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Überschattet vom heftigen Unfall nach dem Start wird das Rennergebnis. Jenson Button holt sich im elften Anlauf den ersten Sieg in Spa
Jenson Button feierte in Spa den 14. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere © getty

Der 30-Jährige meldet sich beim Belgien-Grand-Prix eindrucksvoll zurück. Für seinen Rennstall wird die Situation dadurch kompliziert.

Von Felix Götz

München - Als Jenson Button ganz nach oben auf das Podium stieg, war ihm die Erleichterung deutlich anzumerken.(607536DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

"Es war kein einfaches Jahr für mich", sagte der Weltmeister von 2009, der nach seinem Auftaktsieg in Australien eine zehn Rennen andauernde Durststrecke durchstehen musste.

Nun hatte der 30-jährige Pole-Setter den Belgien-Grand-Prix in Spa (Rennbericht) mit einem Start-Ziel-Sieg für sich entschieden - sein zweiter Triumph in dieser Saison.

"Diese Strecke ist für die meisten Fahrer sehr speziell. Hier zu gewinnen ist etwas ganz Besonderes", meinte der Brite, der in seinem 50. Rennen für den Rennstall den siebten Sieg einfuhr.

Sieg nie in Gefahr

Button bot eine vorzügliche Leistung. Unbehelligt vom Crash-Chaos hinter ihm gelang ihm ein guter Start, von da an war sein Sieg nie ernsthaft in Gefahr.

Entsprechend begeistert war Teamchef Martin Whitmarsh.

"Das war einfach fantastisch. Jenson hat tolle Arbeit abgeliefert. Die meiste Zeit ist er lässig um den Kurs gefahren und hat die Reifen geschont", lobte der 54-Jährige seinen Fahrer gegenüber "Sky Sports F1".

"Absolut fehlerfrei" sei die Leistung gewesen: "Er hat uns daran erinnert, was für ein großartiger Rennfahrer er ist."

"Das ist bitter"

McLaren freute sich über Buttons Sieg, irgendwie muss sich das Ergebnis des Ardennen-Rennens für den britischen Rennstall aber auch wie eine Niederlage anfühlen.(DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Der Grund: Lewis Hamilton war einer von vier Piloten, die kurz nach dem Start in Folge eines von Lotus-Fahrer Romain Grosjean verursachten Crashs ausschieden - ein herber Schlag im Kampf um den WM-Titel.

Der 19-malige Grand-Prix-Sieger liegt als Fünfter zwar nach wie vor 47 Zähler hinter dem Führenden Fernando Alonso, aber die ebenfalls vor ihm platzierten Sebastian Vettel, Mark Webber und Kimi Räikkönen holten allesamt wichtige Punkte.

"Das ist bitter", sagte Whitmarsh, der seinen Ärger auf Grosjean kaum verbergen konnte: "Als ich den Unfall sah, habe ich lieber nichts gesagt. Ich wollte die Worte, die ich in dem Moment im Kopf hatte, lieber nicht gedruckt sehen."

Situation nicht einfach

Das Resultat in Spa macht die Situation bei McLaren kompliziert.

Immerhin hatte der Teamchef zuletzt im Zusammenhang mit den Chancen auf den Titel viel über Hamilton, aber wenig über Button geredet.

Er traue Hamilton den Titel noch zu, er sei "mental stärker als je zuvor".

Sogar über eine entsprechende Stallorder in den kommenden Rennen wurde diskutiert.

"Es könnte der Zeitpunkt dafür kommen", hatte Whitmarsh zu "Autosport" gesagt.

Button glaubt an kleine Chance

Nun ist Button zurück, er liegt nur noch 16 Zähler hinter seinem Teamkollegen.

Und er denkt gar nicht daran, seine eigenen Ambitionen hinten anzustellen. "Wenn ich weiterhin um den Sieg kämpfen kann, gibt es eine kleine Chance, Weltmeister zu werden", sagte er und fügte hinzu: "Aber es wird ein langer und schwieriger Weg."(DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

McLaren kann derzeit also kaum einen der beiden Piloten durch eine Stallorder bevorzugen.

Das wiederum führt dazu, dass sich die Fahrer in den verbleibenden acht Rennen womöglich wichtige Punkte wegnehmen.

Auch Whitmarsh gab zu, dass eine fehlende Stallorder McLaren "2007 vielleicht den Titel gekostet" hat.

Hamilton lobt Button

Noch sind öffentlich aber keine größeren Unstimmigkeiten zu bemerken.

Hamilton gratulierte seinem Teamkollegen artig: "Jensons Rennen war überragend. Es sah wie ein Spaziergang aus."

Für Hamilton war es dagegen bereits im Qualifying mit Rang acht nicht gut gelaufen.

Während an Buttons Auto ein neuer Heckflügel verwendet wurde, musste sich der Champion von 2008 mit einem älteren Modell herumärgern.

Hamilton veröffentlicht Telemetriedaten

Hamilton war darüber offenbar ein wenig verärgert. Um sich gegenüber der Öffentlichkeit für sein schwaches Qualifying zu rechtfertigen, veröffentlichte er via "Twitter" die Telemetriedaten seines Teams.

Dabei gelten die teaminternen Daten als eine Art Heiligtum. McLaren forderte Hamilton umgehend dazu auf, die Daten verschwinden zu lassen.

Detailliert dazu äußern wollten sich aber weder McLaren noch Hamilton. Letzterer blickte darauf angesprochen lieber nach vorne.

Schließlich steigt am kommenden Wochenende bereits der Italien-Grand-Prix in Monza.

"Ich hoffe, dass wir bis dahin auch die Pace an meinem Auto verbessern können", meinte Hamilton.

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