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Wähend Schumi (l.) schon vier Mal in Hocken- heim gewann, ging Vettel bislang leer aus © getty

Wer gewinnt den Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim? Schumi, Vettel oder die Konkurrenz? Das SPORT1-Powerranking.

Vom Hockenheimring berichtet Marc Ellerich

Hockenheim - Der Deutschland-Grand-Prix 2012 auf dem Hockenheimring (Freies Training, Fr., ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) ist gleich für fünf Piloten ein Heimrennen.

Red Bulls Doppel-Weltmeister Sebastian Vettel, Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg sowie Nico Hülkenberg im Force India und Marussia-Fahrer Timo Glock treten auf dem badischen Kurs an, um ihre Landsleute zu begeistern.

Doch nur drei von ihnen dürfen sich ernsthafte Hoffnungen auf den prestigeträchtigen Sieg beim zehnten Saisonrennen machen: Vettel und das Mercedes-Gespann Schumacher/Rosberg.

SPORT1 checkt im Powerranking die Chancen der drei deutschen Stars sowie ihrer ärgsten Rivalen.

Sebastian Vettel

Für den Red-Bull-Piloten ist der Grand Prix in Hockenheim sozusagen ein Auftritt im eigenen Wohnzimmer. Der Weltmeister der Jahre 2010 und 2011 ist nur 50 Kilometer entfernt, im Städtchen Heppenheim, geboren und aufgewachsen 265475(DIASHOW: Die Grand-Prix-Historie von Hockenheim).

Seine Familie und viele Freunde werden anreisen, um Vettel am Rennsonntag anzufeuern (BERICHT: Vettel gegen den Heimfluch).

Kein Wunder also, dass der Hesse unbedingt den Sieg beim Heimat-Gastspiel einfahren will, obwohl es dafür auch nur 25 Punkte wie für jeden anderen Triumph gibt, wie Vettel selber sagt. Einmal abgesehen davon, dass der Champion diese nach seinem dritten Platz in Silverstone und seinem technisch bedingten Nuller beim Europa-GP in Valencia bitter nötig hat.

Seine Bilanz bei bisher vier Auftritten in der Heimat ist allerdings mager: Noch immer wartet Vettel auf einen Sieg vor seinen deutschen Fans.

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In seiner Karriere gibt es aber auch noch einen zweiten, kurioseren, schwarzen Fleck. Noch nie konnte er in einem Juli seinen berühmten "Vettel-Finger" zum Zeichen des Triumphs zeigen.

"Wenn es in diesem Jahr nicht klappt, sollten wir es mal in den August oder Juni verschieben", meinte er darauf angesprochen scherzhaft.

An den verflixten siebten Monat im Jahr oder ein schlechtes Datum glaube er aber nicht. "Wir versuchen es an diesem Wochenende einfach mal wieder."

Mark Webber

Einer der ärgsten Widersacher des deutschen Strahlemanns kommt ausgerechnet aus dem eigenen Stall. Red-Bull-Kollege Mark Webber fährt derzeit in Topform, sein Selbstvertrauen ist entsprechend.

Jüngster Beweis von Webbers Stärke: sein zweiter Saisonsieg beim Großbritannien-Grand-Prix vor zwei Wochen in Silverstone.

Abgesehen von Vettels Lichtmaschinen-Defekt in Valencia kann sich das Red-Bull-Duo auf den RB8 verlassen. Obwohl der Bolide nach dem Verbot des angeblasenen Diffusors (vor der Saison) und des Unterbodens (während der Saison) den Konkurrenzmodellen nicht mehr derart überlegen ist, wie 2011, ist er allemal ein Siegerauto.

In Valencia und Silverstone haben Red Bull und Ferrari mehr Punkte eingefahren als alle anderen Teams zusammen.

SPORT1-Prognose: Vettel und Webber sind Siegkandidaten in Hockenheim, zwei Plätze auf dem Podium sind allemal reserviert.

Fernando Alonso

Der Pilot aus Oviedo ist ganz gewiss der größte Widersacher der beiden Red-Bull-Fahrer.

Der spanische Ferrari-Star, vor zwei Jahren auf dem Hockenheim noch Nutznießer des roten Stallorder-Skandals, führt nach neun Rennen die WM-Wertung an, zweimal, in Malaysia und beim Heimrennen in Valencia überquerte er die Ziellinie als Erster.

13 Punkte beträgt sein Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Webber, auf den drittplatzierten Vettel sind es 29 WM-Zähler.

Allein das darf nach den Problemen der Scuderia während des Winters als sensationell gewertet werden.

Doch selbst, wenn der F2012 laut Alonso im Qualifying nach wie vor Luft nach oben hat: Das Selbstbewusstsein der Roten ragt mittlerweile ganz nah an den Himmel heran.

Ferrari werde in Deutschland konkurrenzfähig sein, kündigte Alonsos Renningenieur Andrea Stella auf der Webseite des Teams an. Der rote Renner habe auf den Kursen in Valencia und in Silverstone gut funktioniert. Und Hockenheim sei eine Mischung aus beiden Strecken.

Sogar Alonsos bis dato völlig chancenloser Teamkollege Felipe Massa hat neuen Mut geschöpft: Er peile in der WM eine Position unter den Top 5 an, ließ er unter der Woche verlauten.

SPORT1-Prognose: Der Sieg in Deutschland führt nur über Alonso, ein Podium sollte auf jeden Fall drin sein.

Michael Schumacher

Der Rekord-Champion sorgte 2006 im letzten Jahr seiner strahlenden Erst-Karriere auf dem Hockenheimring für den letzten deutschen Heimsieg.

Er hat mit vier Triumphen auch die meisten Hockenheim-Siege auf dem Konto.

In seiner zweiten Karriere im Mercedes-Renner würde Schumi natürlich zu gerne an seine Glanztaten anknüpfen. ?Wir haben uns fest vorgenommen, dass wir allen über das Wochenende Anlass zum Feiern geben werden?, kündigte Schumacher im Vorfeld an.

Nico Rosberg

Rechnerisch hat der gebürtige Wiesbadener dazu die besseren Chancen. 52 Punkte liegt er in der WM vor dem Altmeister, der allerdings im bisherigen Saisonverlauf mit zahlreichen technischen Ausfallen zu kämpfen hatte.

Beim vorigen Grand Prix in England hingegen fuhr Rosberg, der in Hockenheim beim Abschied seines Vaters Keke den Entschluss gefasst haben will, Rennfahrer zu werden, nicht in die Punkte. Schumi wurde Siebter.

Das Problem des Silber-Duos liegt ohnehin an anderer Stelle: Der AMG W03 ist zu unberechenbar - vom Wetter und vom Streckentyp. Starke Auftritte des Silberpfeils wechseln sich - abhängig von beiden Faktoren - mit Beinahe-Leistungsverweigerung ab.

Problematisch für den W03 sind Highspeed-Kurven und zu heiße Bedingungen. Auch deshalb forderte Schumacher seine deutschen Fans nach Silverstone auf, viel Regen mit nach Hockenheim zu bringen.

Das war durchaus nicht nur scherzhaft gemeint. Aber Schumi darf hoffen. Für den Grand Prix in seiner Heimat sind wechselnde Bedingungen und keineswegs die üblichen heißen Temperaturen vorhergesagt.

Auch Hockenheims Strecken-Layout dürfte dem Mercedes besser liegen.

SPORT1-Prognose: Der Heimsieg 2012 könnte sich für Mercedes - in Schumachers womöglich letztem Jahr ? als unerfüllbarer Traum erweisen. Mit einem Podiumsplatz darf das Silberpfeil-Duo aber liebäugeln.

Die Geheimfavoriten

Lotus und Sauber sollten Vettel Co. auf dem Zettel haben. Der E20 von Kimi Räikkönen gilt als uneingelöstes Siegversprechen, Lotus liegt nicht von ungefähr auf Platz drei der Teamwertung.

Größtes Problem: Der schwarz-goldene Renner ist am schnellsten, wenn es heiß ist ? was am Wochenende eher unwahrscheinlich ist.

Ähnlich wie Lotus könnte es dem Rennstall des Schweizers Peter Sauber nach einigen erfolgreichen Updates gelingen, sein Potenzial auf die Strecke zu bringen.

SPORT1-Prognose: Beide Teams sind für Überraschungen gut.

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