vergrößernverkleinern
Nico Rosberg gewann 2012 beim Grand Prix in Schanghai sein erstes Formel-1-Rennen © imago

Vor dem China-GP herrscht bei den Silberpfeilen Uneinigkeit. Lauda und Wolff haben unterschiedliche Ansichten. Rosberg träumt.

Schanghai - Das Thema Stallorder spaltet die Mercedes-Bosse Niki Lauda und Toto Wolff: Während sich Motorsportchef Wolff zum Wohl des Teams dafür ausgesprochen hat, den Fahrern klare Handlungsanweisungen zu geben, hält Lauda dagegen.

"Es gibt bei uns keine Teamorder im wahrsten Sinne des Wortes", sagte der Aufsichtsratschef der Silberpfeile vor dem Großen Preis von China am Sonntag bei "RTL" (Highlights 14 Uhr und 19.15 Uhr im TV auf SPORT1, Qualifying, Sa. ab 7.45 Uhr im LIVE-TICKER):

"Außer im letzten Rennen, wenn es darum gehen soll, dass ein Dritter uns die Weltmeisterschaft wegschnappt. Aber so weit sind wir noch lange nicht."

Die beiden Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton könnten nun "fahren, wie sie wollen".

Wolff kämpft für das Image

Laudas österreichischer Landsmann Wolff sieht das völlig anders.

"Im Vorfeld festzulegen, wer wann ins Ziel fährt", habe zwar nichts mehr mit "Entertainment zu tun. Aber wir haben auch eine Verantwortung für rund 300.000 Konzern-Mitarbeiter weltweit. Wenn zwei Mercedes-Fahrer sich gegenseitig von der Strecke schießen, passt das nicht zum Image unseres Konzerns."

Der daraus resultierende Schaden wäre zu groß. Ja, was denn nun?

Lowe soll Brawn ersetzen

Bei der Marke mit dem Stern sprechen die Verantwortlichen in wichtigen Fragen der Ausrichtung des Teams nicht immer mit einer Stimme. (DATENCENTER: Das Trainings-Ergebnis)

Wenigstens bei der geplanten Verpflichtung des Star-Ingenieurs Paddy Lowe für die nächste Saison herrscht breiter Konsens.

Der bei McLaren abgesetzte Technische Direktor soll den in die Kritik geratenen Teamchef Ross Brawn beerben.

"Niki hat Paddy Lowe auf Basis der Ergebnisse des Vorjahres gefragt, ob er für uns arbeiten möchte. Ross hat darauf total professionell reagiert und gesagt: Ich habe drei Jahre lang nicht die Ergebnisse gebracht, die erwartet wurden. Deswegen ist klar, dass Ihr euch nach einem Nachfolger umschaut", sagte Wolff im Gespräch mit der Tageszeitung "Die Welt".

Lowe zu Mercedes fast fix

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann Mercedes offiziell bekannt gibt, dass Lowe 2014 zu dem deutschen Werksteam stößt.

Experten gehen schon länger davon aus, dass der Brite seinem Vertrauten Hamilton folgen wird.

McLaren hatte Lowe, der in der Szene einen exzellenten Ruf genießt, bereits aus der Entwicklung des neuen Autos herausgenommen.

Wolff fordert Titel

Die Personalie Lowe wäre ein weiterer großer Schritt in der Umstrukturierung des Teams.

Wolff krempelt die Truppe ordentlich um, damit in möglichst naher Zukunft endlich um den ersehnten WM-Titel gefahren wird.

Das Mercedes-Imperium will in Zukunft richtig zurückschlagen. "Unser erstes Ziel ist es, als Frontrunner wahrgenommen zu werden, auf Augenhöhe mit Ferrari, McLaren und Red Bull. Aber dann muss es einen WM-Titel geben", sagte Wolff unlängst.

Rosberg ist optimistisch

Nico Rosberg ist vor dem Rennen in Schanghai optimistisch. "Ich bin extrem motiviert, weil ich hier die letzten Jahre immer geführt und im vergangenen Jahr endlich gewonnen habe. Die Strecke liegt mir und dem Auto hervorragend", sagte der Wiesbadener.

2012 hatte er hier seinen ersten und bisher einzigen Triumph gefeiert - der erste Sieg für ein Mercedes-Werksteam seit 1955.

"Ich habe die Chance, wieder aufs Podium zu fahren", sagte Rosberg. Und Hamilton meinte: "Wir sind mit bei der Musik."

Nur ist nicht ganz klar, nach wessen Pfeife die Silberpfeile tanzen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel