Peter Kohl kritisiert in seiner Kolumne das Weltmeister-Team wegen Webbers Pannen scharf. Auch bei Mercedes sieht er Schwächen.

Flops

Softies: Langsam gehen mir die jeweiligen weichen Reifen mächtig auf den Zeiger. Statt Rennen zu fahren, geht es nur noch darum, die Reifen so gut wie irgend möglich am Leben zu erhalten.

Gegner werden vorbei gewinkt, siehe das "Duell" Vettel gegen Alonso. Rechts und links der Ideallinie befinden sich Gummiabrisshalden, die Überholmanöver unterbinden.

Im Qualifying werden Reifen gespart auf Teufel komm raus, es wird deshalb nur wenig oder gar nicht gefahren, und die Hälfte der Rennen besteht aus Boxenstopps.

Wenn ihr die besten Schrauber der Welt sucht, macht einen eigenen Wettbewerb draus. Tut was, sonst wird die Formel 1 noch zur Lachplatte.

Zuverlässigkeit bei Mercedes: Die Kiste ist schnell, das steht außer Frage. Aber zwei technisch bedingte Ausfälle in 3 Rennen bei Nico Rosberg sind ein absolutes No Go für ein Spitzenteam. Es gibt noch viel zu tun, packt es an Jungs!

Red Bull: Beim Top-Speed am Ende der Tabelle - das ist nichts Neues.

In den vergangenen Jahren haben sie das wettgemacht durch eine sensationelle Aerodynamik in den Kurven. Selbige frisst jetzt aber zu stark die Reifen. Das müssen sie in den Griff kriegen, denn Pirelli wird keine Red-Bull-spezifischen Reifen backen.

Die Strategie für Vettel ist diskussionswürdig, der letzte Stopp kam definitiv zu spät.

Die Pannen an Mark Webbers Auto sind eines Spitzenteams nicht würdig.

[image id="be116802-63dc-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Perez/McLaren: Der Mexikaner wirkt überfordert, das Krisenmanagement des Teams greift nicht. Bei beiden geht die Entwicklung zu langsam, um dorthin zu kommen, wo man sich selber sieht: an die Spitze.

Da sind noch eine Menge Baustellen: Helme auf und in die Hände gespuckt.

Stewards: Webber signalisiert ein lockeres rechtes Hinterrad, Red Bull beordert ihn Richtung Box, anstatt das zwingend notwendige Kommando zum Stehenbleiben zu geben.

Das Rad löst sich, ist eine enorme Gefährdung für andere. Red Bull hat das billigend in Kauf genommen.

Und bekommt dafür eine Strafe in Höhe von 5.000 Euro! Ich lach mich schlapp! Bei Mercedes hat das vor noch gar nicht langer Zeit bei einem Vorfall in der Boxengasse 25.000 Euro gekostet.

Aber vielleicht gibt es ja auch spezielle Red-Bull-Tarife.

Tops

Ferrari/Alonso: Der F138 ist eine echte Rakete. Der Weltmeister von 2005 und 2006 zeigt sich in Schanghai souverän, abgeklärt und in Topform.

Alonso hat den Ausfall von Malaysia weggesteckt, als ob nichts passiert wäre. Clever seine Überholmanöver jeweils in der zweiten DRS-Zone auf der Start-Zielgeraden, so dass der jeweilige Gegner nicht mehr kontern konnte.

Perfekt sein Reifenmanagement, und auch im Qualifying ist der alte Biss zurück. Einziger Wehmutstropfen: Kollege Massa kann nicht das Optimum aus der Roten Göttin rausholen.

Kimi Räikkönen: Mal abgesehen vom Start, der in die Hosen ging: der Finne ist ein Naturereignis! Perez hat alles versucht, ihn von der Strecke zu schießen - zwecklos!

Trotz total zerstörter Aerodynamik an der Nase des Lotus E21 zeigte Räikkönen eine ganz starke Leistung, Platz zwei ist mehr als verdient. Kein Wunder, dass Red Bull für 2014 das Lasso nach ihm auswirft.

Jenson Button: Vielleicht der beste Button, den wir bislang gesehen haben. Was der Weltmeister von 2009 aus der McLaren-Gurke rausholt, ist absolute Spitzenklasse.

Nico Hülkenberg: Ich hoffe, das Team ist bald auf dem Niveau seines Vorzeigefahrers! Wenn man seine Leistungen sieht, ist es eine umso größere Schande, dass er 2011 ein Jahr pausieren musste. Der Weg für ihn kann nur Richtung eines Spitzenteams gehen!

Jules Bianchi: Der Marussia-Pilot ist der am besten vorbereitete Neuling. Aber das muss man trotzdem erst mal umsetzen. Der Franzose schafft es in jedem Qualifying und Rennen, ist klar der mit Abstand Beste bei den Hinterbänklerteams.

Auch ein Alonso hat mal so angefangen bei Minardi. Ich hoffe für Bianchi, dass sich für ihn Türen öffnen in ein besseres Team.

Freitag gehts schon wieder weiter im Sandkasten von Bahrain. Und ich fürchte, wir werden wieder eine Menge über die Reifen sprechen.

Bis dahin!

Ihr Peter Kohl

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel