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Lewis Hamilton begann seine Formel-1-Karriere 2007 bei McLaren © imago

Erst hält Hamilton in Malaysia an der falschen Box, dann beschert ihm eine Stallorder Rang drei. Lauda kritisiert deshalb Brawn.

Von Felix Götz

München/Sepang - Die McLaren-Crew schaute verdutzt, Sängerin Nicole Scherzinger musste lachen.

Ihrem Freund Lewis Hamilton war beim Großen Preis von Malaysia (Highlights ab 17.15 Uhr im ) ein denkwürdiges Missgeschick unterlaufen.

Der Mercedes-Pilot hatte seinen Boliden beim Boxenstopp doch tatsächlich vor der Garage seines Ex-Teams geparkt (Bericht).

"Ich weiß nicht genau, warum mir das passiert ist. Wahrscheinlich war es die Macht der Gewohnheit. Entschuldigung an mein Team", sagte Hamilton.

Immerhin ist der 28-Jährige nicht der erste Fahrer, dem das passiert. 2011 stoppte Jenson Button im McLaren beim China-Grand-Prix an der Red-Bull-Box.

"Ein toller Teamkollege"

Hamilton nahm diesen Fauxpas vergleichsweise locker. Dafür plagte den Engländer aber das Gefühl, seinen guten dritten Platz hinter dem Red-Bull-Duo Sebastian Vettel und Mark Webber und vor Nico Rosberg nicht verdient zu haben.(DATENCENTER: Das Renn-Ergebnis)

Der Grund: Sein Teamkollege war deutlich schneller unterwegs. Er musste auf Anweisung von Teamchef Ross Brawn allerdings hinter Hamilton bleiben, der um Sprit zu sparen langsamer fahren musste.

"Eigentlich müsste Nico an meiner Stelle stehen, denn er hatte das bessere Tempo. Er ist wirklich ein toller Teamkollege. Ich kann nicht sagen, dass ich mit dem besten Gefühl hier stehe", erklärte der Weltmeister von 2008, der auf dem Podest ein entsprechendes Gesicht machte.

Lauda kritisiert Brawn

Rosberg bewies grandiose Teamplayer-Fähigkeiten, die gerade in der "Königsklasse" nicht allzu oft zu bestaunen sind.

"Das hätte ich nicht gemacht - und sein Vater Keke sicher auch nicht", meinte der frühere Formel-1-Fahrer Marc Surer bei "Sky".

Der Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams, Niki Lauda, kritisierte Brawn für die Stallorder.

"Ich denke, dass es aus sportlicher Sicht falsch war", sagte der Österreicher bei "RTL": "Die sind allein gefahren, von hinten kam niemand. Ich hätte sie fahren lassen, wie sie es wollen - aber natürlich mit Hirn. In dem Fall wäre Nico natürlich Dritter geworden."

Brawn rechtfertigt sich

Womöglich wäre für Rosberg, der teilweise schneller als Vettel und Webber unterwegs war, sogar noch mehr drin gewesen. (692661DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Brawn rechtfertigte seine Entscheidung damit, dass "wir mit dem Sprit knapp dran waren, da unser Tempo im Rennen deutlich höher war als vorausberechnet. Wir wollten dann sicherstellen, dass wir es nicht übertreiben".

Außerdem versprach er, dass Rosberg in einem ähnlichen Fall gleich behandelt werden würde: "Die Fahrer wissen, dass so etwas in beide Richtungen funktioniert. Wir haben diese Dinge besprochen."

Rosberg erinnerte seine Teamchef noch im Cockpit sitzend via Funk an sein Versprechen: "Ich möchte, dass sich alle daran erinnern. Ich habe Fairplay gespielt und will, dass man sich das merkt."

Wolff hat Verständnis

Toto Wolff zeigte im Gegensatz zu Lauda Verständnis für Brawns Handeln. "Wenn beide Autos stranden, dann sieht es ganz schlecht aus. Das wollte Ross um jeden Preis vermeiden. Deswegen muss man das entschuldigen", gab der Mercedes-Motorsportchef zu Protokoll.

Der Leidtragende selbst räumte zwar ein, dass es für ihn schwierig zu verdauen sei. Irgendwie konnte aber auch Rosberg die Entscheidung nachvollziehen.

Schließlich hat der schwäbische Rennstall eine desaströse Saison hinter sich. Da ist es verständlich, dass ein gutes Ergebnis nicht durch zu viel Risiko verschenkt werden sollte.

"Das ist okay so. In ein paar Stunden wird das Gefühl positiv sein", sagte Rosberg und schluckte seinen Ärger runter.

Ein erfreulicher Saisonstart

Unter dem Strich war es für Mercedes nämlich ein erfreulicher Saisonstart. Die "Silberpfeile" sind offenbar in der Lage, mit den Topteams mitzuhalten.

37 Punkte hat der Rennstall nach den ersten beiden Rennen auf dem Konto. Zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres war es nur ein einziger.

"Nach den zuletzt schwierigen Jahren sind wir in Schlagdistanz zur Spitze. So freue ich mich auf das Rennen in China", sagte Rosberg.

Gute Erinnerungen an China

An den Shanghai International Circuit hat er schließlich beste Erinnerungen.

2012 feierte der frühere Williams-Fahrer dort seinen bisher einzigen Grand-Prix-Sieg.

Sollte Rosberg erneut so ein Coup gelingen, wäre die Stallorder von Sepang definitiv vergessen.

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