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Silverstone-Sieger Mark Webber liegt in der WM 13 Punkte hinter Fernando Alonso (l.) © getty

Mark Webber muss seinen Silverstone-Sieg erst noch begreifen. Vettel will auf Platz drei aufbauen. Schumi vermisst den Regen.

Von Marc Ellerich

München - Es ist in dieser Formel-1-Saison zur festen Regel geworden, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint.

Red-Bull-Pilot Mark Webber hat diese Erfahrung beim Großbritannien-Grand-Prix gemacht - allerdings zu seiner ganz besonderen Freude. (583861DIASHOW: Bilder des Rennens)

Lange Zeit sah Pole-Setter und Vorjahressieger Fernando Alonso wie der sichere Sieger auf dem Silverstone Circuit aus.

Ferrari-Plan scheitert

Doch dann kam die Zeit seines Verfolgers Webber. Alonso versuchte das Ziel auf weichen Reifen zu erreichen. Doch der Ferrari-Plan ging nicht auf.

Fünf Runden vor Schluss passierte der Australier den WM-Leader und feierte in England nach Monaco seinen zweiten Saisonsieg. Sein Teamkollege, Weltmeister Sebastian Vettel, rückte zwar ebenfalls noch näher an Alonso heran, holte ihn aber nicht mehr ein und wurde Dritter. (Bericht)

Er übernahm somit die Position, von der aus Michael Schumacher ins Rennen gegangen war. Doch der Rekord-Weltmeister, besser sein Mercedes MGP-W03, kam mit dem unerwartet trockenen Wetter nicht gut zurecht. Schumi begrenzte als Siebter den Schaden, der seinen Teamkollegen Nico Rosberg auf Position 15 voll traf. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Webber aus dem Häuschen

Webber indes wunderte sich anschließend über seinen späten Triumph. "Ich habe bisher ja schon einige Siege gefeiert, aber den hier muss ich erst einmal sacken lassen", kommentierte der Gewinner seine Siegfahrt.

"Ich bin absolut aus dem Häuschen", jubelte der Pilot aus Queanbeyan: "Nach dem ersten Reifenwechsel sah es so aus, als wäre er so gut drauf, dass wir den Sieg ausschließen konnten. Aber im letzten Abschnitt ist alles für uns gelaufen."

Alonso gratuliert

Ferrari-Star Alonso - der mit der Wahl hart-hart-weich die entgegengesetzte Strategie zu Webber (weich-hart-hart) verfolgt hatte, nahm die Niederlage recht gelassen hin.

"Mark war im letzten Stint einfach schneller als wir", gab der Spanier freimütig zu: "Er hat den Sieg verdient." Er dagegen habe lediglich sieben Zähler im WM-Klassement auf den Red-Bull-Fahrer verloren, seinen Vorsprung auf die übrigen Widersacher aber ausgebaut.

Auf McLaren-Pilot Lewis Hamilton zum Beispiel, der bei seinem Heimrennen einen enttäuschenden achten Platz verkraften musste. "Für die Meisterschaft war das ein guter Tag", stellte Alonso zufrieden fest.

In der WM-Wertung hat Webber mit den 25 Punkten aus Silverstone seinen Rückstand auf Spitzenreiter Alonso verkürzt - und den Vorsprung zum teaminternen Konkurrenten Vettel auf Platz drei ausgebaut. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

"Darauf lässt sich aufbauen"

Der Titelverteidiger zeigte sich nach seinem technischen Ausfall beim vorigen Grand Prix in Valencia dennoch zufrieden mit dem englischen Ergebnis.

"Darauf lässt sich aufbauen", sagte Vettel, der beim Start seinen vierten Platz zunächst an Ferrari-Pilot Felipe Massa verloren hatte. "Am Anfang haben wir ein bisschen Zeit liegen lassen", stellte der Doppel-Weltmeister bei "Sky" fest: "Ich glaube, die Strategie war perfekt, aber dann hat man natürlich ein, zwei Runden mehr auf den Reifen."

Dass sein Rückstand im WM-Tableau weiter gewachsen ist, ist dem jungen Hessen derzeit angeblich ziemlich egal. "Im Moment spielt das nicht die größte Rolle", behauptete er: "Unser Ziel ist, dass wir am Ende ganz oben stehen. Wie wir dahin kommen, ist eigentlich wurscht."

Zunächst aber werde Red Bulls schönes Resultat am nahen Firmensitz in Milton Keynes entsprechend gefeiert, kündigte Vettel an: "Da gibt es dann sicher ein bisschen mehr als Wasser."

Mercedes setzt auf Regen

Anders als sein jugendlicher Landsmann wirkte Michael Schumacher mit der Mercedes-Performance in Silverstone nicht zufrieden. Kein Wunder, wurde er doch während der 52 Runden von seinem dritten Startplatz aus immer weiter nach hinten durchgereicht.

Erst nach seinem zweiten Reifenwechsel sei sein Rennwagen "halbwegs konkurrenzfähig" gewesen: "Aber nicht gut genug, um vorne ein Wörtchen mitzureden."

Der Grund war so simpel wie komplex: Mercedes hatte im Wetter-Poker das falsche Blatt gespielt und den MGP-W03 auf Regen abgestimmt.

Der Rückbau auf trockene Bedingungen gelang offenbar nicht mehr gut genug. "Wenn wir es könnten, hätten wir es heute regnen lassen", gab Motorsportchef Norbert Haug zu.

Außerdem, so Haug: "Unser Auto ist sicher nicht das beste in den Highspeed-Kurven - besonders mit vollem Tank."

Schumi: Mehr war nicht drin

Schumacher fasste die silbernen Defizite in seiner Analyse ähnlich zusammen: "Heute war nicht mehr als Platz sieben drin. Das ist darauf zurückzuführen, dass unser Auto bei solchen Bedingungen nicht so konkurrenzfähig ist."

Den Silbernen bleibt als Trost übrig, was Silverstone-Sieger Webber zum Schluss in die schönen Worte fasste: "Wir werden das heutige Resultat aufsaugen und genießen. Das ist es, was zählt. Und morgen früh steht dann schon Hockenheim vor der Tür."

Neues Spiel, neues Glück also, das ist es, was Webber meinte - und das gilt natürlich auch für die Silberpfeile, die bei ihrem deutschen Heimrennen ganz gewiss den nächsten Anlauf wagen werden.

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