vergrößernverkleinern
In Bahrain steigt am Sonntag zum neunten Mal ein Formel-1-Rennen © getty

Oppositionelle geraten bei Demonstrationen gegen die autoritäre Regierung schon vor dem Bahrain-GP mit der Polizei aneinander.

Manama - Die Polizisten tragen ihre Maschinengewehre im Anschlag, gepanzerte Fahrzeuge stehen bereit für den Ernstfall, in der Stadt sind zahlreiche Straßensperren errichtet worden:

Staatsmacht und Opposition rüsten sich vor dem Großen Preis von Bahrain (Training, Fr., ab 9 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) für die größten Proteste seit langem gegen das Regime der Herscherfamilie Al-Khalifa.

"Wir sind nicht gegen den Grand Prix, aber wir wollen, dass die Welt unsere Forderungen hört - Demokratie, Achtung der Menschenrechte und eine gewählte Regierung", sagte Khalil al-Marzooq, einer der Führer der wichtigsten Oppositionspartei von Bahrain (Al-Wefaq).

Proteste ab Freitag

Unter dem Motto "Vulkan des Zorns" wolle man ab Freitag, dem Beginn des freien Trainings zum Rennen am Sonntag (ab 13.45 Uhr im LIVE-TICKER, Highlight des Rennens ab 16.55 Uhr im TV auf SPORT1) gegen die "Unterdrückung der Menschen" in Bahrain demonstrieren.

Al-Marzooq beschwor friedliche Proteste gegen das Regime, konnte eine Eskalation aber auch nicht ausschließen: "Gewalt erzeugt Gegengewalt."

Schon unter der Woche kam es in Manama immer wieder zu Demonstrationen, Autoreifen wurden in Brand gesteckt, Molotow-Cocktails flogen, die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein. Am Donnerstag wurden sechs Personen wegen Brandstiftung und Verkehrsbehinderung festgenommen.

Die Protestierenden riefen "Formel des Blutes" und trugen teilweise Plakate, auf denen das Gesicht von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone mit einem großen X durchgestrichen war.

[kaltura id="0_h7narayk" class="full_size" title="Ausschreitungen in Bahrain"]

Brief von Ecclestone

Der Brite wandte sich nun zwar mit einem Brief an Oppositionelle - der Inhalt war an Zynismus aber kaum zu übertreffen (BERICHT: Gegenwind für Ecclestone).

"Es ist eine große Schande, dass ich davon nicht schon vor September 2012 erfahren habe, als der Formel-1-Kalender erstellt wurde. Jetzt ist es zu spät, um noch Änderungen an dem Kalender vorzunehmen", zitiert die Zeitung "Die Welt" aus Ecclestones Schreiben.

Dabei ist seit langem bekannt, dass die Herrscherfamilie Al-Khalifa teils mit großer Gewalt gegen Demonstranten vorgeht. Schließlich wurde im vergangenen Jahr das Rennen wegen der ausufernden Gewalt abgesagt. Jean Todt, Präsident des des Automobil-Weltverbandes FIA, sah keine Veranlassung sich in Bahrain blicken zu lassen.

Furcht bei Ferrari

Stattdessen erklärte der Franzose in einem offenen Brief, dass "die Formel 1 einen positiven und heilenden Effekt in Situationen haben kann, in denen Konflikte, soziale Unruhen und Spannungen Leid verursachen". Ferrari forderte seine Teammitglieder auf, die Straßen von Manama zu meiden.

Die Regierung machte klar, dass sie "angemessene" Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergreifen wird, die Sicherheit sei gewährleistet. Eine Sprecherin des Regimes nannte die Demonstranten eine "kindische Bewegung. Das hat keinen Einfluss auf das Rennen." Alle Fahrzeuge auf dem Weg zur Strecke werden geröntgt.

Menschenrechtsorganisationen wie "Amnesty International" kritisierten, dass König Hamad bin Isa Al-Khalifa die Formel 1 als Plattform benutzt, um Fortschritte und eine Ausweitung der Menschenrechte vorzugaukeln, dabei seien die Repressionen rund um das Rennen noch einmal verstärkt worden.

Politische Forderungen

Man fordere die Regierung auf, "unverzüglich alle politischen Gefangenen freizulassen und den Demonstranten ihr Recht auf friedlichen Protest" zu gewähren.

Seit zwei Jahren kämpfen Oppositionelle der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung für mehr Rechte in Bahrain, das seit Jahrhunderten von der Herrscherfamilie Al-Khalifa regiert wird - einer sunnitischen Dynastie.

Tote und Verletzte

80 Menschen sind in dem autoritären Land seit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings Anfang 2011 ums Leben gekommen. Allein in diesem Monat sollen bisher rund 100 Aktivisten eingesperrt und 30 verletzt worden sein.

2011 war das Rennen in Bahrain abgesagt worden, nachdem die aufkommenden Unruhen von Truppen aus dem benachbarten Saudi-Arabien blutig niedergeschlagen worden waren. Das Rennen 2012 wurde von Protesten begleitet.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel