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Bernie Ecclestone schaut grimmig
Bernie Ecclestone ist seit rund 40 Jahren in der Königsklasse des Rennsports tätig © getty

Ignoranz, Zynismus, Unkenntnis? Promoter Ecclestone redet die politischen Unruhen im Wüstenstaat klein. Die FIA assistiert.

Von Annette Bachert

München - Geht es nach Bernie Ecclestone, findet der Große Preis von Bahrain in der Saison 2012 statt - aller politischen Unruhen zum Trotz.

"Ich hatte einen großen Aufstand erwartet, aber was geschah? Ein Haufen Kinder stellte sich gegen die Polizei. Das war nichts Ernstes", erklärte der 81-Jährige. So jedenfalls gibt es die englische Zeitung "The Guardian" wieder.

Was Ecclestone allerdings als einen Haufen Kinder bezeichnet, waren arabische Bürger, die gegen das autoritäre Regime ihres Landes demonstrierten und von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen gestoppt wurden.

Absage Bahrain-GP 2011

Anlass der wiederkehrenden Unruhen im Wüstenstaat war der Jahrestag der politischen Proteste am 14. Februar 2011, bei denen es seinerzeit zahlreiche Tote gegeben hatte.

Dieses Mal war offenbar niemand gestorben, doch etliche Verletzte waren auch in diesem Jahr zu beklagen.

Maryam al-Khawaja, Leiter des Amtes für auswärtige Angelegenheiten im Bahrain Center für Menschenrechte, berichtet von den Ausschreitungen: "Die Regierung versprach Entwicklung, aber nichts ist passiert. Es wird immernoch gefoltert. Ich habe Berichte gehört, dass Menschen von Dächern geworfen wurden."

"Das ist ein Grund, warum die Formel 1 Stellung beziehen und das Rennen streichen sollte", fordert al-Khawaja.

Angesichts der Gewalt war im vergangenen März der Auftakt-Grand-Prix in Bahrain abgesagt worden - seinerzeit hatte Ecclestone an einer Austragung so lange wie möglich festgehalten (DATENCENTER: Rennkalender 2012).

Die Regierung soll einschreiten

Wegen der nicht ermüdenden Proteste raten sowohl die britische wie auch die US-Regierung von Bahrain-Besuchen dringend ab.

Viele Formel-1-Teams - darunter auch der Red-Bull-Rennstall von Weltmeister Sebastian Vettel - haben ihren Firmensitz in England. Für den Chefvermarkter der Königsklasse ist die offizielle Reisewarnung Großbritanniens hingegen nicht ausreichend.

Ecclestone wünscht sich offenbar eine ganz persönliche Benachrichtigung: "Wenn die Regierung sich bei mir melden würde und sagte, dass wir besser nicht kommen sollten, dann würden wir fernbleiben. Sonst nicht", stellte der Formel-1-Boss klar.

"Dinge haben sich geändert"

Auch die Teams sollen seiner Meinung nach "in keinster Weise beunruhigt sein. Sie scheinen sehr froh darüber zu sein, dass es diesmal ohne Probleme von statten geht."

Die Lage sei ohnehin nicht mehr dieselbe wie im Vorjahr, ist sich Ecclestone sicher: "Letztes Jahr war die Entscheidung eindeutiger, nicht zu gehen. Aber jetzt haben sich die Dinge deutlich geändert", fügte er hinzu.

Ähnlich sieht das offenbar auch der Weltverband FIA, der sich sicher ist, dass in Bahrain ein Großteil der Bürger Sympathien für das Formel-1-Rennen hegt. Mehr noch: Die PS-Liga habe sogar eine versöhnende Wirkung.

Hoffen, statt Handeln

"Die FIA ist, wie viele in der diplomatischen Gemeinde des Königreichs Bahrain und die Mehrheit der politischen Opposition der Ansicht, dass die Austragung des Grand Prix dabei von Vorteil für die Gemeinschaft von Bahrain wäre, ihre Differenzen zu überbrücken", sagte ein Sprecher des Weltverbandes.

Und weiter: "Wir können nur auf eine lange, friedliche Lösung hoffen."

Die Zeit dafür ist knapp. Am 20.April sollen die Motorsport-Stars auf dem Bahrain International Circuit ihre Runden drehen. (SERVICE: Resultate aus Jerez).

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