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Michael Schumacher (l.) feierte in der Formel 1 91 Grand-Prix-Siege © getty

Nach Vettels Auftritt in Malaysia erkennen viele Beobachter immer mehr Ähnlichkeit zu Schumi. SPORT1 macht den Check.

Von Felix Götz

München - Es war 1994 auf der Kerpener Kartbahn:

Der damals siebenjährige Sebastian Vettel bekam nach einem Rennen von Michael Schumacher den Pokal des Siegers überreicht.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt bezeichnete der Heppenheimer den Rekord-Weltmeister als sein "Idol".

Dieses Vorbild fiel in der Folgezeit in der "Königsklasse" immer wieder durch seine Rücksichtslosigkeit auf.

Und seit dem Großen Preis von Malaysia am Wochenende, als Vettel entgegen der Anweisung seines Red-Bull-Rennstalls seinen Teamkollegen Mark Webber eiskalt den Sieg klaute, sehen einige Betrachter immer mehr Ähnlichkeiten im Verhalten der beiden Fahrer auf der Strecke.(692661DIASHOW: Die Bilder des Rennens)

Wie viel Schumi steckt also in Vettel. SPORT1 macht den Check.

Freundschaft

Fakt ist: Schumacher und Vettel mögen sich. Beide haben eigentlich nie ein kritisches Wort übereinander verloren, sondern sehr oft in höchstem Respekt voneinander gesprochen.

"Sebastian wird der Mister Formel 1 in Deutschland", sagte Schumacher in der vergangenen Saison über seinen "Erben".

Zudem gewannen beide zusammen bereits sechs Mal die Nationenwertung beim Race of Champions.

Fahrstil

Der Fahrstil beider ähnelt sich in ihrer Aggressivität immer mehr - meinen viele. Bei genauerer Betrachtung ist Vettel auf der Strecke im Vergleich zu Schumacher zumindest bisher aber eher brav.

Das Überholmanöver auf dem Sepang International Circuit gegen Webber war eigentlich die erste richtig knallharte Aktion des Heppenheimers in der Formel 1. (STUCK-KOLUMNE: Kasperl-Theater bei Red Bull)

2010 beim Türkei-Grand-Prix, als er nach einer Attacke auf seinen Teamkollegen ausschied, ist damit nicht zu vergleichen.

Vettels Killerinstinkt beim diesjährigen Rennen vor den Toren Kuala Lumpurs kann mit seinem Vorbild in dessen Hochzeit aber gut mithalten. Wobei das Sündenregister des heute 44-Jährigen unvergleichbar länger ist.

Nur zwei Beispiele: 1994 schoss Schumi beim Finale in Adelaide seinen Konkurrenten Damon Hill ab und holte dadurch den Titel. 2001 am Nürburgring drängte er nach dem Start beinahe seinen Bruder Ralf in eine Mauer. Nur weil der zurückzog, kam es nicht zur Kollision.

Charakter/Ehrgeiz

"Nette Fahrer werden nicht Weltmeister", sagte der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer nach dem Rennen in Sepang bei "Sky". (KOMMENTAR: Nicht weltmeisterlich)

Und Tennis-Legende Boris Becker twitterte: "Vettel hat getan, was ein dreimaliger Champion tun muss ... die Sache selbst in die Hand nehmen."

Vettel selbst hat immer wieder betont, dass man auf der Strecke "ein Drecksack" sein müsse.

Sein unbändiger Ehrgeiz erinnert eindeutig an Schumi, der ebenfalls bereit war, fast alles für den Sieg zu tun.

Zumindest die Erfolge geben den beiden Recht: Schumacher ist mit sieben Titeln Rekord-Weltmeister, Vettel krönte sich 2010, 2011 und 2012 drei Mal in Serie zum Formel-1-König.

Ärger mit Kollegen

Dass Vettel und Webber nicht miteinander können, ist hinlänglich bekannt. Beide Fahrer zeigen das. In Malaysia zeigte Webber seinem Teamkollegen den Stinkefinger, 2010 bekam der Australier von Vettel den Vogel gezeigt.

Da Vettel riesigen Erfolg hat, ist ihm die Rückendeckung der "Bullen" sicher, Webber hat sich schon mehrfach über Benachteiligungen beschwert. "Am Ende hat Seb wieder seine eigene Entscheidung getroffen, wie immer wird er vom Team beschützt werden", meinte er nach dem Sepang-Rennen.

Ähnlich wie früher Schumacher scheinen Vettel seine Kollegen - trotz der Entschuldigung in Sepang - ziemlich wurscht zu sein.

In Kimi Räikkönen hat er zwar einen Freund, insgesamt ist er im Fahrerlager allerdings nicht sonderlich beliebt.

Noch schlimmer war es bei Schumacher, der sich durch zahlreiche Aktionen, die an der Grenze oder darüber hinaus waren, Feinde schuf.

Keke Rosberg wetterte 2006 nach einem besonders schweren Fall, der Monaco-Quali, als Schumacher kurz vor Schluss wohl absichtlich eine Gelbe-Flagge-Phase auslöste und die nachfolgenden Konkurrenten somit bei der Hatz nach der Bestzeit behinderte:

"Michael hat unseren Sport heute mit Füßen getreten. Er soll sich schämen, dieser Drecksack."

SPORT1-FAZIT: Dass Vettel auf der Strecke längst nicht so eiskalt wie Schumacher ist, zeigen schon allein die bisher wenigen negativen Vorkommnisse. Womöglich hat der Red-Bull-Fahrer in Malysia übertrieben, und sicher heiligen nicht alle Mittel den Zweck.

Egal wie wichtig den Teams eine Einhaltung der Stallregie ist. In einer Einzelsportart - und das ist die Formel 1 letztendlich - ist ein gewisser Killerinstinkt und eine Eigensinnigkeit unabdingbar.

Nico Rosberg hielt sich in Sepang an die Ansagen von Mercedes und wurde Vierter - ein vorbildliches Teamverhalten.

Aber wird man so Weltmeister? Die Bilanz der beiden Fahrer spricht für sich.

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