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Mark Webber feierte beim Rennen in Interlagos seinen ersten Saisonsieg © getty

Der Aussie profitiert von Vettels Getriebeproblemen und holt seinen ersten Saisonsieg. Der Champ macht den Doppelsieg perfekt.

Sao Paulo - Ein streikendes Getriebe hat Weltmeister Sebastian Vettel zum Abschluss seiner grandiosen Saison den zwölften Sieg gekostet.

Den Erfolg beim Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo (Zusammmenfassung, ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1) musste der 24-Jährige mehr oder weniger kampflos seinem Teamkollegen Mark Webber überlassen, der nach dem 19. und letzten Rennen zum ersten Mal in diesem Jahr triumphierte. (488560DIASHOW: Bilder des Rennens)

Vettel konnte sich aber mit dem Pokal für Platz zwei und dem Pole-Position-Rekord trösten, den er am Samstag durch die 15. Bestzeit des Jahres dem Briten Nigel Mansell entrissen hatte. (BERICHT: Vettel mit Bravour zum Rekord)

"Ich fühle mich wie Senna 1991", sagte Vettel noch während des Rennens über den Boxenfunk.

"Wie Senna 1991"

Der legendäre Brasilianer Ayrton Senna war damals bei seinem ersten Heimsieg in Sao Paulo lange Zeit nur mit dem sechsten Gang gefahren und musste nach dem Rennen völlig erschöpft aus dem Auto gezogen werden.

"Der Unterschied war, dass er damals gewonnen hat", meinte Vettel nachher mit süßsaurer Miene: "Es war ganz schön schwer während des Rennens, aber es wäre nicht angebracht, wenn ich mich ärgern würde. Wir hatten ein phänomenales Jahr und ein Doppelsieg ist ein guter Abschluss. Mark hat den Sieg verdient, er ist ein fantastisches Rennen gefahren."

Webber mit gemischten Gefühlen

Webber widmete den Sieg "einem guten Freund, der sehr krank ist".

[kaltura id="0_dnuokcxq" class="full_size" title="Der Kurs in Interlagos"]

Den fast geschenkten Sieg nahm er mit gemischten Gefühlen entgegen: "Für mich persönlich ist es natürlich ein sehr wichtiger Sieg, die letzten Runden haben richtig Spaß gemacht", sagte er: "Aber es wäre schön gewesen, das Ganze mit Sebastian auf der Strecke auszufechten."

Button holt Vize-WM

Den Dreikampf um die Vize-Weltmeisterschaft entschied der Brite Jenson Button für sich.

Der McLaren-Pilot (270 Punkte) landete direkt vor seinem schärfsten Konkurrenten Fernando Alonso im Ferrari (257) auf Rang drei. Webber schob sich durch seinen insgesamt siebten Sieg und den zweiten in Sao Paulo nach 2009 in der Gesamtwertung noch an Alonso vorbei auf Rang drei (258).

Vettel brachte es auf insgesamt 392 Zähler.

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Jubeln durfte Force-India-Pilot Adrian Sutil, der mit dem hervorragenden sechsten Platz sein bestes Saisonresultat einstellte und in der Gesamtwertung noch um zwei Plätze auf den neunten Rang kletterte. (DATENCENTER: Ergebnis Rennen)

Die erste Top-10-Platzierung war vor Saisonbeginn sein großes Ziel gewesen. Offen ist aber noch seine Zukunft. Bei Force India streitet er sich mit Teamkollege Paul di Resta und Testfahrer Nico Hülkenberg um zwei Plätze.

Denkbar wäre aber auch ein Wechsel zu Williams, wo dem Brasilianer Rubens Barrichello nach insgesamt 323 Rennen und 19 Jahren in der Formel 1 das unfreiwillige Karriereende droht.

Rosberg vor Schumi

Mercedes-Pilot Nico Rosberg landete mit einer Runde Rückstand auf dem siebten Rang, Teamkollege Michael Schumacher wurde nach einem frühen Reifenschaden 15. und verlor damit das interne Silberpfeil-Duell gegen Rosberg (76:89).

Die beiden landeten auf den WM-Plätzen sieben und acht.

Katastrophen-Rennen für Glock

Für Timo Glock endete ein katastrophales Final-Wochenende, bei dem er im Qualifying schon auf dem 24. und letzten Platz gelandet war, vorzeitig durch eine Panne seines Virgin-Teams.

Unmittelbar nach dem ersten Boxenstopp in Runde 22 löste sich am Auto des Hessen beim Losfahren das linke Hinterrad.

"Ich weiß nicht, wie man einen Stopp so verhauen und mich dann auch noch losschicken kann. Wie man nach zwei Jahren noch so einen Fehler machen kann ...", schimpfte Glock: "Nach so einem Rennen bin ich schon froh, dass die Saison vorbei ist."

Nächster Vettel-Rekord

Vettel hatte beim Start die Führung behauptet und gleich die nächste Bestmarke eingesammelt.

Er blieb vor Webber und holte sich zum 17. Mal in diesem Jahr in einem Rennen mindestens eine Führungsrunde. Das hatte vor ihm nur Schumacher 2004 geschafft.

Rosberg rutschte in der Startphase vom sechsten auf den siebten Platz ab, Schumacher, der zuvor bei Starts die meisten Plätze in diesem Jahr gewonnen hatte, von Rang zehn auf elf.

Zu Beginn der zweiten Runde holte er sich aber Platz zehn zurück. Zu Beginn der zehnten Runde versuchte er, an Bruno Senna vorbeizugehen, kollidierte dabei aber leicht mit dessen Renault.

Durchfahrtsstrafe für Senna

An Sennas Auto wurde der Frontflügel leicht beschädigt, bei Schumacher ging dagegen der rechte Hinterreifen kaputt.

Er schleppte sich langsam an die Box und kam nach dem Reifenwechsel als Letzter mit einer Runde Rückstand zurück auf die Strecke.

Senna kassierte für die Aktion eine Durchfahrtstrafe, die ihn beim Heimspiel um die Chance auf WM-Punkte brachte.

Führungsrunden für Massa

Vettel hatte sich an der Spitze dagegen schnell von Webber abgesetzt und einen Vorsprung von rund drei Sekunden herausgefahren. Button verlor seinen dritten Platz an Alonso.

In Runde 17 gab Vettel seine Führung freiwillig ab, als er zum ersten Reifenwechsel an die Box fuhr. Webber folgte eine Runde später und fiel wieder hinter Vettel zurück, vor dem aber dann noch Lokalmatador Felipa Massa in seinem 100. Ferrari-Rennen lag, der noch nicht an der Box gewesen war.

In Runde 21 überholte Vettel aber den Brasilianer, der sich danach neue Reifen holte und auf Platz sechs zurückfiel.

Vettel lässt Webber passieren

Allerdings meldete Vettel in dieser Rennphase mehrfach seinem Team über Funk, dass er massive Getriebeprobleme habe.

Webber verringert den Rückstand in großen Schritten, zu Beginn der 30. Runde ließ Vettel ihn passieren. Den Vorsprung vor Verfolger Alonso hielt der Weltmeister danach aber konstant.

In der 38. Runde übernahm Vettel wieder die Spitze, als Webber zum zweiten Reifenwechsl fuhr.

Vettel folgte aber eine Runde später und reihte sich wieder auf Rang zwei ein. Auch bei den letzten Stopps in den Runden 58 (Webber) und 59 (Vettel) änderte sich nichts mehr.

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