieden, wusste aber, dass noch etwas drin war."

Sprach's und ließ alle Rivalen hinter sich.

"Es war ein unglaubliches Jahr und eine unglaubliche Reise", berichtete Vettel später: "Und es ist ja nicht vorbei. Wir haben morgen ein weiteres Kapitel zu schreiben "

Seinen zwölften Triumph im Finale der langen Saison werden die Gegner mit ihren Mitteln wohl kaum verhindern können.

Eher schon ein dubioser Reifenplatzer, von der Sorte, die den Heppenheimer beim vorigen Rennen aus der Bahn warf. Oder der Wetterumschwung, den viele der Geschlagenen sich erhoffen.

Rosberg hängt Schumi ab

Lewis Hamilton, enttäuschter Vierter des Qualifyings, hofft auf Regen: "Dann könnte es interessant werden."

Und auch Michael Schumacher, als Zehnter vom starken Mercedes-Kollegen Nico Rosberg um vier Positionen distanziert, hätte es gern nass.

Schumacher, der während der Qualifikation nach starken Trainingseindrücken nie mit Rosberg Schritt halten konnte, ließ im finalen Quali-Durchgang harte Reifen aufziehen, "ein strategischer Ansatz", wie der Rekord-Weltmeister behauptete: "Wir haben uns alle Optionen offen gehalten."

Lauda wundert sich

Hintergrund der scheinbar sonderbaren Reifenwahl: Je nach Wetterlage kann Schumacher vor Rennbeginn seine Reifenwahl verändern.

Eine Taktik, die TV-Kommentator Niki Lauda dennoch nicht nachvollziehen mochte: "Wahrscheinlich hat er sich gesagt, es geht nichts mehr, lieber Reifen schonen. Aber wenn es regnet, bringt das auch nichts", so Lauda.

Force-India-Fahrer Adrian Sutil hätte ebenfalls gewiss nichts gegen feuchten Untergrund. Sutil, Achter des Qualifyings, würde eine Saison gerne erstmals in seiner Karriere unter den besten zehn Fahrern beenden. Im Nassen kommt er gut zurecht, und eine Position unter den besten zehn Fahrern der Königsklasse wäre sicher ein gutes Argument bei der schwierigen Arbeitsplatzsuche für 2012.

Horner will Doppelsieg

Und Pole-Rekordler Vettel? "Das Wetter ist ein großes Fragezeichen", meinte der Klassenbeste des Feldes.

Aber eines, das ihm kaum Kopfzerbrechen bereiten wird. Die meisten Fragen hat er in diesem Jahr ohnehin schon beantwortet, und für das letzte Rennen kann er sich auf die Worte seines Teamchefs verlassen.

"Egal, ob es regnet oder trocken bleibt wir sind gut aufgestellt", meinte Christian Horner: "Und ganz vorne hast du die beste Sicht, ansonsten sitzen alle im selben Boot."

Eine Wunsch für das Grand-Prix-Finale hat Vettels Vorgesetzter dennoch - Regen hin, Regen her: "Es wäre großartig, die Saison mit einem Sieg und dem zweiten Platz zu beenden."

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