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Lewis Hamilton begann seine Formel-1-Karriere 2007 bei McLaren © getty

Der Brite fährt in Ungarn einen Start-Ziel-Sieg ein. Vettel wehrt Alonso ab, verpasst aber das Podium. Bei Schumi läuft alles schief.

Budapest - Sebastian Vettel war ohne Chance auf den Sieg, Michael Schumacher schied nach einem rabenschwarzen Sonntag erneut vorzeitig aus: Mit einer Menge Frust im Gepäck gehen die deutschen Formel-1-Stars in die vierwöchige Sommerpause.

Weltmeister Vettel beendete den Großen Preis von Ungarn beim souveränen Sieg von Lewis Hamilton als Vierter und geht als WM-Dritter in die vierwöchige Pause (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

Einziger Trost: Am Sonntag holte er zwei Punkte auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso auf, der in Budapest Fünfter wurde.

Die restlichen neun Rennen des Jahres könnten einen Fünfkampf um den Titel bringen: Ferrari-Pilot Alonso führt mit 164 Punkten vor Vettels Red-Bull-Kollege Mark Webber (124/Achter in Budapest), dem deutschen Weltmeister (122), Hamilton (117) und Kimi Räikkönen (116).

Der finnische Ex-Weltmeister erreichte als Zweiter in Ungarn die bereits fünfte Podest-Platzierung in seiner Comeback-Saison nach zwei Jahren in der Rallye-WM. Hamilton nutzte derweil die 150. Pole Position in der Geschichte McLarens zum zweiten Saisonsieg.

"Ein unglaublicher Tag"

"Das war ein unglaublicher Tag", sagte Hamilton. Im Ziel jubelte Vater Anthony ausgelassen, im Vorjahr hatten sich Vater und Sohn noch zerstritten.

"Zweiter ist ausreichend", meinte derweil Räikkönen mit gewohnt brummiger Stimme. Grosjean war dagegen richtig zufrieden: "Das war ein fantastisches Rennen!"

Schumi verursacht Rennabbruch

Rekordweltmeister Schumacher hatte aufgrund eines überhitzten Motors eine Startunterbrechung verursacht. Während das Feld eine zweite Aufwärmrunde drehte, wurde der Mercedes in die Boxengasse geschoben und dort erneut gestartet.

Schon in der zweiten Runde holte sich Schumacher harte Reifen ab. Weil er danach die Boxengasse zu schnell durchfuhr, erhielt er eine Durchfahrtsstrafe (592392DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

Vom letzten Platz beim zweiten Start hatte er sich auf Rang 18 vorgearbeitet, ehe er neun Runden vor dem Ende seinen Silberpfeil abstellen musste und damit im elften Saisonrennen zum sechsten Mal ausschied.

Sein Mercedes-Kollege Nico Rosberg holte von Startplatz 13 als Zehnter zumindest noch einen Punkt.

Leer aus gingen neben Schumacher auch Nico Hülkenberg im Force-India- Mercedes auf Rang elf und Marussia-Pilot Timo Glock auf Platz 21.

"Das ist sinnlos"

Nach dem Qualifying waren alle fünf deutschen Piloten unzufrieden gewesen. Glock hatte sich gar heftig mit seinem französischen Teamkollegen Charles Pic gestritten.

"Vielleicht versteht er den englischen Funk nicht", sagte Glock, nachdem ihn Pic trotz Warnung über den Boxenfunk im Qualifying blockiert hatte.

Eine Aussprache strebt der Odenwälder angeblich nicht an. "Das ist sinnlos", meinte er verärgert: "Es ist zum zweiten oder dritten Mal passiert, das muss das Team lösen."

Schlechter Start

Kurz nach dem Start war die Laune im deutschen Lager noch deutlicher schlechter.

Vorne scheiterte der von Rang drei ins Rennen gegangene Vettel beim Überholmanöver gegen Romain Grosjean und wurde stattdessen gar von Jenson Button kassiert.

Noch viel schlimmer begann es für Schumacher, der nach dem Startabbruch aus der Box starten musste.

Spitzentrio lässt Vettel keine Chance

In der fünften Runde drehte sich Glock schließlich auf der Strecke. Er konnte das Rennen fortsetzen, allerdings als Vorletzter, hinter ihm nur noch Schumacher, der in Runde 13 vorbeizog.

Für Vettel gab es derweil zunächst kein Vorbeikommen am Spitzentrio.

Nach einem Fünftel der Distanz hatte er schon zehn Sekunden Rückstand auf den führenden Hamilton und zudem seinen Rivalen Alonso direkt im Rückspiegel.

Schumi überholt fünf Fahrer

Von den Spitzenfahrern kam nach Runde 15 Button als Erster in die Box, Vettel folgte drei Umläufe später und musste sich wieder hinter dem Briten einreihen.

Nach einem knappen Drittel der Distanz erbte der erstaunlich gut mitfahrende Grosjean sogar für eine Runde die Spitzenposition, weil er sich nach Hamilton frische Reifen holte - und dem Briten mit diesen immer näher kam.

Hinten arbeitete sich Schumacher durchs Feld, nach einem Drittel des Rennens hatte er immerhin fünf Kollegen hinter sich gelassen.

Vettel verzweifelt an Button

Vettel verzweifelte derweil an Button und sendete einen Hilferuf in die Box.

"Ich bin eigentlich viel schneller als Button. Wir müssen es über die Strategie machen", funkte er. "Wir versuchen, was geht", kam es zurück.

"Jungs, bitte lasst uns irgendwas probieren", meinte der Weltmeister, zum Risiko bereit.

Hamilton flucht via Funk

Schumacher holte sich zur Hälfte des Rennens neue Reifen und kam genau vor Button und Vettel zurück auf die Strecke, ließ die beiden aber fair passieren.

Direkt danach holte sich Button frische Gummis. "Plan B" hatte sein Team durchgegeben, offenbar der Hinweis, auf eine Drei-Stopp-Strategie zu wechseln.

Vettel nutzt die freie Fahrt umgehend zur bis dahin schnellsten Rennrunde - und blieb nach seinem Stopp 20 Runden vor dem Ende tatsächlich vor Button.

Hamilton fluchte derweil über die Überrundeten, die "einfach nicht aus dem Weg gehen".

Räikkönen jagt Hamilton

Dennoch blieb der McLaren-Pilot klar vorne, dahinter lieferten sich Räikkönen und Grosjean ein teaminternes Duell um Rang zwei.

Räikkönen gewann es und jagte fortan Hamilton. Vettel hing hinter Grosjean, hatte aber Webber als Puffer zu Alonso hinter sich, Button war durch einen missglückten Boxenstopp zurückgefallen.

Vettel holte für die letzten acht Runden nochmal frische Reifen. Es reichte für die schnellste Rennrunde kurz vor Schluss, aber nicht mehr fürs Podium.

Grid Girl bricht zusammen

Schon einige Minuten vor dem Start hatte es in Budapest den ersten kuriosen Zwischenfall gegeben.

Eines der Grid-Girls, die in der Startaufstellung die Nummern der Piloten hochhalten, war offenbar wegen der großen Hitze zusammengebrochen und musste herausgetragen werden.

Sie wurde umgehend von einer anderen Dame ersetzt.

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