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Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel liegt in der WM mit 40 Punkten in Führung © imago

Die Reifen sorgen nach schwachem China-Qualifying für Unmut nicht nur beim Weltmeister. Sein Red-Bull-Team pokert fürs Rennen.

Von Marc Ellerich

München - Sebastian Vettel redete nicht lange um den heißen Brei herum.

Als der Red-Bull-Weltmeister nach der Qualifikation zum China-Grand-Prix (Highlights 16.40 Uhr im TV auf SPORT1, Rennen, So., ab 8.45 Uhr im LIVE-TICKER) gefragt wurde, wie er die Pirelli-Reifen in der noch jungen Saison bewerten würde, antwortete Vettel knallhart.

"Soll ich ehrlich sein? Die kriegen eine sechs", erteilte der Champion den schwarzen Walzen die schlechteste aller Schulnoten.

Hamilton schwärmt

Vettel war nicht zufrieden. Der Heppenheimer hatte auf dem Shanghai International Circuit nicht den Hauch einer Chance gehabt, im Kampf um die Pole-Position mitzumischen. (Bericht: Premieren-Pole für Hamilton)

Ohne eine gezeitete Runde musste der Weltmeister mitansehen, wie sich Lewis Hamilton mit seiner Bestzeit von 1:34,484 Minuten die vorderste Startplatzierung sicherte, erstmals im Rennwagen seines neuen Arbeitgebers Mercedes. (DATENCENTER: Qualifying-Ergebnis)

"Ein unglaubliches Gefühl", schwärmte der Mercedes-Neuling nach seiner Fahrt: "Ich bin einfach aus dem Häuschen. Wir haben eine gutes Renntempo. Es wird hart, aber ich hoffe, wir können die Position verteidigen."

Webber strafversetzt

Hinter dem Engländer folgten Lotus-Pilot Kimi Räikkönen in 1:34,761 Minuten und Ferrari-Star Fernando Alonso, der 1:34,788 Minuten für seinen schnellsten Umlauf benötigte. (702313Die Bilder)

Hamiltons Teamkollege, Vorjahressieger Nico Rosberg, startet in China vom vierten Platz aus.

Vettel hingegen geht am Sonntag von Platz neun aus ins dritte Rennen des Jahres. Mit seinem Teamkollegen und Erzrivalen Mark Webber wird er da kaum aneinandergeraten. Dem Australier ging im zweiten Durchgang der Sprit aus, die Strafversetzung auf den letzten Platz war das Resultat.

Red Bull wählt harte Reifen

Aber auch für den deutschen Dreifach-Weltmeister lief es nicht rund. Die fehlende Haltbarkeit der Pneus und das mangelnde Tempo seines RB9 zwangen Red Bull im letzten Durchgang zu einem kuriosen Poker.

Anders als die meisten Konkurrenten vor ihm, verzichtete Vettel im Quali-Finale auf die weichen Reifen. Der Weltmeister zog die harte Mischung vor.

Aus gutem Grund, wie er später berichtete.

"Wir haben gesehen, dass einige sehr schnell waren, besonders Mercedes und Ferrari, also haben wir beschlossen, eine andere Richtung einzuschlagen", sagte Vettel.

Und weiter: "Wegen der Tatsache, dass der weiche Reifen nicht sehr lange hält, haben wir uns für die andere Variante entschieden. Wir versprechen uns dadurch ein bisschen besseres Rennen."

Vettel selbstbewusst

Vettel, dem auf seiner letzten Runde auch ein Fahrfehler unterlief - angeblich aufgrund fehlenden Bremsdrucks - mochte den Effekt der Red-Bull-Taktik nicht abschließend beurteilen.

Es sei aber "von Vorteil, nicht nach fünf Runden an die Box zu müssen", meinte der WM-Führende: "Was uns das bringt, wird man morgen sehen."

Zugleich stellte Vettel sehr selbstbewusst klar: "Für die Pole-Position gibt es keine Punkte. Diese werden erst am Sonntag vergeben. Unser Ziel heute war, für das Rennen vorbereitet zu sein."

Rosberg: Bessere Strategie

Fest steht: Die Reifen werden auch in China der Schlüssel zum Sieg sein - vielleicht sogar noch mehr als in den beiden Grands Prix zuvor.

Das weiß Vettel, und das wusste natürlich auch der Tagesbeste Hamilton.

"Die Reifen sind an diesem Wochenende sehr schwierig zu handhaben", meinte der Engländer nach seiner Bestzeit auf dem 5,4 Kilometer langen Kurs: "Mit dem weichen Reifen geht das so gut wie gar nicht. Es dürfte nicht sehr lange bis zum ersten Wechsel dauern."

Aber wie unterschiedlich die Teams das sensible R-Thema einschätzen, belegt Nico Rosbergs Urteil, der die die Reifenfrage völlig anders einschätzte als Landsmann Vettel.

"Ich denke, das ist die richtige Wahl", kommentierte der Vorjahressieger die Entscheidung seines Teams, mit der weicheren Mischung ins Rennen zu gehen: "Auf den weichen zu starten, gibt uns die Chance, weit vorne im Feld zu fahren. Das sollte morgen die bessere Strategie sein."

Alonso gelassen

Man wird sehen, wer nach den 305 Kilometern auf dem chinesischen Kurs recht behalten wird.

Gut möglich, dass es Fernando Alonso ist, den das Reifen-Thema im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten ziemlich kalt ließ.

"Wir haben keine Sorgen mit den Reifen", meinte der Spanier: "Gut, die weichere Mischung baut etwas schneller ab als die härtere. Aber in den Long Runs haben sich für mich keine bösen Überraschungen ergeben. Weder mit den einen noch mit den anderen Reifen."

Pirelli rechnet mit drei Stopps

Einen turbulenten Grand Prix mit vielen Wechseln wird es aber ganz gewiss geben.

Paul Hembery, Motorsportchef von Reifenlieferant Pirelli, erwartet in Schanghai eine Drei-Stopp-Strategie bei den meisten Teams.

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