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Rekord-Champion Michael Schumacher fährt seit 2010 bei Mercedes © getty

Der Rekord-Champion leistet sich zahlreiche Pannen. Er stellt das Auto am verkehrten Startplatz ab und kennt die Regeln nicht.

Von Felix Götz

München - Ein Crash im Training, Platz 17 im Qualifying und schließlich ein blamabler Auftritt am Renntag (Bericht): Michael Schumachers Wochenende in Ungarn war ein einziges Desaster.

Für den Rekord-Weltmeister war der Grand Prix auf dem Hungaroring schon gelaufen, bevor er richtig begonnen hatte. Der 43-Jährige sorgte für einen Startabbruch.

Allerdings nicht wie zunächst behauptet aufgrund eines überhitzten Motors, sondern weil Schumacher sein Auto nach der Aufwärmrunde nicht auf dem 17., sondern fälschlicherweise auf dem 19. Startplatz abstellte.

"Ich habe an meine Box gefunkt, dass er auf meinem Platz steht", erklärte Caterham-Fahrer Heikki Kovalainen.

Rennleiter Charlie Whiting erkannte die Situation und brach ab.

Schumi kennt Regeln nicht

Erst jetzt stellte Schumacher den Motor ab - und zwar freiwillig. "Das war früher immer so", rechtfertigte sich der Oldie hinterher.

Mit dieser Einschätzung lag er nicht ganz falsch: Bis 2006 wurde in so einem Fall für fünf Minuten unterbrochen, seither geht es aber wie in Ungarn geschehen sofort auf eine Formationsrunde.

Für Schumi zu spät, er musste in die Box geschoben werden, wo der Motor neu gestartet wurde. Den Start aus der Box hatte er somit als Strafe sicher.

Durchfahrts- statt Geldstrafe

Doch damit nicht genug: Schon leistete er sich den nächsten Patzer. Schumacher fuhr zu schnell durch die Boxengasse zur Boxenausfahrt (592392DIASHOW: Die Bilder des Rennens).

Da dieses Vergehen noch vor dem Rennstart geschah, hätte es eigentlich mit einer Geldstrafe belegt werden müssen.

Nun machte die Rennkommission einen Fehler und entschied auf Durchfahrtsstrafe. Das Chaos war perfekt.

In der zweiten Runde kam es zu allem Überfluss am Silberpfeil auch noch zu einem Reifenschaden.

"Da war dann eigentlich klar, dass das Rennen gelaufen ist", kommentierte Schumacher die Situation (REAKTIONEN: Die Stimmen zum Ungarn-GP).

Ausfall der Telemetriedaten

In aussichtsloser Position liegend entschieden sich Schumacher und Mercedes in Runde 58 schließlich dazu, die Flinte ins Korn zu werfen - es gab nun auch noch Probleme mit der Übertragung der Messwerte (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).

"Die Telemetriedaten waren ausgefallen, deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Rennen aufzugeben und keine Folgeschäden am Auto zu riskieren", sagte Schumacher.

So kann Mercedes vor dem nächsten Rennen im belgischen Spa am 2. September Teile wechseln, ohne dafür eine Strafe zu erhalten.

Darin fand Schumi keinen Trost: "Dieses Wochenende war sicherlich nicht erinnerungswürdig."

Sechs Ausfälle in elf Rennen

Genau genommen gilt das für einen Großteil der bisherigen Saison.

Schumacher liegt mit 29 Punkten auf dem enttäuschenden zwölften Rang der WM-Fahrerwertung und ist mit sechs Ausfällen in elf Rennen in dieser Kategorie einsame Spitze - vor Romain Grosjean, der seinen Lotus vier Mal nicht ins Ziel brachte.

Seltene Höhepunkte waren die Pole-Position in Monaco und der dritte Platz in Valencia.

Rosberg holt einen Punkt

Für Teamkollege Nico Rosberg lief es in Ungarn ebenfalls nicht wie gewünscht.

Wobei der 27-Jährige, von Platz 13 aus gestartet, als Zehnter ins Ziel kam und immerhin noch einen Zähler nach Hause fuhr.

"Wir waren leider nicht schnell genug. Ich hatte einen guten Start und konnte bis zum Ende des Rennens drei Positionen gutmachen - damit habe ich das Beste aus der Situation gemacht", analysierte Rosberg.

Der Sechste der Fahrerwertung forderte aber auch: "Wir müssen herausfinden, warum wir momentan nicht die gewohnte Pace haben."

"Nicht so konkurrenzfähig wie erhofft"

Teamchef Ross Brawn sah es ähnlich: "Wir sind nicht so konkurrenzfähig wie erhofft, und obwohl wir in Ungarn alles aus dem Auto herausgeholt haben, müssen wir es schaffen, noch bessere Rundenzeiten zu erzielen."

Dennoch will der deutsche Rennstall, der in der Teamwertung hinter Red Bull, McLaren, Lotus und Ferrari nur Platz fünf belegt, die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht aufgeben.

"Ich bin überzeugt, dass wir unsere Performance in den verbleibenden neun Rennen steigern können", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

300. Rennen in Spa

Gewiss wäre Schumacher eine deutliche Verbesserung seines Boliden bereits beim Rennen in Belgien recht.

Zu der Strecke in den Ardennen hat der siebenmalige Champion ein spezielles Verhältnis.

In Spa bestritt er vor 21 Jahren seinen ersten Formel-1-Grand-Prix überhaupt. Mit sechs Triumphen ist er dort Rekordsieger. Und das kommende Rennen ist für Schumacher das 300. seiner Karriere.

"Ich hoffe, dann wieder angreifen zu können", gab er die Richtung vor.

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