Vettels Big Point gegen den Philosophen Alonso
Von Felix Götz
München - Start-Ziel-Sieg in Suzuka ( Bericht), der Ausfall von Fernando Alonso und nur noch vier Zähler Rückstand auf den WM-Leader:
Sebastian Vettel hat einen Japan-Grand-Prix zum Zungeschnalzen erlebt. (DIASHOW: Die Bilder des Rennens)
"Ich bin unglaublich glücklich. Wir hatten ein perfektes Wochenende. Ich habe jede einzelne Runde genossen", sagte der Weltmeister, der als erster Fahrer in dieser Saison zwei Rennen in Folge gewann.
Vettel dominierte das Geschehen auf dem Suzuka International Racing Course auf eine Art und Weise, die Erinnerungen an das vergangene Jahr wach werden ließ, als er elf von 19 Grands Prix gewann.
Vettel schwärmt von seinem Auto
"Vielen Dank an alle im Team, die sich so sehr ins Zeug legen. Nachts träumt man davon, ein solches Auto zu fahren. Die Balance war fantastisch", schwärmte der Heppenheimer: "Man hatte das Gefühl, in jedem einzelnen Umlauf nochmals einen drauflegen zu können."
Am Ende hatte Vettel über 20 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Felipe Massa im Ferrari. ( DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)
Für den Geschmack von Red-Bull-Teamchef Christian Horner war Vettel sogar schneller unterwegs, als es unbedingt hätte sein müssen. Ein Risiko!
"Dann fährt er schneller und schneller und du weißt genau, was er vorhat. Das geht ganz schön an die Nerven, aber zum Glück hat er es kontrolliert", meinte der Engländer.
Keine Probleme mit den Reifen
Trotzdem war natürlich auch Horner von dem "perfekten Rennen" seines Fahrers begeistert.
Selbst die im Vorfeld geäußerte Sorge, es könnte in Japan größere Probleme mit den Pneus geben, erwies sich zumindest bei den "Bullen" als unbegründet.
"Wir hatten das Rennen zu jeder Zeit unter Kontrolle, obwohl wir viel Respekt vor den Reifen hatten", meinte Vettel.
"Es ist noch ein langer Weg"
Der 25-Jährige hat bei noch fünf ausstehenden Rennen 190 Zähler auf dem Konto. ( DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)
Da sein Bolide zuletzt einen besseren Eindruck als Ferrari machte, könnte man Vettel nun als leichten Favoriten im Kampf um den Titel bezeichnen.
"Es ist noch ein langer Weg", wiegelte der 24-malige Grand-Prix-Sieger ab. Was Alonso passiert ist, könne jederzeit "auch uns" passieren.
Und weiter: "In der WM sieht es jetzt zwar besser aus. Aber es ist noch viel zu früh, um schon wieder darüber zu reden. Wir müssen nun einfach so weitermachen."
Alonso wird philosophisch
Zumal Alonso die Flinte noch lange nicht ins Korn geworfen hat. "Noch stehen fünf großartige Rennen aus", meinte der Spanier, der anschließend einen Ausflug in die Philosophie unternahm:
"Wenn der Feind in den Bergen mit dir rechnet, dann greife über das Meer an. Wenn er mit einem Angriff vom Meer rechnet, dann greife über die Berge an."
Alonso, in dieser Saison bisher eher als Meister des Understatements auffällig, gibt sich also angriffslustig.
Und das, obwohl die Berührung mit Kimi Räikkönen noch vor der ersten Kurve den zweiten Ausfall in den vergangenen vier Rennen bedeutete.
Domenicali ist traurig
"Es tut mit leid für Fernando. Er hatte ein unglückliches Wochenende. Am Samstag fuhr er in der Quali in eine Gelbphase hinein, am Sonntag schlitzte ihm Räikkönen den Reifen auf. Sehr schade, denn Fernando hätte hier ein tolles Rennen fahren können", fasste Stefano Domenicali bei "Sky Sports F1" zusammen.
Der Scuderia-Teamchef ist sich dennoch sicher, dass noch alles offen ist:
"Kopf hoch und hart arbeiten. Wer jetzt lacht, wird vielleicht ein anderes Mal weinen. Wir müssen die Ruhe bewahren."
Kobayashi frenetisch gefeiert
Immerhin bereitete Massa seinem Boss Freude, der erstmals seit dem Südkorea-Grand-Prix 2010 wieder unter den ersten Drei platziert war.
Der Brasilianer zeigte eine ebenso sensationelle Vorstellung wie der drittplatzierte Lokalmatador Kamui Kobayashi.
Der Sauber-Pilot schaffte es erstmals in seiner Karriere auf das Podest und wurde von seinen Landsleuten frenetisch gefeiert.
Räikkönen und Hamilton raus?
Weniger zu lachen hatten die weiteren Titelkandidaten Lewis Hamilton (Fünfter) und Räikkönen (Platz sechs), für die der WM-Zug so allmählich abgefahren zu sein scheint.
Der "Iceman" liegt 37 Punkte hinter Alonso, bei Hamilton sind es sogar 42 Zähler.
Mit Vettels Tempo konnte keiner von beiden mithalten.
Grosjean sorgt für Ärger
Für Ärger sorgte in Suzuka mal wieder Lotus-Fahrer Romain Grosjean, der wie schon so oft in dieser Saison beim Start wie von der Tarantel gestochen unkontrolliert losraste. ( BERICHT: Stimmen zum Japan-GP)
Diesmal war sein Opfer Mark Webber, den er in der ersten Runde abschoss und weshalb schließlich auch Nico Rosberg ausfiel. ( BERICHT: Silbernes Pannenwochenende)
Webber musste anschließend mit einem beschädigten Boliden in die Box und wurde so wohl um ein noch deutlich besseres Ergebnis als Rang neun gebracht.
"Es war komplett sein Fehler", schimpfte Webber und sagte in Anspielung an Grosjeans nach dessen Startcrash beim Großen Preis von Belgien erhaltene Sperre: "Vielleicht braucht er wieder mal einen Urlaub."