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Sebastian Vettel beendete das Training als Zehnter, Mark Webber auf Platz fünf © getty

Im Training zum China-GP fährt Red Bull hinterher. Der Stallorder-Zoff von Malaysia wirkt beinach. Die Konkurrenz übt Kritik.

Von Marc Ellerich

München - Zum Aufreger-Thema der vergangenen Wochen ließ sich Sebastian Vettel nach dem Training zum China-Grand-Prix (Highlights 14 Uhr und 19.15 Uhr im TV auf SPORT1, Qualifying, Sa. ab 7.45 Uhr im LIVE-TICKER) nur wenige dürre Sätze entlocken. (DATENCENTER: Das Ergebnis)

Befragt, wie denn die Stimmung in der Box seines Red-Bull-Rennstalls sei, antwortete der Weltmeister: "So wie immer. Es passt alles. Ich glaube, der Unterschied liegt mehr außerhalb der Box."

Das war natürlich glatt gelogen. Die Stimmung zwischen Vettel und Teamkollege Mark Webber, die beim vorigen Rennen in Malaysia nach einer umstrittenen Red-Bull-Stallorder heftig aneinander geraten waren, könnte wohl kaum schlechter sein.

Vettels harte Worte

Die beiden Piloten ignorierten sich auf dem Shanghai International Circuit weitestgehend, Webber nannte das Verhältnis zu Vettel "aufgeladen".

Tags zuvor hatte der jüngste Dreifach -Weltmeister seinem australischen Nebenmann heftige Vorwürfe gemacht und bekräftigt, er würde stets wieder so handeln wie in Sepang. (Bericht: Keine Reue! Vettel attackiert Webber)

Webber habe den Sieg wegen seiner fehlenden Bereitschaft zur Unterstützung schlicht nicht verdient.

"Ich habe den Funkspruch nicht verstanden", hatte Vettel gesagt: "Hätte ich ihn verstanden, hätte ich darüber nachgedacht, die Position zu halten. Aber ich hätte wohl wieder so gehandelt, weil Mark es wegen Vorkommnissen in der Vergangenheit nicht verdient hat, dass ich als Zweiter durch das Ziel fahre."

Horner besorgt

Da dürfte nicht mehr viel zu kitten sein. Beobachter beschrieben den Umgang des verfeindeten Duos als eiskalt.

Und die Trainingsleistungen der "Roten Bullen" dürften nicht dazu beitragen, dass sich die Laune im Weltmeister-Team so schnell bessert. (Bericht)

Mit sorgenvollem Blick beobachtete Teamchef Christian Horner, wie Vettel den Trainingstag lediglich als Zehnter abschloss. Webber wurde Fünfter.

Massa Schnellster

Das Tempo gaben an diesem Freitag andere vor, nämlich die Fahrer-Gespanne von Ferrari und Mercedes sowie der finnische "Iceman" Kimi Räikkönen im Lotus.

Der Brasilianer Felipe Massa setzte in 1:35,340 Minuten die Bestzeit, dahinter folgten Räikkönen und Ferrari Teamkollege Fernando Alonso.

Vettel fehlten letztlich fast eineinhalb Sekunden auf Massa.

"Ich bin nicht zufrieden. Es lief nicht ganz rund", kommentierte der Heppenheimer diesen sehr verhaltenen Start ins Wochenende: "Wir müssen uns steigern."

Vettel zuversichtlich

Vettel identifizierte anschließend die Pirelli-Pneus als Problemzone am RB9: "Die Reifen scheinen sich hier ein bisschen schwer zu tun", analysierte er, "gerade die weichen. Jetzt müssen wir sehen, woran genau das liegt."

Allzu große Sorgen macht sich der beste deutsche Pilot aber offenbar nicht - zumindest noch nicht. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das bis morgen in den Griff kriegen", sagte er: "Dann kommt noch mal ein ordentlicher Schritt."

Schneller Reifenverschleiß

Wieder einmal dürfte also das komplexe Reifen-Thema das Geschehen im Qualifying und im dritten Grand Prix der Saison bestimmen.

Denn nicht nur Vettel war der schnelle Verschleiß, besonders der weichen schwarzen Walzen aufgefallen. "So habe ich die Reifen noch nie erlebt", staunte Hamilton nach den zwei Mal 90 Minuten auf dem 5,4 Kilometer langen Kurs.

Die Abnutzung der weichen Pirellis sei besonders stark gewesen, bemerkte Vorjahressieger Nico Rosberg, der im ersten Training die schnellste Rundenzeit gefahren war.

Die Aussagen der Beteiligten legen eine einheitliche Taktik der Teams für Qualifying und Rennen nahe: Eine schnelle Runde auf den weichen Pirellis in der Qualifikation und im Grand Prix dann einen möglichste raschen Wechsel auf die härtere Reifenmischung.

Kritik von Button und Alonso

Das Weltmeister-Team Red Bull freilich hat eine weitere Baustelle zu beackern: Den Zwist ihres Piloten-Duos infolge der missratenen Stallorder von Malaysia.

Da ist die Konkurrenz, die in China über den öffentlich ausgetragenen Bullen-Zoff staunte.

McLaren-Jenson Button kritisierte Vettels Verhalten. "Wir wollen alle gewinnen, aber wenn man den Befehl bekommt, die Position zu halten, und man vor dem Rennen weiß, dass das die Regel ist, dann muss man eben vor dem Rennen den Mund aufmachen und nicht erst im Rennen das Gegenteil tun."

WM-Widersacher Alonso sah es ählich: "Am Ende wirst du von deinem Team bezahlt und musst machen, was sie dir sagen. Jeder im Team hat eine Position, die muss er respektieren."

Horner verteidigt sich

Auch teamintern wirkt der Streit nach. Teamchef Horner sah sich in Schanghai veranlasst, seine Autorität zu verteidigen.

"Ist meine Führungsrolle unterminiert", fragte Horner und gab umgehend selbst die Antwort: "Ich denke nicht."

Vettel kenne seine Rolle im Team, bekräftigete Horner: "Er weiß wofür und warum wir ihn beschäftigen. Ich gehe nicht einen Moment davon aus, dass Sebastian glaubt, er leitet das Team."

"Fahrer sollen unseren Anweisungen folgen"

Beim Thema Stallorder wollte sich Horner nicht geschlagen geben. Red Bulls Motorsport-Beauftragter Helmut Marko hatte die Teamorder nach den Vorfällen in Sepang für die Zukunft ausgeschlossen.

In Schanghai meinte Horner: "Es kommt drauf an, was man unter Stallorder versteht. Die Fahrer sollen unseren Anweisungen folgen."

Ab sofort werde Red Bull seinen Piloten "Informationen" geben, berichtete Horner: "Sie werden die Information haben, und sie werden dann wissen, was sie damit anzufangen haben."

Das Thema, so sieht es aus, wird die Bullen über den China-GP hinaus begleiten.

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