Rote Gefahr für deutsche Heim-Party
Von Tobias Wiltschek
München - Die Zeit der Zurückhaltung ist endgültig vorbei.
Wurde zu Saisonbeginn wegen massiver Probleme mit den Fahrzeugen noch der Absturz ins Mittelmaß befürchtet, geht Ferrari nun mit der Einstellung eines Siegerteams in den Deutschland-Grand-Prix (Freies Training, Fr., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) .
"Das Auto war in Valencia gut, und es war in Silverstone gut", sagte Fernando Alonsos Renningenieur Andrea Stella über die beiden letzten Rennen.
"Und weil Hockenheim eine Mischung aus dem langsamen Kurs in Valencia und der Highspeed-Strecke in Silverstone ist, erwarte ich Ferrari auch in Deutschland ganz vorn."
Gutes Pflaster für Ferrari
Diese Argumentation lässt sich schwer widerlegen, zumal auch die Vergangenheit Stellas These stützt.
Sechs der letzten zehn Rennen auf dem Hockenheimring gewannen die roten Renner. Vor zwei Jahren fuhren Alonso und Felipe Massa sogar einen Doppelsieg heraus (DIASHOW: Die Grand-Prix-Historie von Hockenheim).
Der Triumph von Alonso war zwar das Ergebnis einer skandalösen Stallorder, mit der die Scuderia damals den Spanier am brasilianischen Teamkollegen vorbei funkte. An der Überlegenheit von Ferrari änderte dies freilich wenig.
Alonso gehört zu den Top-Favoriten
Auch 2012 gehört Alonso zu den Top-Favoriten auf der badischen Traditionsstrecke, wo er 2005 bereits im Renault erfolgreich war.
Trotz der gestiegenen Euphorie rund um das Team aus Maranello sieht Stella aber nach wie vor großes Verbesserungspotenzial. Was den Top-Speed betreffe, stoße man bei Ferrari immer noch zu früh an die Grenzen.
Das hat Alonso allerdings nicht davon abgehalten, in vier der letzten fünf Rennen aufs Podium zu fahren.
"Es zählt jeder Punkt"
"Jetzt zählt jeder Punkt", weiß der zweimalige Weltmeister, dessen große Stärke in dieser Saison die Konstanz ist. Als einziger Pilot fuhr er 2012 bislang in jedem Rennen in die Punkteränge, was ihm auch von einem großen Rivalen ein dickes Kompliment einbrachte (BERICHT: Vettel heizt Ferrari-Gerüchte an).
Er sei der kompletteste Fahrer, sagt Sebastian Vettel über den Spanier. Der Heppenheimer gehört in Hockenheim selbst zu den großen Favoriten und möchte dort endlich seinen ersten Heimsieg einfahren (BERICHT: Vettel gegen den Heimfluch).
Doch nicht nur Alonso, sondern auch dessen wiedererstarkter Teamkollege Massa, wird etwas dagegen haben ( BERICHT: Massa-Aus nur aufgeschoben?).
Massa plant Aufholjagd
"Mir ist klar, dass in den kommenden elf Rennen noch viele Punkte zu vergeben sind", plant der 31-Jährige nach seinem Katastrophen-Start eine erfolgreiche Aufholjagd bis zum Saisonende.
Sein Ziel sei es, in der Fahrerwertung noch in die Top Fünf vorzustoßen. Dafür müsste der Brasilianer in den verbleibenden Grand-Prix mehr als einmal auf das Podium fahren. Denn derzeit hat er als Zwölfter noch 60 Punkte Rückstand auf den fünften Platz.
Für den Anfang seiner "Klettertour" hat er sich mit Hockenheim nicht den schlechtesten Ort ausgesucht. Bei den letzten drei Rennen dort landete er stets auf dem Podium.