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SEBASTIAN VETTEL UND MARK WEBBER (RED BULL): Fünf Jahre fahren der Deutsche und der Australier in einem Team. Gute Kollegen waren sie aber nie. Vettel boykottiert sogar die Abschiedsparty seines Stallgefährten, am Ende der vergangenen Saison
Sebastian Vettel (l.) fährt seit 2009 gemeinsam mit Mark Webber für Red Bull © imago

Der dreimalige Weltmeister wird nach dem Sieg zum Verlierer. Für seine Fahrweise gegen den Teamkollegen Webber hagelt es Kritik.

Von Lars Becker

München/Sepang - Die Entschuldigung von Sieger Sebastian Vettel kam spät. Zu spät.

"Ich habe einen Fehler gemacht und habe es versaut", sagte der dreimalige Weltmeister. Und fügte hinzu: "Ich bin jetzt das schwarze Schaf."

In einem gnadenlosen Duell in der Hitze beim Großen Preis von Malaysia hatte er zuvor seinen Teamkollegen Mark Webber auf Platz zwei gezwungen.

Es war Vettels erster Sieg in diesem Jahr und der 27. seiner Karriere. (Bericht)

Allerdings wohl auch der, auf den er am wenigsten stolz sein kann. Das sagte schon seine Körpersprache bei der Siegerehrung. Kaum ein Lächeln war zu sehen, die Abneigung des neben ihm stehenden Webber war greifbar.

Webber nimmt Entschuldigung nicht an

"Ich hätte meinen Platz im Rennen halten sollen", sagte Vettel danach kleinlaut. Webber nahm die Entschuldigung jedoch nicht an.

Er hatte locker in Führung gelegen und führte den Auftrag seines Teams aus, mit Blick auf die nächsten Rennen den Motor zu schonen. In Runde 46 attackierte Vettel jedoch entgegen aller Absprachen und zog hart am Rande eines Crashs am Teamkollegen vorbei.

"Das war dumm, Seb", wütete sogar Teamchef Christian Horner via Boxenfunk.

Becker stärkt Vettel

Webber würdigte den Deutschen auf dem Weg zum Siegerpodest keines Blicks. Bilder beweisen, dass der 36-Jährige seinem Teamkollegen bereits während des Rennens den Stinkefinger gezeigt hatte. ( 692661 DIASHOW: Die Bilder des Rennens ).

"Letztendlich hat Seb heute wieder seine eigenen Entscheidungen getroffen und dafür wie üblich Unterstützung erhalten. So läuft es halt", sagte der Australier.

Zustimmung erhielt Vettel derweil von Tennis-Legende Boris Becker via "Twitter": "Vettel hat getan, was ein dreimaliger Champion tun muss ... die Sache selbst in die Hand nehmen."

Gnadenlos wie Schumacher

Diesmal könnte Vettel aber einen Schritt zu weit gegangen sein. Denn selbst in seinem ihm sonst so gewogenem Red-Bull-Team waren die Sympathien klar bei Webber.

Nicht nur, weil die Fahrweise von Vettel immer mehr an Michael Schumacher zu seinen gnadenlosesten Zeiten erinnert.

Auch, weil beim netten Jungen von nebenan neuerdings ein Hauch Arroganz zu spüren ist. "Mark ist zu langsam, schafft ihn mir aus dem Weg", hatte Vettel schon lange vor dem Überholmanöver an die Box gefunkt.

Interne Aussprache angekündigt

Es gibt also jede Menge Diskussionsbedarf in der teaminternen Aussprache, die Christian Horner schon angekündigt hat.

Mit wenig Aussicht auf Erfolg, wie selbst der Teamchef glaubt: "Die beiden werden sicher nicht mehr gemeinsam Weihnachten feiern und sich auch in Zukunft bekämpfen."

Wenigstens will Red Bull jedoch die Wiederholung des Türkei-Crashs vom Mai 2010 verhindern, als sich die beiden gegenseitig von der Strecke geschossen hatten.

In der Hitze von Sepang schrammten die beiden hauchdünn an einem neuerlichen Unfall vorbei - was auch die Experten ganz eindeutig als Vettels Schuld ansahen.

"War ein schwerer Fehler"

"So geht man nicht mit einem Gegner um, geschweige denn einem Teamkollegen", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot Marc Surer bei "Sky".

Noch deutlicher wurde Ex-Weltmeister Niki Lauda bei "RTL": "Er hat mit aller Gewalt gewinnen wollen - gegen die Logik des Teams. Das war ein schwerer Fehler."

Bei seinem eigenen Mercedes-Team, wo Lauda neuerdings Aufsichtsratschef ist, lief es genau anders herum (Bericht). Der deutlich schnellere Nico Rosberg hielt brav seine Position hinter dem drittplatzierten Lewis Hamilton. (DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Hülkenberg erstmals im Ziel

Als dritter Deutscher fuhr Nico Hülkenberg als Achter direkt hinter Melbourne-Sieger Kimi Räikkönen in die Punkte. Für "Hülk" war es das erste Rennen im Sauber, nachdem er zum Auftakt in Australien wegen Sicherheitsproblemen zuschauen musste.

Der dort noch überragende Adrian Sutil schied mit seinem Force-India in Malaysia vorzeitig aus.

Alonso-Aus im 200. Grand Prix

Genau das gleiche Schicksal ereilte übrigens WM-Mitfavorit Fernando Alonso. Er verlor schon in Runde zwei seinen Frontflügel und musste im Kies notbremsen.

"Wir hätten gewinnen können", ärgerte sich Alonso.

Schuld am Aus im 200. Grand Prix der Karriere war übrigens eine Kollision mit dem vor ihm fahrenden Vettel.

Zumindest daran hatte der Sieger freilich keinerlei Schuld.

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