Trotz Alonso-Show: Ferrari-Boss ist "beunruhigt"
Von Tobias Wiltschek
München - Dem Stolz über den Sieg in Valencia folgte gleich die Warnung.
Schon bei seiner traditionellen Siegesansprache in dieser Woche in Maranello schrieb Luca di Montezemolo seinen Mitarbeitern ins Stammbuch: "Ich bin beunruhigt, und das sollten wir alle sein."
Den Grund für die Sorgen schob der Ferrari-Präsident sogleich hinterher:
"Ich erwarte in Silverstone, Hockenheim und Budapest drei sehr schwierige Rennen, denn wir sahen, dass Red Bull im Qualifying vier Zehntel vor allen anderen lag und auch im Rennen davonfuhr, zumindest bis das Safety-Car herauskam."
"Wahrer Adrenalinschub"
"Ein außergewöhnlicher" Fernando Alonso habe zwar durch seinen Husarenritt vom elften Startplatz bis zum Sieg (Bilder) für einen "wahren Adrenalinschub" gesorgt, doch dies sei kein Grund, sich auszuruhen.
"Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir einen Schritt nach vorne tun", forderte di Montezemolo vom gesamten Team. "Angesichts des Sieges in Valencia wäre es ein großer Fehler, zu glauben, dass wir genug getan haben."
Neues Selbstbewusstsein
Die Ansprüche bei Ferrari sind spätestens nach dem zweiten Saisonsieg von Alonso ( Bericht) gestiegen. Auch dies war der Rede von di Montezemolo zu entnehmen.
Hieß es zu Beginn des Jahres noch, man müsse auf Patzer der Konkurrenz hoffen, um überhaupt in Podestnähe zu kommen, ist nun zu hören:
"Ob wir gewinnen oder nicht, hängt einzig und allein von uns ab." Soll heißen: Wenn Ferrari das Bestmögliche aus den eigenen Fähigkeiten herausholt, können sie auch die Roten Bullen hinter sich lassen.
Das neu gewonnene Selbstvertrauen der Scuderia ist zweifelsohne auf die überragende Form von Alonso zurückzuführen.
Der Spanier konnte in diesem Jahr als erster Pilot zwei Grand-Prix-Triumphe feiern und hat sich als Führender der WM-Wertung zumindest ein kleines Polster von 20 Punkten auf den zweitplatzierten Mark Webber im Red Bull geschaffen ( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).
Sorgenkind muss punkten
Doch wenn der Präsident von "wir" spricht, meint er auch Felipe Massa. Das Sorgenkind im italienischen Team hatte sich zuletzt mit zwei Platzierungen in den Punkterängen zwar wieder etwas stabilisiert, doch in Valencia folgte der nächste Rückschlag.
Nach einer unverschuldeten Kollision mit Sauber-Pilot Kamui Kobayashi landete Massa, der zudem noch mit einem stark übersteuernden Auto zu kämpfen hatte, auf Platz 16.
Auf der gleichen Position wird der Brasilianer nach dem achten Rennen auch in der Fahrer-WM geführt - mit mittlerweile exakt 100 Punkten Rückstand auf seinen übermächtigen Teamkollegen.
Präsident glaubt an Massa
"Wir glauben nach wie vor an ihn und müssen sicherstellen, dass er ein besseres und konkurrenzfähiges Auto bekommt, mit denen er in beiden WM-Wertungen etwas ausrichten kann", erklärte di Montezemolo.
Um bei den Konstrukteuren mit um den Titel zu fahren, braucht Ferrari eben auch einen zweiten Fahrer, der regelmäßig und so hoch wie möglich punktet ( DATENCENTER: WM-Stand Teams).
In dieser Wertung liegt die Scuderia hinter Red Bull, McLaren und Lotus nur auf Rang vier. Für eine Verbesserung reichen Alonso-Siege alleine nicht aus. Auch Massa müsste dafür das eine oder andere Mal unter die ersten Drei fahren.
Doch auf eine Podiumsplatzierung wartet Massa jetzt bereits seit dem Großen Preis von Südkorea 2010, und das ist mehr als 20 Monate her.