Mercedes nach Rückschlag: "Müssen jetzt nachziehen"
Von Björn Seitner
München - Könnte man bei Mercedes zaubern, wäre das Ergebnis in Silverstone sicher positiver ausgefallen.
"Wenn wir das Wetter auch noch machen könnten, hätten wir es vielleicht ein bisschen Regnen lassen", flachste Norbert Haug nach dem Rennen.
Eigentlich war dem Motorsportchef der Stuttgarter aber nicht zum Scherzen zumute, denn mit Rang sieben von Michael Schumacher und Platz 15 von Nico Rosberg konnte Haug nicht wirklich zufrieden sein ( DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).
Mercedes war eines der Teams, das mit den überraschenden Witterungsbedinungen in England - am Rennsonntag war es nach den Wolkenbrüchen im Qualifying überraschenderweise trocken - überhaupt nicht zurecht kam.
Mercedes muss nach Rückschlag nachziehen
Auch Altmeister Schumacher redete nicht lange um den heißen Brei: "Unser Auto ist bei diesen Bedingungen nicht konkurrenzfähig."
Rosberg, der vor dem Rennen so optimistisch war, dass er trotz Quali-Platz 13 das Podium ins Visier nahm, zog ein ebenso ernüchterndes Fazit:
"Ich war wirklich guter Dinge. Aber im Endeffekt was das Wochenende ein Rückschlag", so der China-Sieger: "Die anderen Teams greifen jetzt richtig an. Wir müssen unbedingt nachziehen."
Im Schatten der Top-Teams
"Die Vorhersage war Regen, deswegen waren wir für die Trockenheit nicht bestens gerüstet", erklärte Haug das schlechte Ergebnis des Wochenendes (DIASHOW: Bilder aus Silverstone).
Während des Unwetters im Qualifying war Schumacher noch auf Rang drei gerast, im Rennen verlor er aber Platz um Platz und musste das zweite Podium nach dem Coup in Valencia schnell begraben.
Die Leistung in England sei nicht gut genug gewesen, um vorne mitzufahren, gab der siebenmalige Weltmeister zu: "Alle drei starken Teams waren mit beiden Autos vor uns." ( DATENCENTER: WM-Stand Teams).
Unterlegen in High-Speed-Kurven
Doch die beiden Mercedes-Piloten hatten in Silverstone nicht nur mit dem Wetter Probleme.
"Beide Fahrer hatten mit Graining zu kämpfen, was unsere Performance in wichtigen Phasen des Rennens beeinträchtigte", erklärte Teamchef Ross Brawn.
Graining bedeutet das Verkleben von Gummischnipseln auf der Reifenoberfläche.
Zudem ist der W03 der Konkurrenz in Hochgeschwindigkeitskurven unterlegen, wie sich sowohl Schumi als auch Haug eingestehen mussten.
Surer: Kein Fahrerproblem
Nachdem beim Europa-Grand-Prix alles wie am Schnürchen lief, war das England-Rennen für Mercedes also ein Rückschritt.
Was auch für Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer nicht an den Fahrern lag: "Michael war nicht Schuld daran, sondern Mercedes war nicht gut auf Trockenheit eingestellt. Die Reifen haben zu schnell abgebaut."
"Ich denke, er weiß: 'Im Moment kämpfe ich mit stumpfen Waffen'", so Surer weiter.
Blick Richtung Hockenheim
Zu viel wollte man im Mercedes-Lager dann aber doch nicht schlecht reden.
Das Mercedes-Trio blickte Erwartungsfroh Richtung Grand-Prix-Halbzeit. Denn die ist für das deutsche Nationalteam eine ganz besondere.
Besseres Layout in Hockenheim?
Das Heim-Rennen steht an, und in Hockenheim, dem zehnten von 20 Saisonrennen, sieht die "Situation schon ganz anders aus und es kann schon wieder viel besser" für Mercedes laufen, sagte Schumacher.
"Für Hockenheim sollten wir besser gerüstet sein, allein schon vom Layout der Strecke", glaubt Haug.
Schumi wünscht sich Regen
Rosberg gibt sich ebenfalls wieder uneingeschränkt zuversichtlich: "Ich bin optimistisch, dass wir ein Top-Resultat erzielen können".
Schumacher hebt außerdem die Unterstützung der Fans auf dem Kurs in Baden-Württemberg immer hervor.
Zaubern kann der Altmeister zwar weiterhin nicht, aber vielleicht geht ja sein Wunsch in Erfüllung:
"Ihr dürft alle gern kommen", so Schumis Botschaft an die Fans: "Und bringt ein bisschen Regen mit."