Trotz Schumis Aufholjagd: Silber-Krise hält an
Von Tobias Wiltschek
München - Am Ende stand Mercedes nach dem Japan-Grand-Prix ( Bericht) mit leeren Händen da.
Zum zweiten Mal in dieser Saison blieben beide Silberpfeil-Piloten ohne Zähler. Daran änderte auch die famose Aufholjagd von Michael Schumacher nichts (DIASHOW: Die Bilder des Rennens).
Nach Rang 13 im Qualifying und der Rückversetzung um zehn Plätze wegen des von ihm verursachten Unfalls in Singapur musste er aus der letzten Reihe starten.
Von Platz 23 aus war der Altmeister im Laufe der 53 Runden immer weiter nach vorn gefahren, doch bis in die Punkteränge schaffte er es nicht mehr ( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).
Rang zehn knapp verpasst
Ganze 85 Hundertstelsekunden fehlten Schumi schließlich auf den zehnten Platz.
"Ich war deutlich schneller als Daniel Ricciardo. Dennoch war der Speed auf den Geraden nicht ausreichend genug, um zum Überholmanöver anzusetzen", ärgerte sich Schumacher, der erst am Donnerstag zuvor das Ende seiner Karriere nach dieser Saison angekündigt hatte ( BERICHT: Die Stimmen zum Rennen).
Zu Beginn seiner Abschiedstournee blieb dem siebenmaligen Weltmeister hinter dem Toro-Rosso-Piloten nur Platz elf - aber auch eine tröstende Erkenntnis:
"Es war ein interessanter und schöner Kampf."
Ecclestone sorgt sich um Schumi
Dass ihm nach seiner Abschiedsankündigung die nötige Motivation für die letzten sechs Rennen verloren gegangen sei, war ihm nicht anzumerken ( DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis).
Dabei hatte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone genau das befürchtet.
"Gott bewahre, dass einem so großartigen Fahrer wie ihm in den verbleibenden Rennen etwas passiert, weil er sich schon zu sehr auf sein Leben danach freut", wird der 81-Jährige in englischen Medien zitiert.
"Er war toll für die Formel 1. Aber es waren ein paar Unfälle zu viel in letzter Zeit."
Damit legt Ecclestone dem 43-Jährigen den sofortigen Rücktritt nahe: "Michael verdient es, hocherhobenen Hauptes aus der Formel 1 heraus zu gehen. Es ist die richtige Zeit zu gehen."
Japan nimmt Abschied
Zunächst einmal mussten sich aber die zahlreichen japanischen Schumi-Fans von ihrem Idol verabschieden. "Das ist wirklich herzzerreißend und sehr emotional", sagte der 43-Jährige nach seinem letzten Auftritt in Suzuka.
Dass er dort bis in die Schlussphase des Rennens überhaupt die Chance auf einen Punkt hatte, lag auch an der Startkollision im Vorderfeld.
"Da ich von dem ganzen Geschehen sehr weit weg war, habe ich nur eine Staubwolke gesehen", beschrieb Schumacher die Situation, bei der sowohl Fernando Alonso als auch sein Teamkollege Nico Rosberg schon früh ausgefallen sind.
"Ich dachte mir, 'okay, ein paar Kollegen sind damit schon erledigt' und hoffte, dass es dadurch einfacher wäre, in die Punkte zu fahren. Doch selbst aus dieser Position war es noch eine ziemlich große Herausforderung."
Mercedes im Nachteil
Eine Platzierung im Vorderfeld hatten die Silberpfeile aber schon am Samstag verspielt, als zum dritten Mal in dieser Saison keiner der beiden Piloten den letzten Qualifying-Abschnitt erreichte.
Bei den höheren Kurvengeschwindigkeiten, die in Suzuka gefahren werden, sei man trotz einiger Updates nicht gut aufgestellt, kritisierte Schumacher bereits nach der Qualifikation.
Zumindest etwas besser war da schon die Ausgangsposition seines Teamkollegen Rosberg, der von Position 13 aus gestartet war.
"Wieder der Grosjean"
Doch das silberne Pannen-Wochenende sollte sich gleich in der ersten Kurve des Rennens fortsetzen, als der 27-Jährige von Bruno Senna ins Kiesbett geschoben wurde.
Verursacher des Schlamassels war aber ein anderer Fahrer. "Wieder der Grosjean", regte sich Rosberg über den Franzosen auf, der schon mehrmals in dieser Saison Startunfälle verursacht hatte.
"Er hat Webber umgedreht, dann war Stau. Und dann ist mir einer reingerutscht."
Er werde wohl mal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden müssen, so Rosberg. "Schließlich hat er mein Rennen kaputtgemacht und das von vielen anderen auch. Ein Rennen auf diese Art und Weise in der ersten Kurve zu beenden, ist beschissen."
Fünfter Platz in Gefahr
Dabei habe er sich auf der Einführungsrunde noch sehr wohl im Auto gefühlt und sei zuversichtlich gewesen, Punkte sammeln zu können.
Umso ärgerlicher ist dieser Nuller, weil dadurch der fünfte Platz in der Konstrukteurs-Wertung immer mehr in Gefahr gerät.
Durch seinen dritten Platz beim Heim-Grand-Prix verkürzte Sauber-Pilot Kaumi Kobayashi den Rückstand des Schweizer Teams auf Mercedes auf 20 Punkte.