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Ferrari-Pilot Fernando Alonso belegt mit 31 Triumphen Platz vier in der F1-Siegerliste © getty

Der Ferrari-Pilot traut sich nach seinem souveränen China-Sieg viel zu. Weltmeister Sebastian Vettel attackiert erneut Pirelli.

Von Marc Ellerich

München - Der Sieger blieb auf dem Boden.

Er wolle seinen Triumph beim China-Grand-Prix "nicht so intensiv" feiern, kündigte Ferrari-Star Fernando Alonso an.

Nach 56 Runden hatte der Spanier den Zielstrich auf dem Shanghai International Circuit als Erster überquert. Seine Verfolger Kimi Räikkönen im Lotus und Mercedes-Pilot Lewis Hamilton kamen erst mit deutlichem Abstand von zehn bzw. zwölf Sekunden ins Ziel. (Bericht)

Alonso: "Großartig"

Ein souveräner Sieg. Ferraris Nummer eins hat sich eindrucksvoll im WM-Rennen zurückgemeldet. (DATENCENTER: Rennergebnis)

Und obwohl die Party angeblich nicht allzu überschwänglich ausfallen soll, kommentierte Alonso den ersten Saisonsieg der Scuderia anschließend überschwänglich.

"Für uns war es vom Start bis zur Zieldurchfahrt in fantastisches Rennen", schwärmte der Pilot aus Oviedo: "Es fühlt sich einfach großartig an." (702819Die Bilder des Rennens)

Reifen der Schlüssel

Mit dem F138 habe es keine Probleme gegeben, "und der Reifenverschleiß war nicht so dramatisch, wie wir erwartet hatten. Wir konnten mehr oder weniger das Tempo kontrollieren".

Die Reifen. Sie würden der Schlüssel zum Sieg sein, das war bereits nach dem Qualifying am Samstag klar gewesen.

Und dass Ferrari hier gut aufgestellt war, hatte Alonso bereits nach dem Zeitfahren auf dem 5,4 Kilometer langen Kurs bemerkt. Keine Probleme, gab der Vize-Weltmeister nach seinem dritten Platz in der Qualifikation zu Protokoll.

Vettel fehlen 0,2 Sekunden

Anders Weltmeister Sebastian Vettel. Schon am Vortag war der Red-Bull-Star unzufrieden mit den Pirelli-Walzen gewesen. Nach Startplatz neun brandmarkte er die Pneus: Er gebe Pirelli eine glatte sechs.

Am Sonntag war seine Laune nicht viel besser. Zwar hatte der Champion eine grandiose Aufholjagd geboten und den dritten Podiumsplatz im spannenden Duell mit Hamilton nur um wenige Meter verfehlt.

Um 0,2 Sekunden verpasste Vettel Platz drei. "Es hat nicht viel gefehlt", kommentierte er sein Resultat.

Red Bull pokert

Aber letztlich war Red Bulls Reifenpoker nicht aufgegangen.

Anders als die meisten Top-Piloten vor ihm hatte der Red-Bull-Pilot gar nicht erst versucht, auf der weichen Pirelli-Mischung um die Pole-Position in Schanghai zu kämpfen.

Er startete auf den harten Pneus, wechselte diese einmal und ließ erst fünf Runden vor Ende die weichen Walzen aufziehen.

Deshalb habe er das Podium nicht verloren, beteuerte Vettel anschließend: "Unsere Strategie hat heute funktioniert."

Hülkenberg als Verhängnis

Zum Verhängnis wurde ihm in dem stark von der Taktik geprägten Rennen nach eigener Meinung sein vor ihm fahrender Landsmann Nico Hülkenberg.

Der Sauber-Pilot hatte Vettel in der Anfangsphase des Grand Prix überholt und ihn anschließend rundenlang hinter sich gehalten - damit hatte Red Bull bei seiner Strategie-Planung offenbar nicht gerechnet.

"Im Nachhinein ist man immer schlauer", räumte Vettel ein: "Wenn man die zwei, drei Sekunden sucht, die gefehlt haben, dann eher am Anfang des Rennens, wo wir ein bisschen im Verkehr festhingen."

Er habe in dieser Phase des Grand Prix nicht den erhofften Boden auf seine Konkurrenten gut machen können, analysierte der Heppenheimer: "Wenn man so will, haben wir dort heute das Podium verloren."

Vettel kritisiert Pirelli

An den Pirelli-Reifen ließ Vettel anschließend dennoch kein gutes Haar.

Sie hätten bei der Fahrt hinter Vordermann Hülkenberg nicht gut funktioniert und überhaupt: "Es hat nicht viel mit Rennfahren zu tun, wenn man das ganze Rennen praktisch nur auf die Reifen auslegt. So ist es aber, und heute waren da drei besser als wir."

Im Rennen sei es schwer zu beurteilen, wer wie schnell fahren könne, "weil man sich ständig die Reifen einteilt", fügte der jüngste Dreifach-Weltmeister der Geschichte hinzu: "Wenn man von Anfang bis Ende fünf Sekunden nur wegen der Reifen verliert, hat das nichts mit Können zu tun."

Man fahre quasi im Dunkeln, könne nicht mehr attackieren, so Vettel weiter: ?Was die Zweikämpfe angeht, lässt man die Leute einfach ziehen. Fernando ist zwei Mal an mir vorbeigezogen. Ich habe mich gar nicht gewehrt, ich hätte mir nur selbst ins Bein geschossen.?

Lauda: Pirelli bringt neue Reifen

Das Thema wird den PS-Elitezirkel weiter beschäftigen, so viel steht nach der Kritik des Titelverteidigers fest.

Zumal auch der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda anschließend forderte: ?Die Reifen müssen länger halten.?

Pirelli werde aufgrund der Beschwerden beim Europa-Start der Formel 1 in Barcelona neue Reifen einsetzen, enthüllte Lauda: "Dann wird es besser werden."

Alonso gleichauf mit Mansell

Dass man sich bei Red Bull über die Reifen-Thematik wohl noch mal intensive Gedanken machen wird, legt Alonsos souveräne Siegfahrt nahe.

Ferrari habe nach dem Ausfall in Malaysia unter Druck gestanden, wieder ein Rennen zu beenden, stellte der Pilot fest.

Mit seinem 31. Sieg schloss Alonso zum Briten Nigel Mansell in der ewigen Siegerliste auf und im WM-Tableau hat er sich wieder nahe an den führenden Vettel herangerobbt.

Dass bereits in der kommenden Woche, beim Grand Prix in Bahrain, der nächste Sieg folgen wird, wollte Alonso nicht versprechen. Nur soviel: "Wir sind optimistisch. Ich denke, wir haben sogar noch mehr Potenzial."

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