Marine-Flaggen auf Autos: Ferrari-Aktion brüskiert Indien
Neu Delhi - Das indische Volk ist pikiert, Bernie Ecclestone ist enttäuscht und die politischen Differenzen werden nur noch schlimmer:
Mit einer bestenfalls ungeschickten Aktion hat Ferrari beim Formel-1-Rennen in Indien für großen Ärger gesorgt.
Die Marine-Flagge auf ihren Boliden als Solidaritätsbekennung für zwei in Indien festgehaltene italienische Soldaten wollte die Scuderia nicht als politische Aussage verstanden wissen - schließlich sind diese auf den Autos auch verboten.
Einer "herausragenden Instanz des Landes Tribut zollen" zu wollen, und das mitten in einer diplomatischen Krise, ist aber letztlich genau das: Eine politische Aussage. Der Aufschrei in Indien war entsprechend groß.
Kritik des Außenministeriums
"Sportereignisse zu missbrauchen, um Anliegen zu vertreten, die nicht sportlicher Natur sind, lässt sich nicht vereinen mit dem Geist des Sports", erklärte das indische Außenministerium.
Die "Times of India" ist zwar der Meinung, dass auch die indische Politik "sich heraushalten" solle, wertete Ferraris Verhalten aber als "geschmacklos und einen Missbrauch der indischen Gastfreundschaft".
Chandhok überprüft Aktion
"Bernie Ecclestone hat uns gebeten, zu überprüfen, dass keine politischen Motive dahinterstehen", erklärte derweil Vicky Chandhok, der Präsident des indischen Motorsportverbandes: "Das tun wir sehr gerne, denn wir dulden keine politische Aussage. Und das weiß Ferrari auch."
Zwei italienische Marinesoldaten hatten am 15. Februar zwei indische Fischer erschossen, weil sie sie versehentlich für Piraten hielten.
Aus dem Gefängnis wurden die beiden nach vier Monaten zwar auf Kaution entlassen, sie dürfen Indien aber nicht verlassen, bevor ihnen wegen Mordes der Prozess gemacht wird. Italien argumentiert, dass der Zwischenfall in internationalen Gewässern geschah und die indische Justiz damit nicht zuständig sei.
Vorhaben geht nach hinten los
"Wir haben großen Respekt vor den indischen Behörden und wollten lediglich einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass durch Gespräche eine Lösung gefunden wird", sagte Ferrarri-Boss Luca di Montezemolo. Sollte dies wirklich die Absicht gewesen sein, so ist das Vorhaben kräftig misslungen.
Ecclestone selbst wich bei ersten Nachfragen aus und verwies darauf, dass die Formel 1 unpolitisch sei. Nachdem das Thema am Freitagabend nach dem Einsatz der beflaggten Autos im Training an Fahrt aufgenommen hatte, kritisierte aber auch er die von ihm als traditionsreichstes Team hoch geschätzte Scuderia.
"Ich kann nicht verstehen, warum sie so etwas machen. Das ist sehr seltsam, und es ist nicht das Verhalten, das man eigentlich von Ferrari erwartet", sagte der Brite der indischen "Economic Times": "Wir sind unpolitisch, deshalb bin ich so überrascht, dass Ferrari so etwas tut."
Domenicali wirkt genervt
Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali wirkte bei Nachfragen vor Ort angespannt und genervt. Er verwies beharrlich darauf, "dass wir keine politische Intension haben".
Der Eindruck, dass er das Unterfangen nicht unterstützt, drängte sich jedoch auf. Offenbar hat er nur eine Idee seines Chefs Luca di Montezemolo umgesetzt.