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Bernie Ecclestone ist seit den frühen 1970er Jahren Promoter der Formel 1 © imago

Vor dem umstrittenen Rennen im Golfstaat fordern Politiker und eine Hacker-Gruppe eine Absage. Ecclestone reagiert gelassen.

Manama - Bernie Ecclestone gerät vor dem umstrittenen Grand Prix von Bahrain (Training, Fr., ab 9 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) zunehmend unter Druck.

Eine Gruppe britischer Parlamentsmitglieder hat den Formel-1-Promoter wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen und Proteste in dem autoritären Golf-Staat in einem Brief aufgefordert, das Rennen abzusagen.

"Seit April 2012 haben viele weitere Menschen, darunter Kinder, ihr Leben verloren, und das ganze Land lebt in Angst und Einschüchterung", heißt es in dem Schreiben, das 20 Politiker unterzeichnet haben. Der Brief wurde auch an die Teams, Fahrer, Sponsoren und die übertragenden Fernsehsender geschickt.

Hacker-Organisation "Anonymous" droht

Zuletzt hatte die Hacker-Organisation "Anonymous" Ecclestone mit einem Internet-Angriff gedroht, sollte das Rennen stattfinden und der umstrittene Grand Prix am kommenden Sonntag (ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER, Highlight des Rennens ab 16.55 Uhr im TV auf SPORT1) nicht abgesagt werden.

"Sag Dein Blutrennen jetzt ab!", lautete die martialische Forderung.

Für Ecclestone ist das alles kein Problem. "Ich habe überhaupt keine Bedenken", sagte der mächtige Formel-1-Mogul. Der Brite soll zwischen 40 und 50 Millionen Dollar Antrittsgage von den Veranstaltern kassieren.

"Formel 1 ist Unterhaltung"

"Wir sollten nicht in politische Belange hineingezogen werden. Wir sollten dorthin fahren, das Rennen absolvieren und konzentriert sein. Die politischen Aspekte sollten von jemand anderem gelöst werden", sagte dazu Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost: "Die Formel 1 ist Unterhaltung."

Immerhin kündigte Ecclestone an, sich mit Vertretern der Opposition treffen zu wollen. "Ich hege große Sympathien für sie", sagte der milliardenschwere Promoter.

Vor dem Rennen in Bahrain haben führende Menschenrechtler auf die "sehr angespannte Lage" in dem autoritären Golf-Staat aufmerksam gemacht.

Das Regime um König Hamad bin Isa Al-Khalifa würde die Wünsche der Menschen völlig ignorieren und "friedliche Aktivisten einsperren" lassen, sagte Nicholas McGeehan, Bahrain-Experte der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch.

Menschen in der Nähe der Strecke trifft es hart

Besonders hart treffe es Menschen die in der Näche der Strecke leben: "Ihre Häuser weden von maskierten und bewaffneten Polizisten gestürmt, um Demonstranten aus dem Verkehr zu ziehen."

Die Regierung werde "alles versuchen, ein störungsfreies Rennen zu gewährleisten - um der Weltöffentlichkeit vorzugaukeln, in Bahrain sei alles in bester Ordnung", sagte McGeehan. Derweil ruft die Opposition im Vorfeld des Rennens unter dem Motto "Demokratie ist unser Recht" zu gewaltfreien Protesten auf.

Drohungen gegen Aktivisten

Zuletzt wurde die Gefängnisstrafe für Beleidigungen gegen den König auf fünf Jahre erhöht. "Das ist ein weiterer Versuch, Aktivisten im Vorfeld des anstehenden Grand Prix mundtot zu machen", sagte Hassiba Hadj Sahraoui von Amnesty International. Dennoch erwartet sie, dass die Demonstrationen wie zuletzt anhalten.

In den vergangenen Wochen zogen immer wieder Menschen durch die Hauptstadt Manama und andere Städte, um mehr Demokratie einzuforden. Dabei kam es auch zu Ausschreitungen - ein Auto explodierte, Molotow-Cocktails flogen, die Staatsmacht setzte gegen die Regierungsgegner Tränengas ein.

Seit zwei Jahren kämpfen Oppositionelle der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung für mehr Rechte in Bahrain, das seit Jahrhunderten von der Herrscherfamilie Al-Khalifa regiert wird - einer sunnitischen Dynastie.

80 Menschen sind in dem kleinen Land seit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings Anfang 2011 ums Leben gekommen. Allein in diesem Monat sollen bisher rund 100 Aktivisten eingesperrt und 30 verletzt worden sein.

Rennen 2011 abgesagt

2011 war das Rennen in Bahrain abgesagt worden, nachdem die aufkommenden Unruhen von Truppen aus dem benachbarten Saudi-Arabien blutig niedergeschlagen worden waren.

"Vergangenes Jahr fand das Rennen unter Bedingungen des Kriegsrechts statt. 300 Demonstranten wurden verhaftet und mussten einige Monate im Gefängnis verbringen", schrieb Andy Slaughter, Vorsitzender der "All Party Parliamentary Group for Democracy in Bahrain", weiter.

Das Rennen werde genauso viel negative Publicity bekommen wie vor einem Jahr: "Ich denke, die meisten demokratisch gesinnten Menschen wären entsetzt, wenn Sie (Ecclestone, d. Red.) Bahrain trotz grausamster Menschenrechtsverletzungen erlauben würden, Teil der Formel-1-Weltmeisterschaft zu sein.

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