In seiner Kolumne äußert sich Hans-Joachim Stuck zu den Teamduellen bei Red Bull und Mercedes. Um Hamilton macht er sich Sorgen.

Hallo Formel-1-Fans,

der gnadenlose Fight zwischen Sebastian Vettel und Mark Webber um den Sieg war der Aufreger des Rennens in Malaysia. Ich kann dazu nur sagen, dass Herr Vettel dieses Thema mit sich selbst und seinem Teamkollegen ausmachen muss. Die Spannungen zwischen den beiden sind ja bekannt.

Fakt ist, dass sie das Rennen voll in der Hand hatten und keine Konkurrenz fürchten mussten. Für mich ist das ein Kasperltheater.

Was sich bei Mercedes abgespielt hat, ist in meinen Augen unverständlich. Wie man einem Nico Rosberg nicht erlauben kann, an Lewis Hamilton vorbeizufahren, kann ich nicht nachvollziehen. Es besteht nicht der geringste Bedarf für eine Teamorder und dafür, ihn künstlich einzubremsen. Das ist das gleiche Kasperltheater wie bei Red Bull. Bei denen waren es die Fahrer, bei Mercedes war es das Team.

[image id="e3a6b52d-63de-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Es war das zweite Rennen der Saison. Da geht es noch nicht um entscheidende WM-Punkte. Nico muss man in höchsten Tönen loben, dass er sich dieser Teamorder untergeordnet hat. Ich glaube, das hätten wenige im Feld gemacht.

Wenn Hamilton zum Beispiel mit Daniel Ricciardo in einem Team wäre, gäbe es eine klare Nummer eins und eine klare Nummer zwei. Aber die beiden fahren auf absolut gleichem Niveau. Dass einer so eingebremst wird, dass er in manchen Ecken sogar fast stehen bleiben muss, macht überhaupt keinen Sinn.

Bei Mercedes wird das sicherlich nicht zur Teambildung beitragen. Wir wissen, dass Hamilton und Rosberg miteinander sehr gut umgehen können. Aber im Team würde ich meinen Standpunkt schon klar machen. Verarschen lassen braucht er sich nicht.

Dass Hamilton bei seinem ersten Reifenwechsel die Box seines ehemaligen Rennstalls McLaren angesteuert hat, wird noch für viel Spaß sorgen. Eine bessere Slapstick-Pannenshow gibt es gar nicht. Da sieht man einmal, was Gewohnheit ausmacht. Ich hoffe nur nicht, dass er beim nächsten Mal in London statt zu seiner Nicole zu seiner alten Freundin geht.

Die nächste Slapstick-Show bot Force India. Offensichtlich hat da etwas mit dem Schlagschrauber und der Radmutter nicht funktioniert. Dass das heute noch passieren kann, ist gar nicht zu beschreiben. Besonders bedauerlich aus deutscher Sicht ist es natürlich für Adrian Sutil. Das war nach dem tollen Erfolg in Australien schon wieder die kalte Dusche für ihn.

Auch Fernando Alonso erlebte kein lustiges Rennen. Beim Start hätte er beinahe den Vettel abgeschossen. Die Strafe folgte mit seinem Ausfall auf den Fuß. Höchst riskant war die Aktion, mit dem heruntergebogenen Frontflügel weiterzufahren. Daraufhin konnte er das Auto kaum noch steuern und bremsen.

Von Ferrari grenzt das an Verantwortungslosigkeit, ihn weiter fahren zu lassen. Denn er hätte damit auch leicht einen Unbeteiligten rausreißen können. Ich könnte mir vorstellen, dass das noch ein Nachspiel hat. Ein Auto, das einen so großen Schaden an der Vorderachse hat, hätten eigentlich auch die Stewards sofort aus dem Verkehr ziehen müssen.

Bis zum China-Grand-Prix in drei Wochen,Euer Hans-Joachim Stuck

Hans-Joachim Stuck ist einer der erfolgreichsten und populärsten deutschen Rennfahrer. In seiner aktiven Karriere bestritt er 74 Formel-1-Rennen und fuhr in der Königsklasse zwei Mal auf das Podium. Außerdem gewann er zwei Mal die 24 Stunden von Le Mans, drei Mal die 24 Stunden auf dem Nürburgring, wurde Langstrecken-Weltmeister und DTM-Sieger. Seit dieser Saison schreibt er wöchentlich eine Formel-1-Kolumne bei SPORT1.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel