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Lewis Hamilton (r.) ist Vierter der WM-Wertung, Button nur Achter © getty

Die Briten fahren in Silverstone nur hinterher und verlieren in der WM an Boden. Die Meinungen der Fehleranalyse gehen auseinander.

Von Björn Seitner

München - Der Heim-Grand-Prix in Silverstone war für McLaren ein Debakel.

Nur fünf WM-Punkte bedeuteten das drittschlechteste Abschneiden der Saison (Bericht) - und das vor Tausenden britischen Fans.

Was aber für das Team aus Woking noch viel schlimmer ist: McLaren weiß nicht so recht, worin die Probleme begründet sind.

Wetter? Reifen? Aerodynamik? "Wir waren einfach nicht schnell genug - und ich weiß nicht, warum", so der ratlose Lewis Hamilton.

Von Rang acht an die Spitze - und zurück

Der Weltmeister von 2008 ging nach der Regenlotterie im Qualifying von Rang acht aus ins Rennen und arbeitete sich zwischendurch sogar an die Spitze vor.

"Warum ich plötzlich wieder auf der Position war, auf der ich gestartet bin, ist mir unerklärlich", sagte Hamilton, der auch als Achter ins Zeil kam (583861DIASHOW: Bilder des Rennens).

Teamkollege Jenson Button verbesserte sich zwar von Rang 16 auf zehn, ist aber mit dem einen mageren WM-Pünktchen ebenfalls alles andere als zufrieden:

"Das war natürlich nicht unser Ziel. Wir waren einfach nicht schnell genug, das ist alles."

"Hart und enttäuschend"

Buttons (1:36,086 Minuten) und Hamiltons (1:36,173) schnellste Rennrunden waren im Vergleich zu Lotus-Pilot Kimi Räikkönen (1:34,661), der die beste Zeit auf dem Silverstone Circuit fuhr, rund 1,5 Sekunden langsamer.

Auch für Martin Whitmarsh war das Ergebnis des Heim-Rennens "hart und enttäuschend". Der McLaren-Teamchef sah die schlechten Zeiten vor allem in den überraschenden Wetterbedingungen begründet:

"Ohne Zweifel wären wir bei Regen deutlich konkurrenzfähiger gewesen."

Dass das schlechte Ergebnis vor den eigenen Fans Einfuss auf Hamiltons Zukunftsentscheidung hat, glaubt er nicht: "Meiner Meinung nach möchte er gerne bei diesem Team bleiben. Er weiß, dass es im Motorsport nun einmal Höhen und Tiefen gibt." (NEWS: Hamiltons Zukunft "so gut wie entschieden")

Strategie-Fehler unwahrscheinlich

Bezüglich des Reifenmanagements erklärte Whitmarsh, dass man nach dem ersten Wechsel der Pneus bei Hamilton von hart auf weich "rückblickend vielleicht mehr Runden" hätte drehen müssen.

Das Fahrer-Duo betonte aber, dass es daran wohl nicht gelegen habe (STIMMEN: "Viele hängende Gesichter").

"Soweit ich das sehe, war es okay", erklärte Hamilton. Und auch Button glaubt nicht, "dass wir in Bezug auf unsere Strategie irgendwelche Fehler gemacht haben".

Zu wenig Abtrieb beim MP4-27

Trotz eines neuen Aerodynamik-Pakets vermisste Hamilton sowohl in den langsamen wie auch den schnellen Kurven die Geschwindigkeit.

Laut dem 27-Jährigen mangelt es seinem MP4-27 an Abtrieb. "Wo die Mechaniker den herzaubern sollen, weiß ich aber auch nicht."

"Du willst der Schnellste sein und jedes Jahr gewinnen. Aber dazu haben im Moment weder Jenson noch ich das Auto", haderte Hamilton: "Es tut sich einfach nichts."

Er sei kein Aerodynamiker, erklärte er: "Aber da muss etwas sein. Das ist es, wonach wir bei diesem Auto schauen müssen."

"Viele Teams vor uns"

Im Vergleich zu Red Bull stehe man laut Hamilton derzeit "ziemlich weit hinten". Überhaupt sei es erstaunlich, "wie viele Teams derzeit vor uns liegen", rätselte Button.

"Es ist natürlich ein Entwicklungsrennen. Andere Teams scheinen derzeit etwas schneller zu sein als wir. Da müssen wir weiter Druck machen", forderte McLaren-Sportchef Sam Michael.

Schnellste Stoppzeit

Immerhin in Sachen Boxenstopps haben die Briten sich deutlich verbessert.

Nach zahlreichen Patzern der Boxencrew im bisherigen Saisonverlauf funktionierten die Reifenwechsel in Silverstone perfekt, McLaren konnte sich die zwei schnellsten Stopps auf die Fahne schreiben.

"Da haben die Jungs wirklich fantastische Arbeit geleistet. Bei der Boxencrew setzt also langsam Konstanz ein", sagte Michael.

McLaren verliert an Boden

Ein schwacher Trost für die beiden Piloten, zumal das Team in der Konstrukteurs-Wertung Rang drei an Lotus verlor und auch Lewis Hamilton von Sebastian Vettel kassiert wurde (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

"Wir sind jetzt zwar nicht mehr nahe dran, kämpfen aber immer noch um die Meisterschaft", so Hamilton, der mit 37 Punkten Rückstand nur noch Vierter ist.

Optimistisch für das Hockenheim-Rennen in zwei Wochen ist der Brite aber nicht wirklich. Auf die Frage, was er sich vornehme, antwortete Hamilton:

"Besser als Achter zu werden."

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