vergrößern verkleinern
Fernando Alonso wurde 2005 und 2006 bereits Weltmeister © getty

Die Scuderia gibt offen zu, absichtlich das Regelwerk ausgetrickst zu haben. Kritik regt sich bei der Konkurrenz kaum.

Austin - Man merkt, was los ist, wenn selbst Bernie Ecclestone moralische Bedenken anmeldet.

"Nicht ganz sportlich fair" fand der Formel-1-Boss Bernie Ecclestone die Trickserei, mit der Ferrari absichtlich die Startaufstellung zugunsten von Fernando Alonso veränderte.

Am Ende erwies sich der dreiste Schachzug, durch den Ferrari die komplette Startaufstellung praktisch eigenmächtig veränderte, als der entscheidende Faktor. ( 641083 DIASHOW: Bilder des Rennens )

Der mutwillige Siegelbruch am Getriebe von Felipe Massa und der durch dessen Strafversetzung um fünf Plätze ermöglichte Karacho-Start von Fernando Alonso sorgten nämlich dafür, dass der Spanier Weltmeister Sebastian Vettel im letzten Rennen noch die Titelverteidigung vermasseln könnte (EINWURF: Im Reich der Trickser).

Red Bulls Entspanntheit geht dahin

Deshalb sah man die Aktion im Lager von Red Bull nach dem Rennen (Bericht) auch nicht mehr so entspannt wie vor dem Start, als Motorsportchef Helmut Marko noch freudig erklärt hatte, "dass wir sowas nicht nötig haben".

Viele Beobachter waren sich gar sicher, dass das Vettel-Team sogar im Gegenzug dessen Stallrivale Mark Webber hätte "opfern" wollen, wenn denn nur noch genug Zeit gewesen wäre.

Alonso war durch die Rückversetzung Massas nämlich nicht nur um einen Platz von acht auf sieben vorgerückt, sondern vor allem auf die "saubere Seite".

Auf neuen Strecken und offenbar besonders in Texas ein großer Vorteil, wie sich auch bewahrheitete. Webbers Rückversetzung hätte den Vettel-Rivalen wieder auf die "schmutzige Seite" gedrängt. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Ferrari-Boss ist ehrlich

Doch diesen Gegenzug hatte Ferrari in Erwägung gezogen und die Entscheidung erst in letzter Sekunde verkündet.

Obwohl die Idee Teamchef Stefano Domenicali bereits am Abend zuvor gekommen war. Das und alles andere schilderte der Italiener denn auch frei von der Leber weg.

"Es entspricht den Regeln, also würde jeder in unserer Situation genauso handeln", sagte er: "Der Unterschied zwischen der linken und der rechten Seite der Startaufstellung war einfach zu eklatant, und für uns war es die einzige Chance gewesen, die Titelentscheidung zu vertagen."

"Andere würden lügen"

Zudem sei ihm sofort klar gewesen, "dass wir offen damit umgehen wollen. Wir hätten ein Problem konstruieren können, aber das wäre nicht richtig gewesen. Andere Teamchefs würden wahrscheinlich lügen, aber das ist nicht meine Art."

Alonso, dem das Team mal wieder alle Unterstützung gab, zeigte auch keine Spur von Verschämtheit über das kreative Spiel mit den Regeln.

Im Gegenteil: "Ich bin sehr stolz auf die Entscheidung und sehr stolz, dass das Team die Wahrheit dazu sagt."

Geopferter Massa freut sich mit

Und auch der "geopferte" Massa, der von Startplatz elf noch auf Rang vier vorfuhr, ließ sich zumindest keinen Unmut anmerken. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

"Am Anfang bin ich nicht gerade vor Freude in die Luft gesprungen, und ich denke, dass nicht viele Fahrer ähnlich gehandelt hätten", sagte der Brasilianer - und dachte wohl auch an Webber, der das Spiel wahrscheinlich nicht mitgemacht hätte:

"Aber nun ist das Ergebnis für mich wie ein Sieg, und es hat sich ja gezeigt, dass wir alles richtig gemacht haben."

Vettel: "Nicht unsere Sache"

Einen Aufschrei der Empörung sparte sich Alonsos Konkurrenz. (DATENCENTER: WM-Stand Teams)

"Nicht unsere Sache", befand Vettel und wollte nicht mehr dazu sagen. Red-Bull-Teamchef Christian Horner meinte schulterzuckend: "Es bewegt sich innerhalb der Regeln."

Ein Verweis auf den Sportsgeist, der oberhalb dieser Regeln steht, kam nicht, was "BBC"-Experte und Ex-Rennstallboss Eddie Jordan weder wunderte noch störte.

"Hier gibt es keine Heiligen"

"Hier gibt es keine Heiligen", stellt er fest: "Ich hätte als Teamchef genauso gehandelt." (SERVICE: So holt Vettel den Titel)

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh lenkte dagegen den Blick auf das größere Ganze: "Das Schlimme an dieser Geschichte war, dass Unbeteiligte auf die schmutzige Seite gerutscht sind."

Kollege Domenicali ist auch bei dem Thema ganz ehrlich: "Das hat für uns keine Rolle gespielt."

Für Whitmarsh letztlich auch nicht: Er wäre zwar "ganz schön genervt" gewesen, hätte es seine Fahrer beeinflusst. Aber: "Uns hat es zum Glück nicht betroffen."

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel