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Sebastian Vettel (l.) gewann schon 2010 und 2011 die Weltmeisterschaft mit Red Bull © imago

Der erste Matchball ist vergeben, aber beim Saisonfinale hält der Doppel-Champion die Trümpfe - aber nur unter einer Bedingung.

Von Martin Hoffmann

München - Es bleibt kaum Zeit zum Durchatmen nach dem vergebenen Matchball in Texas.

Schon am Dienstag, zwei Tage nach seinem zweiten Platz beim Grand Prix in Austin (Bericht), fliegt Sebastian Vettel nach Sao Paulo (641083DIASHOW: Die Bilder des Austin-GP).

Und schon am Sonntag steht beim letzten Saisonrennen auf dem Autodromo Interlagos in Brasilien das Saisonfinale an.

Das deutsche Aushängeschild der Formel 1 will sich dort zum jüngsten Dreimal-Weltmeister der Geschichte krönen - was bekanntlich nur noch einer verhindern kann.

Vom kriegerischen Twitter-Bild bis zur umstrittenen Startaufstellungs-List mit Felipe Massas Getriebe (Bericht): Ferrari-Rivale Fernando Alonso schöpft im Endspurt alle Mittel aus (EINWURF: Im Reich der Trickser).

Aber wird er Vettel den Titel noch streitig machen können? SPORT1 blickt auf die fünf Schlüsselfaktoren vor dem Königsklassen-Finale.

Der Vorsprung:

Die Ausgangslage spricht logischerweise für den WM-Führenden Vettel. Er hat 13 Punkte Vorsprung und zwei Rennen mehr gewonnen, so dass er auch bei Punktegleichstand Weltmeister wäre.

Kommt er vor Alonso ins Ziel, ist ihm der Titel sicher, ebenso, wenn der Spanier nicht aufs Podium fährt.

Schafft er das und platziert sich vor Vettel, geht die Rechnerei los: Vettel müsste Vierter werden, wenn Alonso siegt, Siebter, wenn er auf Rang zwei landet, Neunter bei einem dritten Platz des Rivalen.

Das Auto:

"Ich behaupte, dass Red Bull dort um einen Tick schneller sein wird als alle anderen." So lautet die Einschätzung von Formel-1-Legende Niki Lauda.

Sie dürfte stimmen, aber Schnelligkeit ist die eine Sache, Zuverlässigkeit die andere.

Und hier hat Red Bull ein Problem, das Mark Webbers Ausfall in Austin wieder schmerzhaft ins Gedächtnis rief: die ominöse Lichtmaschine, die in Texas zum dritten Mal in einem Rennen ihren Dienst verweigerte.

Chefdesigner Adrian Newey spricht von einer "tickenden Zeitbombe", die Red Bull, Lieferant Renault und Hersteller Magneti Marelli unter hohem Zeitdruck entschärfen müssten.

Die Strecke:

Bislang kam Vettel mit dem Kurs in Interlagos besser zurecht als Alonso, der den Brasilien-Grand-Prix noch nie gewinnen konnte.

Vettel dagegen triumphierte 2010 und verwies Alonso in dessen erstem Ferrari-Jahr auf Platz drei, was den Wendepunkt im Titelkampf darstellte.

Auch in vergangenen Saison hängte "Super Seb" den viertplatzierten Spanier ab und wurde Zweiter.

Die Nerven:

Wenn die Red-Bull-Technik nicht versagt, muss Alonso hoffen, dass Vettels Nerven versagen - mit Samurai-Sprüchen via Twitter ist folglich auch diese Woche wieder zu rechnen.

Ob es viel bringt, ist die Frage: In den Weltmeister-Jahren war es gerade Vettels Qualität, dass er in den entscheidenden Rennen aussetzerfrei blieb.

Das Wetter:

Über 80 Prozent Luftfeuchtigkeit wird für den Renntag vorausgesagt, mit Regenkapriolen ist also zu rechnen.

Vettel ist bei Regen-Rennen nicht über jeden Zweifel erhaben: 2011 in Kanada verschenkte er durch einen Fahrfehler in der letzten Runde den Sieg an Jenson Button.

In Malaysia ging ihm in diesem Jahr beim Überrunden der Reifen kaputt, auch wenn das nach seiner Lesart die Schuld von "Gurke" Narain Karthikeyan war. Es siegte: Fernando Alonso.

Auf der anderen Seite hat Vettel auch seine Erfolge bei Regen: Man denke an Schanghai 2011 oder auch seinen Sensations-Triumph im Chaos von Monza zu Toro-Rosso-Zeiten 2008.

SPORT1-Fazit:

Vettel hat im letzten Rennen die Trümpfe in der Hand. Und er wird sie ausspielen - sofern Abbey ihm nicht das Licht ausknipst.

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